Ansbach-Weißenburg (red). Mehr offene Stellen und weniger Kurzarbeit – auf dem regionalen Arbeitsmarkt gibt es einige positive Signale, obwohl die Arbeitslosigkeit nochmals angestiegen ist.

„Das hat vor allem saisonale Gründe“, weiß Claudia Wolfinger, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg. 8.806 Arbeitslose sind aktuell gemeldet, 431 oder 5,1 Prozent mehr als im Juli. Wobei diese Zunahme für einen August typisch ist und sogar geringer ausfällt als vor einem Jahr. Damals erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen von Juli auf August um 11, 6 Prozent.

Die Agenturchefin bewertet die Entwicklung verhalten optimistisch, obwohl die Arbeitslosigkeit das Vorjahresniveau weiterhin übersteigt. Erfreulich sei, dass der Abstand kleiner wird. „In den letzten drei Monaten hatten wir im Schnitt 45 Prozent mehr Arbeitslose als 2019, aktuell sind es plus 35 Prozent.“

Arbeitslosenquote der Jüngeren bei 4,5 Prozent

Die Arbeitslosenquote insgesamt liegt im Berichtsmonat bei 3,4 Prozent (Vormonat 3,2 und Vorjahr 2,5 Prozent). Für die Gruppe der jüngeren Arbeitslosen bis 25 Jahre errechnet sich mit 4,5 Prozent eine höhere Quote (Vorjahr 3,6). Hier macht sich die Corona-Krise bemerkbar, denn in diesem Sommer wurden weniger Azubis nach der Ausbildung übernommen als sonst. „Diese jungen Fachkräfte sind eigentlich gefragt und für andere Arbeitgeber sehr interessant.“

Deshalb geht Claudia Wolfinger davon aus, dass sich die Situation spätestens im Oktober entspannt. „Die meisten der momentan 1.346 arbeitslosen jungen Menschen werden die Arbeitslosigkeit in Kürze
beenden, weil sie einen neuen Arbeitsplatz finden, eine weiterführende Schule besuchen oder studieren.“

Weniger Kurzarbeit neu angezeigt

Bei der Kurzarbeit kommen nur noch wenige Betriebe hinzu. Im letzten Monat waren es 110 Betriebe, die für 1.950 Beschäftigte Kurzarbeit neu angezeigt haben. Zum Vergleich: Den Höchststand der Anzeigen gab es im April mit 3.433 Anzeigen für 53.122 Beschäftigte.

Wie hoch die Zahl der Kurzarbeiter dann tatsächlich ausfällt, erkennt man erst nach drei Monaten. So lange haben die Unternehmen Zeit, die tatsächliche Kurzarbeit abzurechnen. Das Instrument jedenfalls bleibt noch lange unverzichtbar, damit Beschäftigte ihren Arbeitsplatz nicht verlieren und Betriebe ihre Fachkräfte auch in der Corona-Krise halten können. Erfreulicherweise nehmen aber immer mehr kurzarbeitende Betriebe die Produktion ganz oder teilweise wieder auf bzw. bieten ihre Dienstleistungen wieder an. Damit steigt auch die Chance auf Neueinstellungen.

Nachfrage nach Arbeitskräften nimmt wieder zu

Seit Mai nimmt die Nachfrage nach Arbeitskräften kontinuierlich zu. Sowohl die neu gemeldeten Arbeitsstellen als auch der Bestand wachsen von Monat zu Monat. Das Niveau des Vorjahres wird allerdings noch nicht erreicht, so dass weiterhin für mehr Arbeitslose weniger Stellen zur Verfügung stehen.

Im August meldeten die Arbeitgeber dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern 1.021 freie Stellen, 61 mehr als im Juli, aber 149 weniger als im Vorjahr. Im Bestand sind aktuell 4.362 Stellenangebote (Vormonat +35; Vorjahr -693). Das meiste Personal wird in der Zeitarbeit gesucht (1.039 offene Stellen), gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen (616), dem verarbeitenden Gewerbe (597), dem Baugewerbe (521), dem Handel (450) und der Gastronomie (224).

62 Prozent aller Stellenangebote sind für Fachkräfte, 15 Prozent für Akademiker und Führungskräfte und nur 23 Prozent für Ungelernte geeignet. Das unterstreicht die Bedeutung von Berufsausbildung und Qualifizierung, denn für Menschen ohne Ausbildung wird das Angebot immer geringer.

Arbeitsmarktentwicklung in den Rechtskreisen SGB III und SGB II

Die insgesamt 8.806 Arbeitslosen werden entweder von der Agentur für Arbeit (Rechtsgrundlage SGB III) oder von den Jobcentern (Rechtsgrundlage SGB II) betreut. Im August fällt erneut der starke Anstieg im Bereich SGB III auf, weil die Neuzugänge überwiegend aus Erwerbstätigkeit kommen und die Agentur für Arbeit für
sie die erste Anlaufstelle ist. Damit sind aktuell 5.918 Arbeitslose im Bereich SGB III gemeldet, 45 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der Anstieg bei den Jobcentern fällt mit 19,7 Prozent deutlich geringer aus. Hier sind im August 2.888 Personen arbeitslos.

Endspurt auf dem Ausbildungsmarkt

Die Corona-Krise hat die Einstellung von Azubis vielfach verzögert. In den letzten Wochen wurden jedoch viele Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dennoch sind in der Region immer noch rund 1.400 Ausbildungsstellen offen. Schulabgängerinnen und -abgänger finden also weiterhin ein breites Angebot. Viele  Arbeitgeber, die bisher keinen passenden niemanden finden konnten, suchen auch nach dem 1. September weiter. „Interessierte Jugendliche können und sollen sich jederzeit an die Berufsberatung wenden“, appelliert Agenturchefin Claudia Wolfinger. Dort und im Arbeitgeber-Service laufen die Vermittlungsaktivitäten fürs Ausbildungsjahr 2020 auf jeden Fall bis zum Jahresende weiter.

Der Arbeitsmarkt im Landkreis Roth

Im Landkreis Roth machen sich die Betriebsschließungen und Insolvenzen der letzten Monate zunehmend bemerkbar. Die Arbeitslosenquote ist binnen eines Jahres von 2,1 auf jetzt 3,1 Prozent angestiegen. Das ist zwar immer noch ein recht guter Wert, aber eben nicht mehr so positiv wie in der Vergangenheit. Gegenüber dem Vormonat legt die Quote in Roth um 0,2 Prozentpunkte zu. Die Zahl der Arbeitslosen erhöht sich seit Juli um 113 auf jetzt 2.264. Im Vergleich zum Vorjahr sind 750 Menschen mehr beschäftigungslos (+49,5 Prozent).

Die Corona-Krise wirkt sich im Landkreis Roth auf beide Rechtkreise aus. Im Bereich SGB III liegt die Arbeitslosigkeit mit 1.632 um 616 über dem Vorjahresmonat (Vormonat +100). Im Bereich SGB II nimmt sie gegenüber dem Vorjahr um 134 auf 632 zu (Vormonat +13).

Die Arbeitgeber meldeten dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter im Laufe des Monats 307 neue Arbeitsstellen, 87 mehr als im Vormonat und elf weniger als vor einem Jahr. Insgesamt sind im Landkreis Roth 1.242 freie Stellen im Bestand, 42 mehr als im Juli, aber 214 weniger als im Vorjahr.

Der Arbeitsmarkt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen liegt mit 3,7 Prozent um 0,1 Prozentpunkte über dem Vormonatswert. Im Vorjahresvergleich steigt sie um 0,9 Prozentpunkte. Die Zahl der Arbeitslosen liegt mit 1.991 um 78 über dem Vormonats- und um 478 über dem Vorjahreswert.

Die Corona-Krise bewirkt in beiden Rechtkreisen einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Im Bereich SGB III sind 1.267 Personen arbeitslos, 337 mehr als im Vorjahr und 65 mehr als im Vormonat. Im Bereich SGB II sind 724 Arbeitslose erfasst (Vorjahr +141, Vormonat +13).

Die Arbeitgeber meldeten dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter im Laufe des Monats 153 neue Arbeitsstellen, das sind 44 weniger als im Vormonat und 46 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt sind im Landkreis mit 894 freie Stellen im Bestand, 86 weniger als im August 2019.

Bildunterschrift: Die Arbeitlosigkeit steigt an, es gibt aber auch positive Signale. Foto: pixabay

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