Altmühlfranken (red). Im Zuge der Corona-Krise hat sich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit weiter ver-schlechtert. Während der Bestand an Arbeitslosen im April noch um 1.842 oder 30,3 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen hatte, wird im Mai ein Plus von 2.518 oder 43,3 Prozent nachgewiesen. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 3,2 Prozent. In einem Mai war die Quote zuletzt 2014 auf gleichem Niveau.

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist dabei im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen: Zum einen haben sich zahlreiche Personen aufgrund von Entlassungen oder Aufgabe ihrer selbstständigen Erwerbstätigkeit neu arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig haben durch die Corona-Krise deutlich weniger arbeitslose Personen eine Be-schäftigung im selben Zeitraum aufgenommen.

Arbeitslosenzahl im Mai: 8.331
Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich: 5.813
Arbeitslosenquote im Mai: 3,2 %
Arbeitslosenquote im Vorjahr: 2,3 %

„Trotz der steigenden Arbeitslosenzahlen haben die Unternehmen schnell und flexibel auf die neuen Rahmenbedingungen reagiert, um ihre Geschäftsfähigkeit zu erhalten. Betriebe mussten ihre Arbeitsabläufe zum Teil massiv umstellen, um dem Gesundheitsschutz Rechnung zu tragen, Homeoffice wurde ausgebaut und wo erforderlich das Produktsortiment angepasst und Vertriebswege geändert. Auch die starke Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes zeigt, dass die Unternehmen ihre Mitarbeiter halten möchten. Das Kurzarbeitergeld sichert Beschäftigung und vermeidet Arbeitslosigkeit“, sagte Claudia Wolfinger, die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Ansbach-Weißenburg.

Arbeitslosigkeit nimmt in allen Wirtschaftsbereichen spürbar zu

Über fast alle Wirtschaftsbereiche hinweg ist eine Zunahme von neu arbeitslos gemeldeten Personen zu beobachten. Sie generieren sich im Mai überwiegend aus dem verarbeitenden Gewerbe (209) – hier hauptsächlich aus der Metall- und Elektroindustrie – aus der Arbeitnehmerüberlassung (177) und dem Handel (140). Etwas positiver stellt sich die Situation im Bereich „Erziehung und Unterricht“ (6), „Information und Kommunikation“ (10) und „Ver- und Entsorgungswirtschaft“ (12) dar.

Welcher Personenkreis ist besonders betroffen?

Besonders der Arbeitslosenbestand von Jüngeren im Alter von 15 bis unter 25 Jahren steigt im Vorjahresvergleich im Agenturbezirk klar an. Eine Ursache hierfür ist das Ende der Ausbildungen und ein krisenbedingtes Ausbleiben einer Übernahme in den Ausbildungsbetrieben. Aber auch alle anderen Personengruppen bleiben nicht von den Auswirkungen verschont.

Deutlich weniger Personalbedarf über alle Branchen hinweg

Im Zuge der Corona-Krise ist die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin rückläufig. So sind im Mai 2020 nur 620 neue Arbeitsstellen gemeldet worden. Das bedeutet einen Rückgang von 385 bzw. 38,3 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind damit in den beiden Krisen-Monaten April und Mai 2020 nur 1.109 neue Arbeitsstellen gemeldet worden. Das sind 1.126 (50,4 Prozent) weniger Zugänge als im Vorjahreszeitraum. Mit einem Rückgang bei den Zugängen sinkt auch der Bestand an Arbeitsstellen im Vorjahresvergleich deutlich. Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen beträgt im Mai 4.392 und liegt um 728 (14,2 Prozent) unter dem Vorjahreswert.

„Schon vor Beginn der Pandemie gingen die Stellenmeldungen im Agenturbezirk zurück. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung noch deutlich verstärkt. Allerdings zieht die Nachfrage nach Arbeitskräften im Vormonatsvergleich wieder etwas an. So wurden im Vergleich zum April des Jahres 131 bzw. 26,8 Prozent mehr Stellen gemeldet. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe, dem Handel, im Baugewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Verwaltung steigt der Personalbedarf etwas. Auch die Arbeitnehmerüberlassung sucht wieder mehr nach Mitarbeitenden.“, erläutert Wolfinger weiter.

Entwicklung der Anzeigen für Kurzarbeit

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt deutlich die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt erkennen. Die Zahl der geprüften Anzeigen hat im Vergleich zum Vorjahreszeitraum spürbar zugenommen. So haben im März und April 2020 im Agenturbezirk Ansbach-Weißenburg insgesamt 4.239 Be-triebe Kurzarbeit angezeigt, im Mai waren es weitere 357 Firmen.

„Die Summe der angezeigten Betriebe in den Monaten März und April kann als maximale Obergrenze der Inanspruchnahme von konjunktureller Kurzarbeit interpretiert werden.“, so Wolfinger. „Zur Abschätzung der maximalen Inanspruchnahme können die Neuanzeigen im Mai nicht einfach hinzuaddiert werden, weil in einigen Wirtschaftsbereichen Kurzarbeit bereits wieder beendet wurde oder eine Verlängerung von Kurzarbeit angezeigt wurde. So würde sich bei einer Hinzurechnung der Maiwerte ein falsches Gesamtbild ergeben“, erklärt sie. „Insgesamt lässt sich aber sagen, dass die Neuanzeigen deutlich zurückgegangen sind. Die Firmen streben eine langsame Rückkehr in den ‚Normalbetrieb‘ an. Die Einhaltung aller Hygienevorschriften erschwert dies in vielen Bereichen allerdings noch deutlich. Auch sind manche Bereiche der Wirtschaft weiterhin geschlossen, Lieferketten funktionieren noch nicht überall, andere Vertriebswege müssen gefunden werden. Zudem müssen teilweise Arbeitsabläufe angepasst und Produktpaletten geändert werden. Das alles wirkt sich auch auf die Arbeitsproduktivität aus.“

Arbeitsmarktentwicklung in den Rechtskreisen SGB III und SGB II

Von der Corona-Krise sind beide Rechtkreise betroffen, der Anstieg in der Grundsicherung fällt allerdings etwas geringer aus. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung lag die Arbeitslosigkeit bei 5.093, das sind 1.452 mehr als im Vorjahr (Vormonat +684). Im Bereich der Grundsicherung lag sie bei 2.824 (Vormonat +467).

Der Arbeitsmarkt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen liegt bei 3,8 Prozent. Verglichen mit dem Vormonat steigt sie um 0,2 Prozentpunkte, im Vorjahresvergleich um 1,1. Die Zahl der Arbeitslosen liegt mit 2.015 um 92 über dem Vormonats- und um 582 über dem Vorjahreswert.

Insgesamt haben im März und April rund 860 Betriebe Kurzarbeit angezeigt, im Mai kamen noch 75 weitere Anzeigen hinzu.

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bewirkt die Corona-Krise ebenso in beiden Rechtkreisen einen Anstieg. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung lag die Arbeitslosigkeit bei 1.255, das sind 418 mehr als im Vorjahr (Vormonat +41). Im Bereich der Grundsicherung lag sie bei 760 (Vorjahr +164, Vormonat +51).
Die Arbeitgeber melden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter im Laufe des Monats mit 101 neuen Arbeitsstellen 31 mehr als im April und 74 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt sind im Landkreis mit 924 freie Stellen nur noch 27 weniger im Bestand als im Mai 2019.

Arbeitsmarktentwicklung in der Stadt Ansbach

Mit einer Arbeitslosenquote von 4.9 Prozent steigt der Wert in der Stadt Ansbach im Vergleich zu Vormonat mit einem Plus von 0,3 Prozentpunkten deutlich weniger als im April. Verglichen mit dem Vorjahr liegt sie um 1,4 Prozentpunkte höher. Die Zahl der Arbeitslosen erhöht sich im Vergleich zum Vormonat um 101 auf 1.183, im Vorjahresvergleich nimmt sie um 360 zu.

Insgesamt haben im März und April rund 520 Betriebe Kurzarbeit angezeigt, im Mai kamen noch 37 weitere Anzeigen hinzu.

Im Stadtgebiet sind von der Corona-Krise weiterhin beide Rechtkreise betroffen, der Anstieg in der Grundsicherung fällt allerdings geringer aus. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung lag die Arbeitslosigkeit bei 611, das sind 209 mehr als im Vorjahr (Vormonat +57). Im Bereich der Grundsicherung lag sie bei 572 (Vorjahr +151, Vor-monat +44).

Die Arbeitgeber bleiben zurückhaltend und melden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter im Laufe des Monats mit 121 neuen Arbeitsstellen 24 weniger als vor einem Monat und 14 weniger als vor einem Jahr, was einem Minus von 10,4 Prozent entspricht. Insgesamt sind im Stadtgebiet Ansbach mit 768 freien Stellen allerdings 14 mehr im Bestand als im Mai 2019.

Der Arbeitsmarkt im Landkreis Ansbach

Im Landkreis Ansbach bleibt die Arbeitslosenquote mit 2,9 Prozent auf Vormonatsniveau und steigt im Vorjahresvergleich um 0,9 Punkte. Im Vormonatsvergleich sind 83 Menschen mehr ohne Beschäftigung, zum Vorjahr ergibt sich ein Plus von 964. Insgesamt sind 3.151 Personen im Landkreis arbeitslos gemeldet.

Im März und April haben rund 1.600 Betriebe Kurzarbeit angezeigt, im Mai kamen noch 146 weitere Anzeigen hinzu.

Auch im Landkreis sind von der Corona-Krise beide Rechtkreise betroffen, der Anstieg in der Grundsicherung fällt allerdings auch hier geringer aus. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung lag die Arbeitslosigkeit bei 2.119, das sind 786 mehr als im Vorjahr (Vormonat +64). Im Bereich der Grundsicherung lag sie bei 1.032 (Vorjahr +178, Vormonat +19).

Die Arbeitgeber melden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern im Laufe des Monats mit 206 neuen Arbeitsstellen wieder 61 mehr als im Vormonat, allerdings 160 weniger als im Vorjahresmonat. Insgesamt sind im Landkreis Ansbach 1.473 freie Stellen im Bestand.

Der Arbeitsmarkt im Landkreis Roth

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Roth steigt im Vergleich zum April um 0,2 Prozentpunkte und liegt bei 2,7 Prozent. Verglichen mit dem Wert vor einem Jahr nimmt die Quote um 0,8 Prozentpunkte zu. Die Zahl der Arbeitslosen erhöht sich innerhalb eines Monats um 138 Personen auf jetzt 1.982. Im Vergleich zum Vorjahr sind 612 Menschen mehr ohne Beschäftigung.

Insgesamt haben im März und April 1.100 Betriebe Kurzarbeit angezeigt, im Mai kamen noch 99 weitere Anzeigen hinzu.
Die Corona-Krise wirkt sich auch im Landkreis Roth auf beide Rechtkreise aus, der Anstieg in der Grundsicherung fällt jedoch auch hier geringer aus. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung lag die Arbeitslosigkeit bei 1.350, das sind 488 mehr als im Vorjahr (Vormonat +80). Im Bereich der Grundsicherung lag sie bei 632 (Vorjahr +124, Vormonat +58).

Die Arbeitgeber melden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern im Laufe des Monats 192 neue Arbeitsstellen, zwar 63 mehr als im Vormonat, aber immer noch 137 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt sind im Landkreis Roth mit 1.227 freien Stellen 354 weniger im Bestand als im Mai 2019.

Bildunterschrift: Die Corona-Pandemie hinterlässt weiterhin Spuren auf dem regionalen Arbeitsmarkt, meldet die Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg. Foto: pixabay

 

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