(red). Handwerkskammer-Präsident und Friseurmeister Thomas Pirner erzählt im Interview, wie Friseurbesuche in nächster Zeit aussehen werden.

Herr Pirner, mit großer Wahrscheinlichkeit dürfen Friseure ab dem 4. Mai wieder ihre Kunden bedienen – sofern sie sich an Auflagen halten. Was bedeutet das für die Branche?

Pirner: Die Ausgangsbeschränkungen haben das Handwerk schwer getroffen. Auch viele Friseure fürchten um ihre berufliche Existenz. Von daher ist das auf jeden Fall eine gute Nachricht. Trotzdem war auch die Unsicherheit über die gesundheitlichen Risiken in den Tagen vor dem Shutdown enorm hoch. Die Auflagen für die Öffnung tragen diesem Risiko Rechnung. Sie sind tatsächlich sehr umfangreich, dienen aber alle dem gleichen Ziel: Infektionsketten zu unterbrechen und die Friseure und Kunden vor Ansteckung zu schützen.

Wie sehen diese Auflagen aus?

Pirner: Da geht es zum einen um die Arbeitsplatzgestaltung. Um jeden Arbeitsplatz muss ein Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten werden. Das bedeutet letztendlich, dass mindestens drei Meter zwischen zwei Friseurstühlen sein müssen. Für kleinere Salons könnte das bedeuten, dass nur jeder zweite Stuhl besetzt werden darf. Arbeitsmaterialien und Flächen müssen nach jedem Kunden desinfiziert bzw. gereinigt werden. Es wird auch auf absehbare Zeit keine Wartebereiche und keine Spielecken für Kinder mehr geben. Außerdem müssen sowohl Kunden als auch Friseure sogenannte Community-Masken tragen. Beim Waschen werden wir auf desinfizierbare oder Einweghandschuhe zurückgreifen und beim Schneiden auf Einmalumhänge. Die genauen Auflagen haben wir auf der Homepage der Handwerkskammer für Friseure zur Verfügung gestellt.

Betreffen diese Auflagen auch mobile Friseure, Fußpfleger, Kosmetiker oder Barber?

Pirner: Diese Auflagen gelten für alle. Mobile Friseure müssen vor dem Hausbesuch sicherstellen, dass sie sie einhalten können. Dann steht einem Kundenbesuch nichts im Wege. Barber dürfen sich zwar um die Kopfbehaarung kümmern, aber, wie auch alle Friseure, keine Dienstleistungen wie beispielsweise Bart- oder Wimpernpflege durchführen. Ein momentanes Verbot von pflegender oder kosmetischer Behandlungen im Gesichtsbereich trifft leider auch die Kosmetiker. Nach meinem Kenntnisstand dürfen aber Behandlungen wie z. B. Fußpflege durchgeführt werden. Wir hoffen da noch auf eine Präzisierung durch das Ministerium.

Worauf müssen sich Friseurbesucher einstellen?

Pirner: Kunden sollten auf jeden Fall einen Termin vereinbaren. Wir versuchen, entsprechende Puffer einzubauen, denn aufgrund der Sicherheitsabstände wird es schwierig sein, dass sich mehrere wartende Kundinnen und Kunden im Salon aufhalten. Mit dieser Vorschrift habe ich persönlich so meine Probleme, da sie sich in der Praxis schwer umsetzen lässt. Ein Beispiel: Was passiert, wenn es regnet und jemand ist eine Viertelstunde früher da, weil der Bus nicht anders fuhr. Oder was ist, wenn die 80-jährige Frau M. vom Sohn abgeholt wird, aber früher fertig ist. Soll ich sie dann auf die Straße setzen? Mir wäre es lieber, man fände eine Regelung, bspw. einzelne Warteplätze mit Plexiglas abzuschirmen.

Worauf sollte man noch achten?

Pirner: Auf jeden Fall sollte jede Kundin, jeder Kunde, eine eigene Maske mitbringen und wir müssen darauf achten, dass vor der Dienstleistung immer die Haare gewaschen werden. Ich möchte – abhängig von der Lieferbarkeit – in meinem Salon einen kleinen Vorrat an Einwegmasken lagern, damit ich einem Kunden, der seine vergessen hat, aushelfen kann. Aber darauf kann man sich nicht verlassen. Wenn Sie husten oder andere Krankheitssysmptome zeigen, dürfen wir Sie nicht in den Salon lassen. Und als letztes müssen wir aussagefähige Kontaktdaten erfragen und dokumentieren, damit Infektionsketten nachvollzogen werden können.

Viele Friseure berichten, dass der Andrang groß ist – und alle in der ersten Woche einen Termin bekommen möchten. Gibt es die Möglichkeit, über die normalen Ladenschlusszeiten hinaus, Kunden zu empfangen?

Pirner: Das Friseurhandwerk ist als Dienstleister nicht an die Ladenöffnungszeiten gebunden – außer sonntags. Theoretisch könnten wir im Schichtdienst 24 Stunden arbeiten. Aber wir haben auch eine Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter und das wäre eine große Belastung. Außerdem, mal ehrlich: Einen völlig übermüdeten Friseur würden Sie um 22.00 Uhr abends auch nicht mehr an Ihre Haare lassen wollen. Da fühlen Sie sich am nächsten Tag mit einem ausgeschlafenen, motivierten und kreativen Friseur viel wohler…

Bildunterschrift: Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken und Friseurmeister Thomas Pirner. Foto: Handwerkskammer für Mittelfranken

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