Weißenburg (red). Der Krankenstand in der Region ist 2018 von 4,1 auf 3,8 Prozent gesunken. Laut DAK-Gesundheitsreport waren demnach an jedem Tag des Jahres von 1.000 Arbeitnehmern 38 krankgeschrieben. Die Region lag damit nur noch leicht über dem Landesdurchschnitt (3,7 Prozent). Der höchste Krankenstand in Bayern wurde mit 4,6 Prozent in den Landkreisen Bad Kissingen, Hof, Rhön, Grabfeld und Wunsiedel verzeichnet, der niedrigste mit 2,7 Prozent im Landkreis München und in Starnberg.

Die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für die Region zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen im Vergleich zum Vorjahr: Fast jeder vierte Fehltag erfolgte aufgrund von Muskel-Skelett-Beschwerden. Trotz eines Rückgangs um neun Prozent rangierten Rückenschmerzen und Co. weiterhin auf Platz eins. Zudem blieb die Region bei dieser Krankheitsgruppe deutlich über dem Landesschnitt. Ebenfalls um neun Prozent gesunken sind die Ausfalltage wegen Atemwegserkrankungen wie beispielsweise Bronchitis – Platz drei im Ranking der wichtigsten Krankheitsarten. Fast jeder siebte Fehltag ging auf ihr Konto. Die Ausfallzeiten wegen Verletzungen und Vergiftungen blieben nahezu konstant und schoben sich vom dritten auf den zweiten Rang. Einen deutlichen Rückgang um knapp ein Fünftel gab es bei den psychischen Leiden wie Depressionen und Angstzustände. Mit einem Anteil von gut elf Prozent am gesamten Krankenstand blieben Seelenleiden auf dem vierten Platz.

„Mit unseren Analysen zum Krankenstand in der Region setzen wir gezielt beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement an und bieten Arbeitgebern konkrete Hilfe“, sagt Jochen Andres, Chef der DAK-Gesundheit in Weißenburg.

Hunderttausende Bayern haben ein Suchtproblem

Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport mit dem Schwerpunkt „Sucht 4.0– Trinken, Dampfen, Gamen in der Arbeitswelt“, wie viele Erwerbstätige im Freistaat mit gravierenden Problemen durch Alkohol, Zigaretten und Computerspiele zu kämpfen haben. Die Kasse wirft dabei einen Blick auf Ursachen und Risikofaktoren. Für das Schwerpunkthema wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Bayern aus – flankiert von Analysen der ambulanten und stationären Versorgung. Eine repräsentative Befragung von 5.000 Beschäftigten sowie eine Expertenbefragung geben Aufschluss über die Verbreitung und den Umgang mit den verschiedenen Suchtmitteln und Verhaltensweisen. Das Fazit: Hunderttausende Beschäftigte in Bayern haben ein Suchtproblem. Konkret bedeutet das: Rund 650.000 Arbeitnehmer zeigen einen riskanten Alkoholkonsum – das ist jeder elfte Beschäftigte. 17,4 Prozent der Arbeitnehmer hierzulande sind zigarettenabhängig. Erstmals untersucht der DAK-Report das Thema Computerspielsucht in der Arbeitswelt. Ergebnis: Rund 380.000 Erwerbstätige in Bayern zeigen ein riskantes Nutzungsverhalten.

Laut DAK-Gesundheitsreport 2019 haben Arbeitnehmer in Bayern mit Hinweisen auf eine so genannte Substanzstörung deutlich mehr Fehltage im Job als ihre Kollegen ohne auffällige Probleme. Der Krankenstand der Betroffenen ist mit 7,2 Prozent mehr als doppelt so hoch. Sie fehlen aber nicht nur im Job, weil sie wegen ihrer Suchtproblematik krankgeschrieben werden. Vielmehr zeigen sich bei ihnen in allen Diagnosegruppen mehr Fehltage. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den psychischen Leiden. Hier sind es viermal so viele Fehltage. Bei Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen gibt es ein Plus von über 127 Prozent, bei Atemwegserkrankungen sind es 60 Prozent.

Drei von vier Fehltagen bei Suchtproblemen wegen Alkohol

Drei von vier Fehltagen bei Suchtproblemen sind in Bayern auf Alkohol zurückzuführen. Laut Studie der DAK-Gesundheit hat jeder elfte Arbeitnehmer hierzulande einen riskanten Alkoholkonsum. Bei Männern beginnt das beispielsweise bei täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläsern Bier, bei Frauen schon bei einem 0,3 Liter-Glas Bier pro Tag. Mit ihrem Trinkverhalten setzen sich rund 650.000 Erwerbstätige in Bayern Risiken aus, krank oder abhängig zu werden. „Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft wie Alkohol. Das riskante Trinken bleibt daher ein zentrales Problem im Freistaat, das auch gravierende Folgen in der Arbeitswelt hat“, sagt Jochen Andres. „Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Wir wollen eine breite und offene Debatte anstoßen. Wir müssen hinsehen, hinhören und handeln, um Betroffene nicht allein zu lassen. Ist es Genuss, Gewohnheit oder bereits Sucht?“ Mit Blick auf die Ergebnisse des Reports bietet die DAK-Gesundheit ihren Versicherten ab sofort ein neues präventiv ansetzendes Hilfsangebot bei Alkoholproblemen an. Eine Anmeldung ist auf www.dak.de/vorvida möglich.

80.000 Beschäftigte in Bayern spielen riskant am Computer

Erstmals untersucht der Report auch das Thema Gaming und seine Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Demnach spielen 54 Prozent der Erwerbstätigen in Bayern Computerspiele. 5,5 Prozent der Erwerbstätigen gelten als riskante Gamer. Das heißt: 380.000 Beschäftigte zeigen auffälliges Nutzungsverhalten. Vor allem junge Beschäftigte zwischen 18 und 29 Jahren sind laut DAK-Report riskante Computerspieler. Jeder elfte Mitarbeiter mit riskantem Spielverhalten gab bei der Analyse an, in den letzten drei Monaten wegen des Spielens abgelenkt oder unkonzentriert bei der Arbeit gewesen zu sein. Von den Erwerbstätigen mit einer Computerspielsucht war es sogar jeder Dritte (34,1 Prozent).

Rauchen ist verbreitetste Sucht Das Rauchen von Zigaretten ist laut DAK-Report in Bayern die verbreitetste Sucht, die auch die Arbeitswelt betrifft. Jeder sechste Erwerbstätige ist zigarettenabhängig. Unter den jungen Erwerbstätigen zwischen 18 und 29 Jahren gibt es mit 16,3 Prozent den geringsten Anteil.  Bei den 60- bis 65-jährigen Berufstätigen raucht fast jeder Vierte (23,7 Prozent). Etwa jeder zweite Raucher raucht auch während seiner Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen.

Dampfen – nicht ohne Nikotin Derzeit dampfen knapp vier Prozent der Erwerbstätigen in Bayern E-Zigarette. Raucher von E-Zigaretten greifen oft parallel zur herkömmlichen Zigarette, belegt der DAK-Report. Dampfer finden sich deshalb fast ausschließlich unter Rauchern und Ex-Rauchern. 

Bildunterschrift: Rund 650.000 Arbeitnehmer zeigen einen riskanten Alkoholkonsum. Foto: pixabay

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