Altmühlfranken (red). Angesichts der Neuorientierung der europäischen Agrarpolitik bis 2027 sowie der in diesem Zusammenhang wieder aufflackernden Diskussion deutlich zu niedriger Milchpreise weist Slow Food Altmühlfranken auf die vorrangige Verantwortung der Verbraucher hin. Es ist unzweifelhaft, dass die Michbauern zur Sicherung ihrer Existenz eindeutig höhere Erzeugerpreise benötigen, die ihnen von den zentralen Molkereien aber auch vom Preisdiktat des Handels, insbesondere der Discounter seit Jahren vorenthalten werden.

Da gerade die Art und Weise der Milcherzeugung über das Grünlandmanagement beeinflusst wird, steht dies auch in einem engen Zusammenhang mit dem Thema der Biodiversität und der aktuell so bedeutungsvoll bewerteten Insektenvielfalt unserer Wiesen, betont Dieter Popp als Vorsitzender von Slow Food Altmühlfranken. Daher sollte dies bei der täglichen Kaufentscheidung für die Milch eine wichtige Rolle spielen. Und genau hier liegt die Macht, aber auch die Verantwortung der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Denn Milch ist nicht gleich Milch. Unterschiedliche Herstellungs- und Weiterverarbeitungstechniken entscheiden darüber, ob und wie frisch eine Milch ist und wie sie tatsächlich schmeckt. Und dies sind auch Entscheidungen über Tierwohl, Umwelt und Klima. So weist die Milch von Kühen aus Weidehaltung – zum Beispiel mutter- oder ammengebundene Kälberaufzucht – eine geringere Verarbeitungstiefe und verkürzte Produktionsketten aus und führt zu einer erheblich positiveren Bilanz als die Milch aus sogenannten Hochleistungsbetrieben. Verantwortungsbewusste Verbraucherinnen und Verbraucher honorieren solche Milch auch mit fairen und damit höheren Einkaufspreisen.

Slow Food möchte die Milchkonsumenten daher gerne auf den Geschmack guter Milch bringen und wird künftig zu Milchverkostungen auf Bauernhöfe einladen. Es soll darüber auch bewusst gemacht werden, wie sich der Geschmack von Milch verändert, wenn deren Milchleistungen einerseits von eiweiß- und energiekonzentrierter oder andererseits von an Grundfutter gebundener Erzeugung (Gras und Heu) abhängig ist. Die eindeutig  geringere Jahresmilchleistung einer solchen nachhaltigen Milcherzeugung muss sich für die bäuerlichen Betriebe daher im Preis niederschlagen.

Die Milchkühe aus solchen Betrieben danken diese Umstellug mit reiner längeren Lebensleistung, geringeren Zwischenkalbzeiten,  bessere Bakterienkulturen im Pansen und damit auch geringeren Tierarztkosten. Von einer solchen betrieblichen Änderung profitieren  die Bauern, die Tiere, die Umwelt und nicht zuletzt die Verbaucher.
Um einen solchen Weg für die Konsumenten begehbar zu machen, bedarf es aber geänderter Rahmenbedingungen für den Vertrieb und Zugang zu naturbelassenen Milchen. So behindern – im Gegensatz zu manchen anderen EU-Ländern – in Deutschland die strengen Anforderungen einen besseren Zugang zu Vorzugsmilch. Und Rohmilch darf nur direkt ab Hof verkauft werden. Daher fordert Slow Food den Erwerb unbearbeiteter Milch so einfach und unbürokratisch wie möglich zu gestalten und entsprechend zu fördern. Vor allem ist das Abfülldatum eine deutlich wichtigere Verbraucherinformation für die Frische der Milch, als das mittlerweile technisch erheblich in die Länge gezogene Mindesthaltbarkeitsdatum. Dies wäre zumindest eine sinnvolle Ergänzung zu den bisher erforderlichen Angaben. Ansonsten haben zum Beispiel die Verbraucher aus den Ballungsräumen immer nur einen sehr eingeschränkten Zugang zu diesen Qualitätsprodukten unserer Landschaften und unserer Bauern, obwohl sie die dafür notwendigen höheren Preise gerne zahlen würden.

Bildunterschrift: Milch von glücklichen Kühen schmeckt anders. Foto: pixabay

 

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