Erfolgreicher Artenschutz auf der Festung Wülzburg – Fledermauszählung 2022 mit kleinem Sensationsfund

Weißenburg (red). Die Festung Wülzburg ist nicht nur ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung, sondern auch ein Bestandteil des europäischen Netzes Natura 2000, in dem bedeutende Lebensräume und Lebensstätten für den europaweiten Biotopverbund enthalten sind. Die Festung ist aufgrund ihrer landesweit bedeutsamen Fledermausbestände hier aufgenommen worden als Teil des sog. FFH-Gebietes “Fledermauswinterquartier in der südlichen Frankenalb“.

Bei der jährlichen Bestandserfassung überwinternder Fledermäuse Ende Januar im gesamten Innenbereich der Festung konnte der erfreuliche Trend der letzten Jahre bestätigt werden: Die Anzahl der angetroffenen Fledermausexemplare liegt bei 355 Tieren, wobei davon auszugehen ist, dass aufgrund der baulichen Gegebenheiten ein großer Teil des Bestandes unentdeckt geblieben ist. Im Vergleich mit der ersten Kontrolle im Jahr 1990 mit ca. 140 aufgefundenen Exemplaren und einem Tiefpunkt Ende der 1990er Jahre mit nur ca. 120 überwinternden Fledermäusen verschiedener Arten stellt die jetzt festgestellte Anzahl eine erfreuliche Steigerung dar.
Durchgeführt werden diese regelmäßigen Begehungen von Bernhard Walk, Landkreisbetreuer Fledermausschutz WUG, Vertretern des LfU und ehrenamtlich Tätigen der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz.

Der große Wert der Festung Wülzburg liegt in den unterschiedlichen mikroklimatischen Bedingungen innerhalb des Bauwerkes begründet. Es gibt Bereiche von kalt/trocken bis warm/feucht als arttypische Hangplätze. So überwintern in den höher gelegenen, kalten und trockneren Bereichen der oberen Bastionsebenen vor allen Breitflügel- oder Zwergfledermäuse. In tieferen und feuchteren, also auch in den Wintermonaten frostfreien Bereichen der unteren Ebenen, sind verstärkt Große Mausohren anzutreffen. Deswegen konnten auch schon 12 verschiedene Fledermausarten nachgewiesen werden.

Neben den bereits angesprochenen Arten sind auch Wasser-, Fransen- und Bechsteinfledermäuse sowie Braune Langohren vertreten. Eine kleine Sensation stellt der seit 27 Jahren erstmals wieder gelungene Fund von zwei überwinternden Mopsfledermäusen dar. Die Mopsfledermaus stellt eine der am stärksten bedrohten Fledermausarten dar, ein bundesweites Schutzprojekt versucht derzeit den Bestand der Art wieder zu erhöhen. Im Landkreis war diese Art lange verschollen. Der Fund auf der Wülzburg ist daher ein kleiner
Erfolg im Artenschutz.

Festzustellen ist, dass die seit langem laufenden Sanierungsarbeiten auf der Festung keine negativen Auswirkungen auf den Bestand von überwinternden Fledermäusen gezeigt haben. Insbesondere seit 2008 werden die jährlich stattfindenden Bauarbeiten mit den zuständigen Fachstellen abgesprochen. Hierbei werden sowohl der zeitliche Ablauf der Arbeiten, als auch die detaillierte Ausführung der erforderlichen Schutzmaßnahmen festgelegt. Für die Erhaltung und Aufwertung des Winterquartiers werden Fledermauskästen in die sanierten Mauerbereiche eingesetzt, vorhandene offene Fugen und Nischen erhalten und zusätzliche Hangmöglichkeiten durch Quartiersteine geschaffen. Gerade diese, in den letzten Jahren durch die Stadt Weißenburg eingebrachten Quartiersteine, werden von Zwergfledermäusen gerne angenommen. Hier stieg die Anzahl der vorgefundenen Tiere innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich auf zuletzt 174 Exemplare an.

Neben der Abstimmung der Sanierungsmaßnahmen stellt auch die Sperrung der Festungsinnenräume während der Überwinterungsphase eine wichtige Voraussetzung für den Schutz der Fledermausbestandes dar. Von Ende Oktober bis Anfang Mai sind die betroffenen Bereiche nicht mehr für Besucher zugänglich, um unnötige Störungen des Fledermausbestandes zu vermeiden.

Bildunterschrift: Die Fledermauskontrolleure bei der Arbeit in den Bastionen; Foto: Andreas Bernt

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