Im Gespräch mit Martina Widuch, der Leiterin der LBV-Umweltstation Altmühlsee

Naturschutz und Tourismus lassen sich in Einklang bringen, davon ist Martina Widuch überzeugt. Die Dipl.-Biologin hat 2009 in der Umweltstation in Muhr am See ihr berufliches Zuhause gefunden und ist seit mehreren Jahren Kopf des LBV-Teams am Altmühlsee. Martina Widuch begeistert Menschen für die Schönheit des Sees sowie der Natur und kämpft für den Artenerhalt. Im Interview erzählt sie von Ihrer interessanten Aufgabe.

Was genau macht der LBV am Altmühlsee?

Wir wollen Umwelt erlebbar machen und auf diese Weise Menschen für den Naturraum Altmühlsee begeistern. Dabei geht es uns als LBV nicht nur um die Vogelwelt, sondern um den gesamten Lebensraum, eben um das große Ganze. Jeder Einzelne von uns kann einen Beitrag leisten um den Planeten zu schützen. Am Altmühlsee betreiben wir dazu Aufklärungsarbeit und bieten verschiedene Projekte und Umweltthemen an. Gäste können beispielsweise bei Führungen oder Umweltbildungsprogrammen mitmachen oder Ausstellungen besuchen. Dazu ist die Umweltstation Altmühlsee eine Quelle für Informationen, rund um das Thema Artenerhalt.

Warum ist der Altmühlsee gerade für Vögel so interessant?

Mit dem Bau des Sees wurde wichtiges Wiesenbrütergebiet zerstört, bevor dieser neue Lebensraum entstehen konnte. Zum Teil sind die alten Bewohner jedoch geblieben, allerdings sind auch neue Arten dazugekommen, beispielsweise Wasservögel. Heute tummeln sich hier rund 300 verschiedene Vogelarten, und das nicht nur auf der Vogelinsel. Manche sind dauerhaft da und nutzen das Gebiet als Rückzugsort und Brutplatz, andere kommen nur zu Besuch, ruhen sich aus und stärken sich auf dem Vogelzug. Ich vergleiche den Altmühlsee mit der Vogelinsel daher gerne mit einer großen Tank- und Rastanlage für Vögel (lacht).

Wir stellen fest, dass sich die Vogelwelt am Altmühlsee verändert hat. Von Jahr zu Jahr nimmt der Bestand vieler Arten ab. Allerdings siedeln sich auch immer wieder neue Arten an, beispielsweise der Seeadler, der 2006 das erste Mal gesichtet wurde und nun hier heimisch ist. Eine kleine Sensation ist das Auftauchen der Zwerggans, die wir nicht erwartet haben.

Tourismus und Artenschutz – kann das funktionieren?

Flora und Fauna sind sehr empfindlich, doch wenn sich Menschen an Regeln halten, kann das gut funktionieren. Dazu gehört auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben und beispielsweise Hunde an der Leine zu führen. Als Besucher sind wir nur zu Gast und müssen uns denen, die dort zuhause sind, anpassen. Am Altmühlsee haben wir klare Grenzen zum Schutz der störanfälligen Tiere gezogen. Es ist unsere Aufgabe als LBV zu sensibilisieren und die Gäste auf den ökologisch hochwertigen Lebensraum hinzuweisen. Wir haben hier vor Ort eine echte Schatzkiste der Artenvielfalt, die es zu erhalten gilt.

 Welche Projekte sind für die Zukunft geplant?

Zukünftig werden wir die Vogelinsel weiter in den Fokus rücken. Die Vogelinsel ist ja nicht nur eine einzelne Insel, sondern ein ganzes System aus kleinen Inselchen, aus Kiesbänken, Bäumen, Hecken, Wiesen etc. Es gibt also unzählige Nischen für unterschiedliche Vögel und damit auch viel zu entdecken. Diese Vielfalt ist einzigartig und wir möchten naturinteressierten Menschen einen Zugang dazu ermöglichen. Daneben möchten wir für (Hobby)-Ornithologen anspruchsvolle Beobachtungsangebote schaffen.

Welche Berührungspunkte haben der Zweckverband Altmühlsee und die Umweltstation in Muhr am See?

Wir stehen im regen Austausch und profitieren voneinander. Beide Stellen möchten den Naturraum Altmühlsee schützen und Gästen ein möglichst nahes Naturerlebnis ermöglichen. In der Vergangenheit haben wir verschiedene, gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht, beispielsweise geführte Touren mit der MS Altmühlsee zum Thema Fledermäuse oder die Vollmond-Schiffstour. So etwas macht nicht nur Spaß, sondern die Zusammenarbeit passt einfach.

 Was schätzen Sie persönlich an der Region Gunzenhausen?

Ich liebe es, da zu arbeiten, wo andere Urlaub machen (lacht). Spaß beiseite: Hier lässt sich viel erleben, alleine am Altmühlsee. Ob Naturbeobachtungen, Schifffahrt, Wassersport oder Radfahren – es ist für jeden etwas dabei.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto und Interview: Manuel Grosser, Stadtverwaltung Gunzenhausen

Related Posts

Wegen anhaltender Trockenheit: Erneut Luftbeobachtung in Mittelfranken
Vorreiter in der Prävention: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger überreichte Kurwald-Zertifikat
Großes Jubiläumsfestwochenende bei Regens Wagner Absberg