Flächeneffiziente Gewerbeentwicklung: Online-Informationsveranstaltung der Regierung mit mittelfränkischen Kommunen

(red). Der Anteil von Gewerbe- und Industrieflächen an der jährlichen Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Bayern beträgt aktuell etwa 28 Prozent. Die Flächensparmanagerinnen der Regierung von Mittelfranken haben aus diesem Grund die Frage – „Wie kann es uns gelingen, die gewerbliche Entwicklung flächeneffizient zu gestalten?“ – im Rahmen einer Online-Informationsveranstaltung aufgegriffen. Etwa 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Mitarbeitende aus kommunalen Bauverwaltungen und Wirtschaftsförderungen, Regional- und Allianzmanagements sowie Akteure der IHK Mittelfranken waren der Einladung der Regierung von Mittelfranken gefolgt.

Gewerbeanlagen sind häufig geprägt von eingeschossigen Hallen- und Flachbauten. Die Vergangenheit zeigt hingegen, dass bis in die 1950er Jahre für viele Produktionsunternehmen die kompakte Bauweise mit Geschossbauten üblich war. Flächeneffiziente Gewerbeentwicklung heißt, die immer knapper werdenden Flächen intensiver zu nutzen, in dem wieder mehr in die Höhe oder Tiefe gebaut wird, und Flächen multifunktional zu gestalten, beispielsweise durch die Kombination von Einzelhandel und Wohnen oder die Nutzung von bebauten Flächen für die Energieerzeugung.

Für Thomas Müller, Leiter des Sachgebiets Raumordnung, Landes- und Regionalplanung an der Regierung von Mittelfranken, ist es ein besonderes Anliegen, die Städte und Gemeinden bei der Umsetzung einer flächenschonenden Gemeindeentwicklung zu unterstützen und in den Informationsveranstaltungen beispielhafte Projekte aus der Praxis vorzustellen und zu diskutieren. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, stehen den mittelfränkischen Städten und Gemeinden mit Franziska Wurzinger und Stefanie Bojko zwei Flächensparmanagerinnen beratend zur Seite.

Dr. Thomas Birner, Geschäftsführer des Beratungsbüros LennardtundBirner GmbH, betonte in seinem Vortrag, dass nachhaltige Gewerbeentwicklung mehr als die Nutzung erneuerbarer Energien und Begrünung ist. Er ermutigte die Städte und Gemeinden bei der Ansiedlung von Betrieben klare Entscheidungskriterien zu entwickeln, die besonders die Stärkung der Wertschöpfungsketten vor Ort in den Blick nehmen. Auch mit Fokus auf „Erneuerbare Energien in Gewerbegebieten“ ist die Nutzung der enormen Flächenpotentiale auf gewerblichen Dächern und an Fassaden sowie auf Logistik- und Parkflächen ausschlaggebend. Entscheidend sei der Abgleich von Angebot und Nachfrage in Bezug auf die Menge und Energiearten der Unternehmen vor Ort. Ziel ist es, innerhalb der Gewerbegebiete durch Sektorenkopplung und verschiedene Energieträger eine unabhängige und lokal produzierte Energieversorgung sicherzustellen und damit den Druck auf Freiflächen zu nehmen.

Frederic Ruth, Erster Bürgermeister der Gemeinde Uttenreuth, stellte das Projekt „Wohnen auf dem Supermarkt“ vor. Das Konzept sieht auf einer innerörtlichen Brachfläche einen Vollsortimenter vor, der mit Wohnungen und Gewerbeflächen überbaut ist und sich in das Ortsbild entsprechend einfügt. Die Parkflächen für das Gewerbe und die Wohnungen sollen als Tiefgarage umgesetzt werden. Dass in Uttenreuth kein Supermarkt auf der „grünen Wiese“ entsteht, stärkt den Innenort mit einem vielfältigen und hochwertigen Einzelhandelsangebot welches auf kurzem Wege erreichbar ist. Die Kombination von Wohnen, Gewerbe und Handel auf verschiedenen Ebenen innerhalb des Gebäudekomplexes trägt dazu bei, die Fläche so effizient wie möglich zu nutzen.

Herbert Blascheck, Bürgermeister des niederbayerischen Marktes Langquaid zeigte mit Vorstellung seines Projektes, dem ersten bayerischen Öko-Plus-Gewerbegebiet, auf, was über die Ebene der Bauleitplanung möglich ist. Auf den rund 3 Hektar will der Markt Langquaid mit der Konzeption des Gewerbegebietes mit neu definierten Qualitätsmaßstäben neue Wege gehen und Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen. Im Bebauungsplan wurden viele vielseitige Maßnahmen zur Bauökologie und Nachhaltigkeit festgesetzt. Dass die Vorgaben für Unternehmen kein Ansiedelungshemmnis sind, zeigt sich daran, dass die Grundstücke schnell an Unternehmen diverser Branchen vergeben wurden und auch die ökologischen Auflagen viel Anerkennung von den Beteiligten erhalten.

Bildunterschrift: Darstellung aus Uttenreuth: „Wohnen auf dem Supermarkt?“ (Quelle: Gräßel-Architekten).

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