Fragen rund um die Asylpolitik diskutiert

SOLNHOFEN (RED). Der Unterstützerkreises Asyl Pappenheim/Solnhofen lud zu einem „Round Table Gespräch“ über die Zukunft der Asylpolitik und die Problemstellungen vor Ort in das K14-Haus nach Pappenheim Politiker, Ehrenamtliche und Hauptamtliche ein.

Die Ehrenamtskoordinatorin des Unterstützerkreises, Ellen Glöggler begrüßt die Anwesenden und besonders den Landtagsabgeordneten Manuel Westphal, den Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Weißenburg und Gunzenhausen, Martin Ruffertshöfer und die zweiten Bürgermeister der Stadt Pappenheim, Claus Dietz, und der Gemeinde Solnhofen, Joachim Schröter, sowie die Leiterin der Freiwilligenagentur des Landratsamtes Dorothe Bucka. Es folgt eine kurze Vorstellungsrunde der weiteren Teilnehmer, die alle in Unterstützerkreisen im Landkreis tätig sind. Anschließend präsentierte Ellen Glöggler den Teilnehmern die vielfältigen Aufgaben und Aktionen ihres Unterstützerkreises.

Martin  Ruffertshöfer stellte im Anschluss daran die Arbeit des Diakonischen Werkes im Bereich der Asyl- und Migrationsberatung vor und betonte, dass die Diakonie schon in der Zeit als die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen die Aufgabe der Beratung und Integration übernommen hat.

Nach der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 waren viele haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter überfordert und das Personal musste aufgestockt werden, um die Arbeit zu bewältigen. In den Anfangszeiten betreute ein Mitarbeiter rund 150 Personen, in der Spitzenzeit bis zu 700. Mittlerweile hat sich die Situation wieder verändert und auch die eingesetzten Mitarbeiter in diesem Bereich wurden wieder weniger. Er führt aus, dass die Sprechstunden für die Beratungen aktuell m Landkreis vor Ort, d.h. in Gunzenhausen, Weißenburg und Pappenheim angeboten werden.

Die Ehrenamtskoordinatoren, die nötig waren um den ehrenamtlichen Helfern eine bessere Vernetzung zu ermöglichen, werden über die Landeskirche und auch von den Kommunen mitfinanziert. Die Flüchtlings- und Migrationsberatung läuft in Bayern über soziale Wohlfahrtsverbände und ist begleitet von einem guten Miteinander der ehren- und hauptamtlichen Kräfte.

Die Moderatorin Ute Grimm stellte  die verschiedenen Punkte vor, über die diskutiert werden sollen. Zuerst wird die Situation in den Schulen und Kindergärten erörtert. Dazu gibt Christa Seuberth, stellvertretende Schulleiterin der Grundschule Pappenheim/ Solnhofen einen Einblick in den Schulalltag. Sie berichtet von den Schwierigkeiten der Pädagogen , die mit Kindern arbeiten müssen, die teilweise keine Deutschkenntnisse haben, traumatisiert, strukturlos und ohne Hilfe von außen sind. Neben den schwierigeren deutschen Kindern überfordern diese Kinder zusätzlich die Lehrkräfte in der Schule und auch die Erzieherinnen in den Kindergärten. Für ihre Schule wurde nun eine Studentin für 12 Wochenstunden genehmigt, die in acht Klassen eine Unterstützung für die Lehrer sein soll, dies sei zwar eine Hilfe aber immer noch viel zu wenig.

Manuel Westphal gabdazu konkrete Vorschläge, wie eine Schule bessere Unterstützung bekommen kann, nämlich über die sogenannten Drittkraftverträge die in einem neuen bayerischen Gesetz geregelt wurden. Er gibt gleichzeitig zu bedenken, dass durch den allgemeinen Lehrkräftemangel vor allem für die Grundschulen eine Verbesserung nur schwer erreicht werden wird. Er gibt die Anregung, dass gerade bei traumatisierten Kindern, nach einer Prüfung auch die begleitende Hilfe im Rahmen der Inklusion in Frage komme, da diese Regelung auch für Kinder mit Migrationshintergrund gelte.

Ute Grimm führte zum nächsten Thema selbst aus, dass die Probleme der ehrenamtlichen Arbeit mit der Verweildauer der Menschen nicht geringer sondern eher größer werden. Wohnungssuche, Jobsuche und viele Behördenangelegenheiten überfordern nicht nur die Asylsuchenden sondern oft auch die Helfer, die dann die Ratsuchenden zu den zuständigen Sozialverbänden schicken müssen.

Für sie wäre es ein katastrophales Zeichen, wenn im Bereich der Integrationsmaßnahmen der Staat, wie bereits angekündigt, finanzielle Einsparungen vornehmen würde Dazu führt der Landtagsabgeordnete aus, dass es sicherlich gilt, Kosten zu minimieren, aber nicht an den falschen Stellen. Erst nach den Haushaltsberatungen in Bayern kann man Genaueres sagen, aber es sind wohl keine Personalkürzungen in diesem Bereich geplant, da allen klar ist, dass Integration ein längerfristiges Projekt ist. Aber viel hängt hierbei auch von der Bundespolitik ab, die in seinen Augen gefährliche Kürzungen in diesem Bereich plant. Alle Anwesenden sind sich einig, dass ohne ausreichende Mittel eine sinnvolle Integrationsarbeit nicht geleistet werden kann.

Als Nächstes wird die schwierige Situation für geduldete Asylbewerber einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten thematisiert.. Die Moderatorin gibt dazu Beispiele aus Solnhofen, wo einige junge Männer seit drei bis vier Jahren keine Arbeitsgenehmigung aber auch keine Abschiebungspapiere erhalten. Sie berichtet, dass es immer schwerer wird, diese „Vergessenen“ zu motivieren und ihnen eine Perspektive aufzuzeigen. Außerdem ist sie sich sicher, dass auch in der Bevölkerung eine positivere Stimmung gegenüber den Geflüchteten herrschen würde, wenn sie aus den Sozialleistungen des Staates ausscheiden und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten könnten.

Manuel Westphal stellte kurz das neue Fachkräftegesetz vor, das im Bund aber erst noch beschlossen werden muss. Er gibt bekannt, dass in Bayern schon vorab ein Schreiben an alle Regierungen und Landratsämter mit Vollzugshinweisen zur Beschäftigung und Berufsausbildung von Asylbewerbern und Geduldeten versendet wurde. Damit wird nun eine Beschäftigung für diesen Personenkreis erleichtert, wobei trotzdem gewisse Kriterien erfüllt sein müssen. Alle Teilnehmer sehen dieses neue Gesetz als einen positiven Schritt für die Geflüchteten.

Ellen Glöggler dankte nochmals allen Anwesenden für ihr Kommen und besonders Manuel Westphal für seine aufschlussreichen Ausführungen aus Sicht der aktuellen Politik. Abschließend ergriff der Schröter aus Solnhofen noch das Wort und bedankte sich bei allen ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen für ihr Engagement. Er ist sich sicher, dass nur dadurch größere Konflikte in den Kommunen vermieden werden, weil die Menschen Ansprechpartner vor Ort haben, die versuchen Probleme zu lösen und zu helfen wo es möglich ist.

Bildunterschrift: Nach zweistündiger Diskussion waren sich alle einig, dass der Abend sehr informativ war und einen gute Gesprächskultur herrschte. Foto: Gemeinde Solnhofen

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