Gunzenhausen (red). Zugegeben, eine Kläranlage gehört nicht zu den ersten Orten, die einem als Refugium für Tierarten und Pflanzen aller Art einfallen. Und doch gibt es wohl kaum geeignetere Plätze, an denen vor allem Insekten und Vögel eine Heimat finden können. In der Kläranlage der Stadt Gunzenhausen setzt man seit Jahren auf ein Konzept des nachhaltigen Artenschutzes. Ob Totholzhaufen, Wildblumenwiesen oder Behausungen für Fledermäuse – das Team um Kläranlagenchef Michael Ditz integriert Naturschutz ins Tagesgeschäft. In Kooperation mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) wurde nun nach weiteren Brutplätzen für Vögel Ausschau
gehalten und mehrere Nistkästen aufgehängt.

„Wir alle können und müssen unseren Beitrag zum Umweltschutz leisten“, so Michael Ditz. „Oft sind dazu keine großen Anstrengungen notwendig. Ob im heimischen Garten oder auf der Streuobstwiese – Natur sucht sich ihren Weg. Wir empfinden das dann vielleicht als unordentlich, wenn die Wiese mal höher ist, oder abgeschnittene Äste auf dem Rasen liegen. Für viele Tiere ist das aber lebensnotwendig. Naturschutz ist manchmal auch Unordnung. Und diese muss man ertragen können. Daneben unterstützen vom Menschen angebrachte Nisthilfen Vögel und Fledermäuse bei der Fortpflanzung.“

In der Natur gibt es immer weniger Platz für Vögel. Insbesondere durch Flächenversiegelung gehen wichtige Brutplätze verloren. Nistkästen sind einfaches Mittel, um den Tieren einen geschützten Ort zur Verfügung zu stellen. Die in der Gunzenhäuser Kläranlage aufgehängten Nisthilfen sind insbesondere für Sperlinge, Meisen, Baumläufer und Stare interessant. Die Anbringung ist nicht schwierig und oftmals braucht es keinen besonderen Platz. „So müssen Bäume gar nicht hoch sein, es reicht, den Nistkasten auf Augenhöhe anzubringen“, so Alfred Baumgärtner, Nistkastenexperte der LBV-Kreisgruppe WUG. „Nur der Star mag es ein wenig höher. Auch vor der Reinigung der Nisthilfen muss man keine Angst haben. Es reicht, nach der Brutzeit die Hinterlassenschaften zu entfernen. Ansonsten wird auch in der Natur eher weniger saubergemacht. Unsere Sorgenkinder sind momentan die Schwalben, denn diese finden aufgrund der trockenen Sommer nur wenig Nistmaterial. Zudem wollen viele Hauseigentümer die Schwalben heute nicht mehr an den Wänden haben, da sie Verunreinigungen befürchten. Hier können aber Kotbretter und künstliche Nisthilfen ganz einfach Abhilfe schaffen.“ Die neuen Nistkästen sind aus hochwertigem Holzbeton gefertigt. Werden sie an Bäumen aufgehängt, werden Aluminiumnägel verwendet.

Die Kläranlage der Stadt Gunzenhausen ist ein guter Ort für den Natur- und Artenschutz, denn das Gelände ist sehr vielschichtig. „Es gibt Bäume, Hecken und Wiesen. Dazu sind die Altmühlauen ganz in der Nähe“, so Alfred Baumgärtner. „Wir werden auf jeden Fall weiter nach Möglichkeiten suchen, Natur und Umwelt praktisch zu schützen.“, so Michael Ditz.

Bildunterschrift: Gemeinsam mit Alfred Baumgärtner, Nistkastenexperte des LBV, bringt der Leiter der Kläranlage Michael Dietz einen Nistkasten an. Foto: Stadt Gunzenhausen

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