Interview „Wir streiken nicht – wir halten den Laden am Laufen“

Roth (red).  In der Kalenderwoche 24 lenkte der deutsche Hauswirtschaftsrat in ganz Deutschland den Blick auf die professionelle Hauswirtschaft. Wir nutzen die Gelegenheit und sprechen mit Frau Christine Assenbaum, Beraterin für Bildungsfragen beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth-Weißenburg i.Bay., sowie mit zwei Studierenden des aktuellen Jahrgangs der Landwirtschaftsschule Roth, Abteilung Hauswirtschaft.

Frau Assenbaum, wo findet man den Beruf Hauswirtschafter heute noch?
Den Beruf Hauswirtschaft ist sehr vielseitig und man findet ihn in vielen Bereichen unter anderem in Seniorenheimen, Kliniken, Tagungshäusern, Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Jugendherbergen, Pensionen, landwirtschaftlichen Betrieben und Privathaushalten. Gerade im   Seniorenheim ist durch den demografischen Wandel der Bevölkerung die Versorgung der älteren Menschen immer wichtiger. Außerdem ist es für Senioren von großer Bedeutung, zuhause alt zu werden. Damit wird der Sektor der hauswirtschaftlichen Dienstleistungen immer wichtiger. Derzeit kann der Bedarf, ähnlich wie in der Pflege, nicht ausreichend abgedeckt werden.

Beschreiben Sie bitte die Aufgaben etwas genauer. Wie kann man sich den Beruf vorstellen?
Natürlich ist die nährstoffschonende Speisenzubereitung ein wichtiger Bereich in der Hauswirtschaft. Aber nicht nur das „Kochen“ gehört dazu, sondern auch die Bedarfsermittlung und somit die Erstellung von Speiseplänen. Gerade beim Nachhaltigkeitsaspekt fällt mir die Reinigung und Pflege von Räumen ein. Damit z. B. ein Holzfußboden eine lange Lebensdauer hat, ist die richtige Reinigung mit wenig Feuchtigkeit wichtig.
Die Reinigung und Pflege von Textilien ist ebenfalls ein wichtiger Arbeitsbereich in der Hauswirtschaft. Gerade bei der Wäsche spielt der Umweltgedanke eine große Rolle. So ist nicht nur die Auswahl des richtigen Waschmittels, sondern die richtige Dosierung zu beachten. Hierbei ist die Wasserhärte, der Verschmutzungsgrad der Wäsche und die Füllmenge der Waschmaschine zu berücksichtigen, um Waschmittel nicht über- oder unterzudosieren.

Warum sollte man Hauswirtschaft lernen? Ist nicht jeder in der Lage, andere Menschen zu versorgen?
Hauswirtschaft ist ein vielseitiger und abwechslungsreicherer Beruf, für den aber auch viel Fachwissen nötig ist, wie ich gerade schon angerissen habe bei den Aufgaben.

Wie sehen die Berufs- und Aufstiegschancen aus?
Gerade in der Hauswirtschaft gibt es sehr viele Fortbildungsmöglichkeiten, wie Meister/in, Techniker/in für Ernährung und Versorgungsmanagement oder auch staatliche geprüfte Dorfhelferin. Außerdem besteht die Möglichkeit sich weiterzubilden zum/zu dem Betriebs-
wirt/in für Ernährung- und Versorgungsmanagement. Eine Fachlehrerausbildung ist auch möglich.

Nun unsere Fragen an die Studierenden. Stellt euch doch bitte kurz vor.
Wir sind Leonie Gruber und Kathrin Walther. Wir machen derzeit die Fachschule in Roth. Warum besuchen Sie die Fachschule für Ernährung und Haushaltsführung?
Leonie: Bei mir ist es aus rein privatem Interesse. Ich bin noch relativ jung und wenn ich jetzt nicht lerne einen Haushalt zu führen, wann dann?
Kathrin: Wir haben zuhause einen hauswirtschaftlichen Betrieb, den ich irgendwann übernehmen werde. Ich bin gelernte Hotelfachfrau und Hotelbetriebswirtin und mache die Schule jetzt als zusätzliche Qualifikation.

Wie planen Sie Ihr Wissen nach der Schule einzusetzen?
Leonie: Ich werde das Erlernte für meinen privaten zukünftigen Haushalt einsetzen.
Kathrin: Ich auch, aber vorrangig für die Betriebsübernahme unseres Landgasthofs und auch damit ich später einmal ausbilden darf.

Nun noch einmal zu Frau Assenbaum, Was wünschen Sie sich für die Hauswirtschaft?
Dass unsere Gesellschaft die Bedeutung Hauswirtschaft nicht nur im Hinblick von nachhaltigem Handeln, sondern auch für das „Funktionieren des Haushalts“ für zu Hause und in der Familie erkennt und wertschätzt. Denn mit guter Planung und Struktur können effizient Ressourcen eingesetzt werden.

Im Januar 2025 startet an der Landwirtschaftsschule Abteilung Hauswirtschaft in Weißenburg die Ausbildung zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung, die in Teilzeitform nebenberuflich eine Ausbildung in der Hauswirtschaft ermöglicht. Weitere Informationen zur Ausbildung finden sie auf der Homepage des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth-Weißenburg i.Bay. unter www.aelf-rw.bayern.de oder telefonisch unter 09171 842-0.

Foto: Pixabay

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