Jahresbilanz des Arbeitsmarktes 2019

Ansbach-Weißenburg (red). Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg, Claudia Wolfinger, blickt auf ein bewegtes Jahr zurück: „Die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk sank trotz der bundesweit sehr verhaltenen Konjunktur weiter. Dabei war eine deutlich unterschiedliche Entwicklung in den beiden Rechtskreisen zu sehen. Während die Zahl an Arbeitslosen-geld-I-Bezügen stieg und kontinuierlich bis zum Jahresende über den Vorjahreswerten lag, nahmen die Meldungen im Arbeitslosengeld-II-Bezug stetig ab. Ergebnis dieser gegenläufigen Entwicklung ist unter dem Strich eine leicht sinkende Arbeitslosenquote. Dies täuscht jedoch über die momentane Situation auf dem Arbeitsmarkt hinweg. Eine hohe Zahl an Anfragen von Betrieben zum Kurzarbeitergeld, ausbleibende Vertragsverlängerungen von befristeten Arbeitsverträgen und Betriebsschließungen deuten darauf hin, dass auch unsere Region von der bundesweit auftretenden Konjunkturentwicklung nicht verschont geblieben ist.“

Im Jahresdurchschnitt waren im Agenturbezirk Ansbach-Weißenburg 6.282 Menschen abeitslos, was einer durchschnittlichen Quote von 2,4 Prozent entspricht. Vor einem Jahr waren mit 2,5 Prozent noch 6.437 Personen ohne Arbeit. Im Rechtskreisvergleich zeichnet sich eine unterschiedliche Entwicklung ab. Der Jahresdurchschnittswert 2019 lag im SGB III mit 1,5 Prozentpunkten bei 3.897 Personen, 2018 mit 1,4 Punkten noch bei 3.659. Im SGB II dagegen reduzierte er sich von 2018 auf 2019. Bezogen 2018 noch 2.778 Menschen sogenannte „Hartz-IV-Leistungen“, so waren es 2019 nur noch 2.385. In Prozentpunkten ausgedrückt entspricht das einer Reduktion von 1,1 in 2018 auf 0,9 in 2019.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erreicht erneuten Höchststand

Trotz schwächerer Konjunktur ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter ge-stiegen und hat damit einen neuen Höchststand erreicht. Zum Stichtag Juni 2019 waren 163.964 Menschen im Agenturbezirk in einem entsprechenden Arbeitsverhältnis gestanden. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus um 2.276.

Knapp ein Drittel der Beschäftigten sind im verarbeitenden Gewerbe tätig. Hier wurden seit Juni 2018 insgesamt 883 neue Arbeitsverträge geschlossen, so dass jetzt 53.690 Menschen in diesem Bereich einer Beschäftigung nachgehen. Auch im Handel (21.601, +191), im Be-reich der Heime und des Sozialwesens (14.915, +77) und dem Baugewerbe (12.170, +93) sind in unserer Region viele Menschen in Arbeit. Ein deutliches Minus ist in der Arbeitneh-merüberlassung zu erkennen. Im Vergleich zum Vorjahr kam es hier zu einem Minus um 823 Beschäftigungen bzw. 21,6 Prozent, so dass jetzt nur noch 2.995 Menschen in der Zeitarbeit beschäftigt sind.

Wer profitiert am meisten von der Entwicklung

Besonders erfreulich ist der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit sowie die guten Fort-schritte bei der Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ging mit jahresdurchschnittlich 1.263 Personen im Vergleich zum Vorjahr um 231 zurück. Bei den arbeitslosen Menschen mit Behinderung ist der Wert von 829 im Jahr 2018 auf 742 in 2019 gesunken. Dies entspricht einem Minus um 10,5 Prozent im Vorjahresvergleich.

Rückläufige, aber weiterhin hohe Nachfrage nach Arbeitskräften

Im Jahresdurchschnitt lag der Bestand an gemeldeten Arbeitsangeboten bei 5.027 Stellen, 4.873 davon waren sozialversicherungspflichtig. Das waren rund fünf Prozent weniger als im Jahr zuvor. Wie hoch der Umschlag an Stellenangeboten tatsächlich ist, zeigen die Zu- und Abgangszahlen: 13.441 Stellen wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcentern gemeldet, 13.056 davon sozialversicherungspflichtig. Dem gegenüber stehen 13.860 (13.454 svp) Stellenabgänge. Die durchschnittliche Vakanzzeit liegt 2019 bei 145 Tagen. 2018 war sie noch um 25 Tage kürzer.

„Viele Betriebe in der Region tun sich schwer, zeitnah das geeignete Fachpersonal zu bekommen. Durch die Qualifizierung von Arbeitslosen und auch von beschäftigten Menschen können wir die Bedarfe der Arbeitgeber zumindest in Teilen bedienen“, so Wolfinger.

Im Jahr 2019 konnten über 1.200 Arbeitslose und Beschäftigte mit finanzieller Unterstützung der Agentur für Arbeit weitergebildet werden. Die Spannbreite reicht hier von Bildungsangeboten, an deren Ende ein anerkannter Berufsabschluss steht, über Teilqualifizierungen bis hin zu kürzeren Anpassungsmaßnahmen.

Auch die Aktivierung und berufliche Eingliederung stand im Fokus der Arbeitsagentur. Wolfinger erklärt: „Wird von einem Arbeitgeber zum Beispiel ein Mitarbeiter mit fachlichen oder sprachlichen Defiziten eingestellt, dann entsteht dadurch häufig ein deutlich erhöhter Einarbeitungsaufwand. Dieser kann finanziell durch die Gewährung eines Eingliederungszuschusses abgemildert werden.“ Auch Probearbeitsverhältnisse in Firmen und andere finanzielle Hilfestellungen bot die Arbeitsagentur, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen zu führen. Insgesamt wurden über 7.000 Zuschüsse gewährt.

Viele Anfragen zum Kurzarbeitergeld

Im Jahr 2019 gab es einen deutlichen Anstieg bei den Anzeigen zum Kurzarbeitergeld (KuG). Diese wird zwar von vielen Firmen rein vorsorglich gestellt und lässt im ersten Moment noch keinen Rückschluss zu, wie viele Arbeitnehmer tatsächliche von der Kurzarbeit betroffen sein werden. Allerdings zeigt es die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Wochen und Monate und zählt somit als Frühindikator der Arbeitsmarktentwicklung.

Tatsächlich ist aber auch eine deutliche Zunahme an realisierter Kurzarbeit zu verzeichnen. Im Juni 2018 bezogen 36 Arbeitnehmer in 6 Betrieben KuG. Im Juni 2019 waren es bereits 868 Arbeitnehmer in 19 Betrieben. Vor allem in der Automobil- und Zulieferindustrie (Maschinenbau, Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen, Herstellung von Gummi- und Kunststoffwaren, Herstellung von Metallerzeugnissen) war dies der Fall.

Gut gerüstet in das Jahr 2020

„Insgesamt betrachtet gehen wir gut gerüstet ins neue Jahr. Zwar spürt auch unsere Region die abgeschwächte Konjunktur. Angesichts der Arbeitskräfteknappheit in vielen Bereichen bleiben gravierende Konsequenzen bei der Arbeitslosigkeit aber aus. Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit signalisiert in seinem aktuellen Arbeitsmarktbarometer eine gute Arbeitsmarktentwicklung für die nächsten Monate“, so die Agenturchefin.

Bildunterschrift: Noch immer herrscht Arbeitskräfteknappheit. Die Chancen, einen Job in bestimmten Bereichen zu finden, stehen daher gut. Foto: pixabay

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