Ansbach (red). 80 mittelfränkische Verwaltungsjuristinnen und -juristen der Regierung von Mittelfranken, des Verwaltungsgerichtes Ansbach, der mittelfränkischen Landratsämter und kreisfreien Städte, der Universitäten und Hochschulen und weiterer staatlicher Behörden aus Mittelfranken befassten sich bei ihrer Sommerdienstbesprechung am 6. Juli 2022 mit Fragen des jüdischen Lebens in Bayern und der Bekämpfung von Antisemitismus. Bewusst wurde das Jüdische Museum Franken in Fürth als Tagungsstätte ausgewählt.

„Es ist unerträglich, dass Antisemitismus in Deutschland wieder auf dem Vormarsch ist, Parolen von Hass und Gewalt verkündet werden und völkisches Gedankengut sogar in öffentlichen Reden wieder Einzug hält“, betonte Regierungspräsident Dr. Bauer. „Deshalb ist es mir ein wichtiges Anliegen unsere Verwaltungsjuristinnen und Verwaltungsjuristen für dieses Thema zu sensibilisieren.“

Im Mittelpunkt der Tagung stand der Vortrag von Dr. Ludwig Spaenle, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe. „Antisemitismus nimmt derzeit bundesweit stark zu. Diese Entwicklung macht sich auch in steigenden Zahlen antisemitischer Straftaten sichtbar. Deshalb war es so wichtig, dass die Bayerische Staatsregierung auf meine Initiative hin ein Gesamtkonzept zur Förderung des jüdischen Lebens und zur Prävention gegen und zur Bekämpfung von Antisemitismus verabschiedet hat. Damit können wir unsere Anstrengungen gegen antisemitisches Denken und Handeln bündeln. Ich bin deshalb dankbar, dass sich die Verwaltungsjuristinnen und Verwaltungsjuristen mit diesem zentralen Problem unserer Gesellschaft auseinandersetzen“, so Dr. Spaenle.

Fast 90 Jahre nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und dem sich anschließenden Holocaust ist der Antisemitismus in Deutschland nicht verschwunden. Nach den Anschlägen auf die Synagogen unter anderem in Lübeck, Düsseldorf und Essen bildete der Anschlag in Halle im Oktober 2019 einen traurigen Höhepunkt. Ihm fielen zwei Menschen zum Opfer. Auch in seiner alltäglichen Form zeigt sich Judenhass in zahlreichen anderen Gestalten: von vermeintlich harmlosen antisemitischen Stammtischwitzen zu Schimpfwörtern auf Schulhöfen, antijüdischen Parolen in Fußballstadien bis hin zu Überfällen auf Jüdinnen und Juden. Zuletzt hat die Corona-Pandemie mit ihren Verschwörungstheorien antijüdische Stereotype wiederaufleben lassen.

Unter dem Titel „An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld!“ beleuchtete Benjamin Herrmann vom Jüdischen Museum historische und aktuelle Formen sowie die Relevanz des Antisemitismus und diskutierte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die sich daraus ergebenden Herausforderungen für die politische Kultur eines demokratischen Rechtsstaates. Bekämpfung von Antisemitismus kann am besten mit Bildung, Aufklärung, Beratung und gegenseitigem Kennenlernen gelingen.

Für Mittelfranken leistet das Jüdische Museum Franken mit seinen Dependancen in Fürth, Schnaittach und Schwabach einen hervorragenden Beitrag hierzu. Führungen durch das Jüdische Museum sowie durch Fürth auf den Spuren jüdischen Lebens rundeten die Tagung deshalb ab und boten weitere Einblicke in das jüdische Leben in Mittelfranken.

Bildunterschrift (v.l.n.r.): Direktorin Daniela F. Eisenstein, Benjamin Herrmann, beide Jüdisches Museum Franken, Dr. Ludwig Spaenle, Beauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer, Regierungsvizepräsidentin Dr. Kerstin Engelhardt-Blum. Foto: Regierung von Mittelfranken, Thomas Müller

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