Altmühlfranken (red). Mit Ausnahmesituationen wie der Corona-Pandemie geht jeder anders um. Manche scheinen sie mühelos zu bewältigen, andere haben große Angst, fühlen sich gestresst und geraten in die Krise. Diese individuelle psychische Widerstandskraft nennt man Resilienz.

Menschen mit einer hohen Resilienz gelingt es, flexibel auf Krisen zu reagieren. Die Belastung hinterlässt keine bleibenden Schädigungen. Manchmal kommt es durch die Krise sogar zu einem persönlichen Wachstum. Resilienz ist nicht einfach vererbt oder angeboren, sondern kann sich im Laufe des Lebens entwickeln, wenn wir dafür fördernde Bedingungen vorfinden. Sie muss außerdem regelmäßig „gewartet“ werden.

Der amerikanische Soziologe Antonovsky gilt als einer der Ur-Väter der Resilienzforschung. Als Antwort auf die Frage „Was hält den Menschen gesund?“ formulierte er drei Bedingungen, die als Schutzfaktoren gelten können:

Als eine erste wichtige Bedingung benannte er die Verständlichkeit der Vorgänge. Kann ich die Ereignisse, die sich durch die Coronakrise ergeben verstehen und in meine Lebenserfahrung einordnen? Eltern können Schul- und Vorschulkindern gut über Virus, Ansteckung und Maßnahmen kindgerecht aufklären. Bei Kleinkindern oder Kindern mit kognitiven Einschränkungen ist dies schwieriger und häufig zu abstrakt. Desto wichtiger ist es, individuelle Erklärungen zu finden und die Fragen der Kleinsten ernst zu nehmen. Im Internet können Eltern inzwischen eine Vielzahl an geeigneten Materialien für eine kindgerechte Erklärung finden. Wichtig dabei ist, die Kinder nicht mit zu vielen Informationen zu überfordern.

Ein zweiter wichtiger Faktor ist, ob ich der Überzeugung bin, dass ich diese Situation bewältigen kann. Habe ich Strategien? Kann ich mich selbst als wirksam erleben? Das kann sich auf eine eigene konkrete Lösungsidee beziehen, die Fähigkeit, um Hilfe zu bitten aber auch das Aushalten von Gefühlen der Unsicherheit und Ohnmacht. Gerade jetzt in der Coronakrise fühlen wir uns häufig von außen kontrolliert und gesteuert. Daher ist es wichtig, Vorhersehbarkeit und Selbstbestimmung im häuslichen Bereich für sich als Eltern, aber auch für die Kinder zu ermöglichen. Wo kann das Kind selbständig agieren, Neues lernen oder etwas selbst bestimmen? Je jünger das Kind ist, desto mehr Ermutigung und Lob nach erfolgter Leistung braucht es.

Damit ein Kind sich als selbstwirksam erlebt, müssen die Aufgaben fordern, aber auch schaffbar sein und idealerweise Spaß machen. Sie können unter anderem aus den Bereichen Bewegung, Kreativität, Lebenspraxis im Haushalt und Garten kommen. Rituale und Strukturen geben außerdem ein Gefühl von Sicherheit und Zuverlässigkeit. Das kann das gemeinsame Essen, eine Spiel- oder Redezeit mit den Eltern, aber auch das Kuscheln am Abend sein.

Eine sichere und emotional stabile Beziehung zu einer erwachsenen Bezugsperson kann dem Kind helfen, sich für die neuen Herausforderungen gut gewappnet zu fühlen. Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff, der seit vielen Jahren zum Thema Resilienz forscht, sagt: „Jedes resiliente Kind hat eine Bezugsperson, die für ihn brennt.“ Daher ist die gemeinsame Familienzeit wichtiger denn je. Wann nehmen wir uns bewusst Zeit füreinander? Wann gibt es Gelegenheiten, über Gefühle wie Ängste, aber auch Freude zu sprechen?

Als dritte Bedingung sah Antonovsky die Sinnhaftigkeit der Ereignisse. Es ist eine Herausforderung, etwas Sinnhaftes in einer Pandemie und deren Folgen zu erkennen. Umso wichtiger ist es, in einem veränderten Alltag sinnstiftende Tätigkeiten oder Momente zu finden. Das können Kinder beispielsweise erfahren, wenn sie mit in die Unterstützung von älteren oder kranken Menschen einbezogen werden. Einen Kuchen backen und ihn jemandem, der sich darüber freut, vor die Tür stellen, eine schönes Bild für die Oma malen und vieles mehr. Auch ein Blick auf die positiven Seiten in unserem Leben kann unser Empfinden verändern. Dazu empfiehlt die Eltern- und Jugendberatung des Diakonischen Werkes die nachstehende Übung „Dankeschönkette“.

Das Wirken von Schutzfaktoren ist mit einer Balkenwaage vergleichbar. Auf einer Waagschale liegen die Schutzfaktoren, auf der anderen die Belastungsfaktoren. Psychische Gesundheit erfordert, dass sich die beiden Waagschalen zumindest in einem stabilen Gleichgewicht befinden, möglichst aber die positive Seite überwiegt. Als Eltern ist es unsere Aufgabe äußere Schutzfaktoren sicherzustellen (z.B. sichere, liebevolle Begleitung des Kindes, gesunde Ernährung, ausreichende Anregung und unterstützende Begleitung) und gleichzeitig Belastungsfaktoren möglichst gering zu halten.

Kinder sind in ihren Einschätzungen und Empfindungen noch sehr abhängig von den Erwachsenen, das heißt je gelassener und sicherer die Eltern mit der aktuellen Lage umgehen können, desto wahrscheinlicher gelingt dies auch den Kindern. Daher sind Eltern in der Pflicht auch für sich zu sorgen, indem sie sich selbst Gutes tun, ihre Kraftquellen aufsuchen und sich Unterstützung holen.

Kinder können vor negativen Erfahrungen und Krisen nicht ferngehalten werden und dies wäre auch nicht sinnvoll. Die Erfahrung, eine Krise positiv zu überwinden, macht uns stärker und widerstandsfähiger.

Dankeschönkette – Eine Übung für die ganze Familie

Die Zeit vergeht so schnell. Da vergessen wir leicht die kleinen Dinge, über die wir uns freuen. Diese Übung kann dir helfen, dich an Dinge zu erinnern, für die du dankbar bist.

Schneide aus buntem Papier Streifen, die so breit sind, dass du darauf schreiben kannst. Schreibe auf jeden Streifen etwas, wofür du dankbar bist oder worüber du dich freust.

Biege einen Streifen zum Ring und klebe seine Enden zusammen. Fädle dann den nächsten Streifen durch den ersten Ring und klebe auch ihn zusammen. So geht es weiter, bis deine Kette fertig ist.

Aus: Wynne Kinder. Achtsamkeit. Fantasievolle Übungen, die Kinder Ruhe schenken. Dorling Kindersley.

Bildunterschrift: Die individuelle psychische Widerstandskraft nennt man Resilienz oder englisch resilient. Foto: pixabay

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