Newstest, Faktencheck und Bilder-Rückwärtssuche

Gunzenhausen (red). Laura Baumann informierte in der Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen über Workshops zum Identifizieren von Fake News – Vortragsreihe in Kooperation mit dem gunnet e.V. Nachrichten, die mit manipulativer Absicht verbreitet werden, sind manchmal sofort zu identifizieren, mitunter können sie aber auch auf falsche Fährten führen. Um nicht in eine Fake-News-Falle zu tappen und vielleicht eine Falschmeldung auch noch weiter zu verbreiten, kann man seine Kompetenzen schulen und hilfreiche Faktencheck-Angebote nutzen. Zu den Falschmeldungen im Netz und zu den Workshop-Angeboten für Schulklassen informierte die Bibliothekarin Laura Baumann im Rahmen der Medienwelten-Reihe.

Der Vermittlung von Informationen zu allen Fragen der Digitalisierung und der Schulung von Medienkompetenz haben sich sowohl der gunnet e.V. als auch die Stadt- und Schulbücherei verschrieben. Bei der Veranstaltungsreihe „Medienwelten“ hat sich diese Zusammenarbeit seit Jahren bewährt. So freute sich Werner Roth vom gunnet-Vorstand, dass nach einer zweijährigen Corona-Pause die Vorträge wieder an den Start gehen können.

Zunächst lud die Referentin Laura Baumann ihr Publikum zu einem Newstest der „Stiftung neue Verantwortung“ ein, bei dem man feststellen kann, wie gut man im Umgang und in der Bewertung mit Informationen aus dem Internet bereits ist. Dazu gehört die Fähigkeit, sich auf Internetseiten zurechtzufinden und auch den Urheber genau zu identifizieren. Habe ich es mit einer Nachricht zu tun, wird mir hier ein Marketing-Beitrag untergeschoben oder handelt es sich um eine Meinungsäußerung?

Auch die Qualität jedes Nachrichtenbeitrags sollte hinterfragt werden: Der Newstest zeigt auf, wie wichtig Informationen über Quellen und verwendete Statistiken sind. Aus ihrer Erfahrung in der Medienarbeit mit Jugendlichen weiß die Referentin: Gerade für jüngere Menschen ist es ein erster Schritt, ein Urteil über die Relevanz eines Beitrags zu fällen. Bei Kindern und ihren Aktivitäten in den sozialen Medien wird hier in Schulungen auch die Frage gestellt „Sind die Posts, die du da liest, eine echte Information oder ist das Ganze ein Scherz?“ Selbst jüngere Kinder können bei den Workshop-Aufgaben schon gut zwischen ernst gemeint Informationen und Statements von „Witzbolden“ unterscheiden.

„Von wem stammt eine Nachricht, welchen Zweck verfolgt eine Person mit ihrem Facebook-Post?“ Solche Fragen sollten sich nach Ansicht von Laura Baumann routinemäßig stellen. Dies gilt auch für Journalistinnen und Journalisten, die durchaus auch Falschmeldungen aufsitzen können. Dies sei umso bedenklicher, dass vermeintliche Fakten, die es einmal auf eine journalistisch geprägte und renommierte Plattform geschafft haben, sich schnellstens ungeprüft verbreiten können. Bewährt haben sich – so informiert die Referentin – Faktencheck-Portale wie der „Faktenfuchs“ des Bayerischen Rundfunks oder „Correctiv“, eine spendenfinanzierte Rechercheplattform, die sich für Bürgerbeteiligung und die Förderung von Medienkompetenz einsetzt. An die Faktencheck-Redaktion der Deutschen Presseagentur kann jede Privatperson Vorschläge für Faktenchecks schicken. Als gutes Korrektiv erweist sich auch der Deutsche Presserat, der Falschmeldungen in der Presselandschaft mit Rügen sanktioniert. Publikationen, die eine Rüge erhalten, müssen in einer der nächsten Ausgaben eine Berichtigung veröffentlichen. BILD ist bei den Rügen immer weit vorne und hat sich auch 2021 den unrühmlichen Titel „Rügen-Meister“ gesichert.

Die Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen bietet sowohl für Grundschulklassen als auch für ältere Schülerinnen und Schüler „Fake-Hunter“-Workshops an. Laura Baumann hat die dazu
notwendigen Schulungen bei der Bibliothekszentrale Schleswig-Holstein absolviert. Beim Konzept von Fake-Hunter-Junior für Grundschulklassen werden den Kindern Texte und vermeintliche „Beweise“ für den geplanten Bau einer Fabrik, direkt am Seeufer von Seedorf, vorgelegt, die sie mit Hilfe einer Faktencheck-Anleitung prüfen können. Für die Workshops in Gunzenhausen wurde die Geschichte und auch die zugehörige Landkarte angepasst. Die Fabrik soll also angeblich am Altmühlseeufer entstehen….

Eine erweitertes Workshop-Konzept gibt es für Jugendliche, die im Workshop mit dem Überprüfen von Impressum und Quellen vertraut gemacht werden. Hilfreiche Werkzeuge wie die Rückwärts-Bildersuche, beispielsweise von „Tiny Eye“ werden erläutert. Damit können die Erstveröffentlichung eines Bildes und sein Datei-Name ermittelt werden. Sodann stellt sich die Frage: Passt das zum Inhalt der Nachricht? Derzeit aktuell, denn in der Kriegspropaganda werden oft Bilder verwendet, die an ganz anderen Schauplätzen und zu ganz anderen Anlässen aufgenommen wurden.

Am Donnerstag, 28. April, um 19.30 Uhr, findet in den Büchereiräumen der nächste Vortrag der Medienwelten-Reihe statt. Der Medienpädagoge und Schulberater für digitale Medienbildung Stefan Schaller widmet sich der Frage: „(K)ein Leben ohne WhatsApp, Tiktok, Insta und Co? Und was hat Corona damit zu tun?“

Bildunterschrift: Das Bild zeigt Bibliothekarin Laura Baumann. Foto: Babett Guthmann

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