Pandemie trifft den regionalen Arbeitsmarkt

Ansbach-Weißenburg (red). „Die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen hinterlassen deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt des Agenturbezirks Ansbach-Weißenburg. Die nach Ostern übliche Frühjahrsbelebung bleibt in diesem Jahr aus. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vormonat um 1.151 bzw.17,0 Prozent auf insgesamt 7.917 Personen gestiegen. Noch stärker fällt das Plus im Vergleich zum Vorjahr aus: so sind im April 1.842 bzw. 30,3 Prozent mehr Menschen arbeitslos als noch vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 3,1 Prozent – das ist die höchste Quote für einen April seit 2016“, so Claudia Wolfinger, die Chefin der Arbeitsagentur.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit beruht auf mehreren Faktoren: Es wurden mehr Menschen arbeitslos, gleichzeitig konnten weniger Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden. Zudem nehmen aufgrund der aktuellen Situation deutlich weniger Menschen an einer Fördermaßnahme, wie z.B. einer beruflichen Qualifizierung, teil.

Arbeitslosenzahl im April: 7.917
Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich: 6.075
Arbeitslosenquote im April: 3,1 %
Arbeitslosenquote im Vorjahr: 2,4 %

„Neben den steigenden Arbeitslosenzahlen ist gleichzeitig die Nachfrage nach Arbeitskräften eingebrochen. Die Zahl der gemeldeten Stellen ging in fast allen Branchen zurück. Gleichzeitig ist zu erkennen, dass die Betriebe ihre Mitarbeiter halten möchten und auf das bewährte Instrument der Kurzarbeit zurückgreifen. Dies sichert Beschäftigung und vermeidet Arbeitslosigkeit. Andernfalls wäre der Anstieg der Arbeitslosigkeit noch deutlich stärker ausgefallen „, erklärt Wolfinger weiter.

Jeder dritte Betrieb im Agenturbezirk hat Kurzarbeit angemeldet

Im März und April 2020 haben im Agenturbezirk Ansbach-Weißenburg 4.054 Betriebe mit mindestens einem versicherungspflichtig Beschäftigten für 63.953 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt. Bei rund 12.000 Betrieben entspricht dies jedem dritten Betrieb und knapp 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen.

„Daraus“, so Wolfinger, „lässt sich allerdings noch nicht schließen, wie viele Beschäftigte tatsächlich in Kurzarbeit sind und in welchem Stundenumfang. Denn häufig wird eine Anzeige auch vorsorglich gestellt oder für mehr Mitarbeitende, als dann tatsächlich kurzarbeiten. Angaben zu realisierter Kurzarbeit liegen erst mit Zeitverzögerung vor.

Die Anzeige von Kurzarbeit“, erläutert die Arbeitsagenturchefin, „löst noch keine Zahlung aus, denn das Kurzarbeitergeld erfolgt in drei Schritten. Nach der Anzeige ist für die Auszahlung ein Antrag auf Kurzarbeitergeld zu stellen. Dieser Antrag ist zusammen mit der monatlichen Abrechnungsliste bei der zuständigen Agentur für Arbeit einzureichen. Ich empfehle Betrieben, ihren Antrag auf Kurzarbeitergeld umgehend bei ihrer zuständigen Agentur für Arbeit einzureichen. Nur so kann das Geld schnellstmöglich ausgezahlt werden. Dafür sind wir personell mittlerweile gut aufgestellt. In einem Kraftakt haben wir binnen kürzester Zeit Personal intern umgeschult, sodass nun deutlich mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Anzeigen und Anträge auf Kurzarbeitergeld abarbeiten als zu gewöhnlichen Zeiten. Wir haben viele neue Wege geschaffen, telefonisch, online sowie neuerdings auch per App ‚Kurzarbeit‘, die Unterlagen einzureichen“, sagt Wolfinger.

Wer ist besonders von der Krise betroffen?

Im Vergleich zum Vorjahr sind mehr Arbeitnehmer aus Erwerbstätigkeit arbeitslos geworden (+473 zum VJ). Auf der anderen Seite schafften es deutlich weniger Menschen, ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu beenden (-1.305 zum Vorjahr). „Die Zunahme von neu arbeitslos gemeldeten Personen ist über alle Branchen hinweg zu beobachten. Die stärksten Zuwächse – sowohl absolut als auch relativ – kommen dabei aus dem verarbeitenden Gewerbe (286), aus der Arbeitnehmerüberlassung (229), dem Handel (175) sowie dem Gastgewerbe (116). Dabei spielt auch die Qualifikation keine entscheidende Rolle. Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit und ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung ist prozentual ähnlich stark „, erläutert Wolfinger.

Arbeitsmarktentwicklung in den Rechtskreisen SGB III und SGB II

Von der Corona-Krise sind beide Rechtkreise betroffen, der Anstieg in der Grundsicherung fällt allerdings geringer aus. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung lag die Arbeitslosigkeit bei 5.093, das sind 1.452 mehr als im Vorjahr (Vormonat +684). Im Bereich der Grundsicherung lag sie bei 2.824 (Vormonat +467).

Deutlich weniger Personalbedarf über alle Branchen hinweg

Die Corona-Krise führt aktuell zu einer deutlich gesunkenen Nachfrage nach Arbeitskräften. So sind im April nur 489 neue Arbeitsstellen gemeldet worden. Das sind 741 Stellen bzw. 60,2 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahr. Entsprechend hat sich auch der Bestand an Arbeitsstellen reduziert. Dieser beträgt im April insgesamt 4.667 und liegt um 507 (9,8 Prozent) unter dem Vorjahreswert.

„Anders als in der Wirtschaftskrise 2009 verzeichnen wir einen Stelleneinbruch über alle Branchen hinweg. Dabei ist das Gastgewerbe mit einem Minus von rund 78 Prozent neu gemeldeter Stellen im Vergleich zum Vorjahr besonders stark betroffen. Auch der Handel, die Zeitarbeit sowie das Verarbeitende Gewerbe melden deutlich weniger Stellen“, so Wolfinger.

Der Arbeitsmarkt im Landkreis Roth
Die Arbeitslosenquote im Landkreis Roth steigt im Vergleich zum März um 0,4 Prozentpunkte und liegt bei 2,5 Prozent. Verglichen mit dem Wert vor einem Jahr nimmt die Quote um 0,5 Prozentpunkte zu. Die Zahl der Arbeitslosen erhöht sich innerhalb eines Monats um 298 Personen auf jetzt 1.844. Im Vergleich zum Vorjahr sind 386 Menschen mehr ohne Beschäftigung. Insgesamt haben im März und April 1.100 Betriebe Kurzarbeit für 15.169 Beschäftigte angezeigt.

Die Corona-Krise wirkt sich auch im Landkreis Roth auf beide Rechtkreise aus, der Anstieg in der Grundsicherung fällt jedoch auch hier geringer aus. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung lag die Arbeitslosigkeit bei 1.270, das sind 345 mehr als im Vorjahr (Vormonat +179). Im Bereich der Grundsicherung lag sie bei 574 (Vorjahr +41, Vormonat +119).

Die Arbeitgeber melden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern im Laufe des Monats 129 neue Arbeitsstellen, 168 weniger als im Vormonat, 251 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt sind im Landkreis Roth 1.312 freie Stellen im Bestand.

Der Arbeitsmarkt im Landkreis Weißenburg – Gunzenhausen

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen liegt bei 3,6 Pro-zent. Verglichen mit dem Vormonat steigt sie um 0,5 Prozentpunkte, im Vorjahresvergleich um 0,8. Die Zahl der Arbeitslosen liegt mit 1.923 um 286 über dem Vormonats- und um 418 über dem Vorjahreswert. Insgesamt haben im März und April 852 Betriebe Kurzarbeit für 12.538 Beschäftigte angezeigt.

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bewirkt die Corona-Krise ebenso in beiden Rechtkreisen einen Anstieg. In der Grundsicherung fällt er jedoch auch hier ge-ringer aus. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung lag die Arbeitslosigkeit bei 1.214, das sind 309 mehr als im Vorjahr (Vormonat +171). Im Bereich der Grundsi-cherung lag sie bei 709 (Vorjahr +109, Vormonat +115).

Die Arbeitgeber melden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter im Laufe des Monats mit 70 neuen Arbeitsstellen 123 weniger als im März und 160 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt sind im Landkreis 934 freie Stellen im Bestand.

Bildunterschrift: Die Corona-Pandemie hinterlässt auch Spuren auf dem regionalen Arbeitsmarkt, meldet die Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg. Foto: pixabay

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