Romantische Klänge von Diana Ketler und Thorsten Johanns

Gunzenhausen (red). Mit klassischer Musik ist das so eine Sache. Mancher stempelt sie als elitäre Sache für Privilegierte ab, als schwer zugänglich und einfach nicht für jederfrau oder -mann geeignet. Dass es sich hierbei meist um Vorurteile handelt und Klassik durchaus auch „hörbar und massentauglich“ sein kann, das bewiesen einmal mehr der Soloklarinettist Thorsten Johanns und Diana Ketler am Klavier, die im Rahmen der 1. Gunzenhäuser Konzertreihe die Stadthalle begeisterten.

Die Kombination von Klarinette und Klavier ist durchaus ungewöhnlich und eben aus diesem Grund absolut faszinierend. Dazu harmonierten Thorsten Johanns und Diana Ketler wunderbar miteinander, sie verschmolzen förmlich mit ihren Instrumenten, wurden eins mit der Musik und drückten mit jedem Ton Emotionen und Gefühle aus. Gespielt wurden hauptsächlich romantische und selten im Rahmen von Konzerten thematisierte Raritäten, u.a. von Robert Schumann, Johannes Brahms und Claude Debussy.

Thorsten Johanns ist ein hochbegabter Musiker internationalem Renommees, spielerisch bewegt er sich zwischen weichen Tonfolgen, schnellen Läufen und – an diesem Abend – überwiegend romantischen Klängen. (An)getrieben wurde er von Diana Ketler am Flügel, die den musikalischen Puls vorgab und dem begeisterten Publikum ein anspruchsvolles Spiel präsentierte. In Ketlers Vita steht nun auch die Stadthalle Gunzenhausen, gleich neben großen Häusern in London, Tokio und St. Gallen.

Vielleicht nicht das beste Stück, aber aufgrund seiner Aussagekraft das Highlight des kurzweiligen Konzertabends: Carl Nielsens Fantasiestück „Andante cantabile“. Nielsen ist ja eher für seine schroffen Klangwelten bekannt, dieses Werk ist allerdings anders, eingänglicher, weg von den eher konservativen Tonfolgen, aufgrund derer der Komponist bis heute geliebt wird.

Schweißtreibend wurde es beim letzten Stück „Première Rhapsodie“ von Claude Debussy, das immer wieder zwischen Disharmonie und Harmonie pendelte und mit dem letzten Ton einem warmen Sommerregen gleich Gänsehaut auslöste. Ein würdiger Abschluss für einen wundervollen Abend.

Das nächste Highlight im Rahmen der 1. Gunzenhäuser Konzertreihe wartet am Sonntag, den 8. Mai 2022. Dann kommt das dogma chamber orchestra mit Mastermind Mikhail Gurewitsch in die Stadthalle. Nähere Informationen hierzu erfahren Sie auf der Internetseite des Gunzenhäuser Kulturbüros unter www.gunzenhausen.info.

Foto: Stadt Gunzenhausen

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