Gunzenhausen (red). Anfang des Jahres hat auf Initiative des Landtagsabgeordneten Manuel Westphal eine Gesprächsrunde mit Verantwortlichen zum Thema „Inklusion in Kindertagesstätten“ stattgefunden. Damals wurde die Idee geboren, der zuständigen Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales Kerstin Schreyer die Herausforderungen aus dem Alltag vorzustellen. Aus diesem Grund konnte am Ende der Sommerferien die Inklusionsrunde ein zweites Mal tagen und der Ministerin über Erfahrungen aus dem Alltag berichten.

Staatsministerin Kerstin Schreyer als ausgebildete Diplom-Sozialpädagogin mit jahrelanger beruflicher Erfahrung in der Erwachsenenpsychiatrie und in der Jugendhilfe hatte während der Gesprächsrunde sofort einen Zugang zu den Berichten der beteiligten Personen aus der Praxis. So berichtete die Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Wilhelm Löhe (KiFaZ) Diana Leickert von ihren Erfahrungen beim Thema Inklusion genauso wie Yvonne Schram, Leiterin des evangelischen Bergkindergartens in Heidenheim.

Inklusion wird in beiden Einrichtungen gelebt. „Wir geben den Kindern Raum, sich individuell zu entwickeln und voneinander zu lernen. Die Rahmenbedingungen müssen dafür passen, angefangen vom Personal bis hin zur Ausstattung der Räume“, erklärte Diana Leickert die Philosophie des KiFaZ und ergänzte: „Zu Beginn des aktuellen Kindergartenjahres konnten wir unseren Neubau beziehen. Wir sind also ganz frisch in den Räumen. Dabei haben wir darauf geachtet, dass wir auch Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder schaffen und jedes Kind nach seinem individuellen Förderbedarf begleiten können.“

Die 136 Kinder finden nun genügend Platz in dem geräumigen Anbau und auch das Familienzentrum wird im ursprünglichen Altbau neue Räume finden. Die Ministerin nutzte die Gelegenheit, um sich die Bedingungen vor Ort und die Baumaßnahmen der Einrichtung anzusehen. Der Freistaat Bayern hat den Neubau mit über zwei Millionen Euro gefördert. Auch die Stadt Gunzenhausen beteiligte sich als Kommune an dem Bau. Beim Rundgang konnte sich auch Bürgermeister Karl-Heinz Fitz ein Bild von der Entwicklung des KiFaZ machen.

„Das KiFaZ hat in unserer Region eine Vorreiterrolle in Sachen Inklusion eingenommen und entwickelte sich schon früh zu einer integrativen Einrichtung. Doch auch kleinere Einrichtungen bemühen sich um Inklusion, weshalb wir in unserer Runde heute auch Yvonne Schram, Leiterin des Bergkindergartens in Heidenheim begrüßen können“, erklärte Westphal während der Gesprächsrunde.

Zehn Kinder aus dem Bergkindergarten in Heidenheim besuchen die Frühförderung und ein Kind bekommt die Eingliederungshilfe vom Bezirk. „Beim inklusiven Ansatz kommen auf uns Leitungen noch mehr Aufgaben zu, wie Eltern- und Personalgespräche oder die Unterstützung beim Antragsverfahren. Die Leitungen müssten hier mehr entlastet werden, damit sich mehr Einrichtungen für einen inklusiven Ansatz entscheiden“, sind sich Leickert, Schram und Cornelia Blendinger, Fachberaterin des „Evangelischen KITA-Verbandes Bayern“ im Dekanat, sicher.

Die Staatsregierung habe dies bereits erkannt und unterstütze Träger und Einrichtungen bei der Förderung der Kinder in großem Umfang, führte die Ministerin aus und ergänzte: „Angefangen bei der Förderung von Bau- und Sanierungstätigkeiten bis hin zum kürzlich beschlossenen Leitungs- und Verwaltungsbonus erhalten unsere Kindertagesstätten weitreichende Unterstützung. Mein Haushalt wurde dieses Jahr um 20 Prozent aufgestockt, die zusätzlichen Mittel werden vor allem in Leistungen für Familien investiert.“

Kerstin Schreyer hält es für sehr wichtig, dass gerade Kinder eine individuelle Betreuung je nach Bedarf erfahren. Den Teilnehmern an der Inklusionsrunde im KiFaZ dankte die Ministerin für ihr Engagement und ihre Leistung: „Inklusion ist in allen Lebensbereichen ein wichtiges Zukunftsthema, dem ich durch meine Arbeit gerne mehr Gewicht verleihen möchte. Meiner Meinung nach muss Inklusion aus der Einrichtung heraus entstehen, so wie hier in Gunzenhausen oder auch am Beispiel des Kindergartens in Heidenheim. Die Einrichtungen müssen für sich selbst entscheiden, wie sie Inklusion leben. Darauf kommt es für mich an.“

Die Ministerin sicherte den Teilnehmern der Inklusionsrunde, darunter auch Vertreter des Bezirks, des Landratsamtes und der Stadt, zu, dass sie in ihrem Haus einen Leitfaden entwerfen lasse, der den Einrichtungen die jeweiligen Zuständigkeiten aufzeigt und das Antragsverfahren erklärt. „Damit können wir bei den Leitungen, aber auch bei den Eltern Sicherheit und Erleichterungen schaffen“, führte Kerstin Schreyer weiter aus.

„Der Austausch mit der Praxis liegt sowohl der Ministerin als auch mir sehr am Herzen, weshalb wir uns für den heutigen Termin gerne Zeit genommen haben. Die Herausforderungen im Bereich Inklusion direkt von Praktikern zu erfahren, ist sehr hilfreich, um dieses komplexe Thema zu begreifen. Letztlich kommt dieses Engagement wieder unseren Kindern, die in den Einrichtungen betreut werden, zugute“, so Westphal abschließend.

Bildunterschrift: Staatsministerin Kerstin Schreyer (4. von links) ließ es sich nicht nehmen nach dem Austauschgespräch noch den Neubau des KiFaZ zu begutachten. Foto: Büro Westphal

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