Gedenkfahrt zur Gedenkstätte-KZ-Flossenbürg in der Oberpfalz

(red). Am 16.09.2023 startete eine Reisegruppe organisiert vom Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen in Richtung Flossenbürg zu einer Gedenkfahrt. Insgesamt fuhren 22 Interessierte, in das im Idyll gelegene Dorf, um dort die Gedenkstätte-KZ-Flossenbürg zu besichtigen.

Das KZ Flossenbürg bestand von Mai 1938 bis zum 23.04.1945, bevor es von den Amerikanern befreit wurde. Es war als ein reines Arbeitslager konzipiert, in dem der vorhandene Granit im Steinbruch abgebaut wurde. Der Arbeitsalltag war hart. Während ihrer zwölf-Stunden-Schicht bauten die Männer den harten Granit ab, der in verschiedenen Nazibauten eingesetzt wurde. Die SS füllte damit ihre Kassen auf. Insgesamt waren in Flossenbürg ca. 100000 Menschen inhaftiert. Hiervon sind ca. 30000 Menschen in Folge der schweren Arbeit, durch Krankheit und Infektionen, sowie heftigste Misshandlungen durch Funktionshäftlinge und der Waffen-SS ums Leben gekommen. Wenn neue Häftlinge im Lager ankamen hatten sie es nicht leicht, weil sie unter anderem
kaum Deutsch sprachen. Sie hatten eine Zugfahrt im Viehwagon ohne Essen, Trinken, ohne Toilette hinter sich. Vom Bahnhof ging es zu Fuß durch das Dorf. Es ging vorbei an den Holzbaracken der SS, rechts vor dem Verwaltungsgebäude abbiegend, durch das mit zwei Granitsäulen befestigte Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“. Ab hier verloren sie ihre Identität. Ihr Namen waren fortan egal. Nur noch ihre Häftlingsnummer zählte. Sie mussten in das Häftlingsbad, in dem bereits die Funktionshäftlinge warteten um sie zu erniedrigen. Sie entfernten jegliche Körperbehaarung, ließen sie mit abwechselnd heißem und kaltem Wasser aus Hochdruckdüsen duschen und sie schlugen die Neuankömmlinge.

Die Häftlinge die das überstanden, erhielten ihre gestreifte Arbeitskleidung und gingen los zu ihrer Schicht im Steinbruch. Es gab zwei Mahlzeiten am Tag. Die Arbeit wurde solange abverlangt, bis die Häftlinge zu krank oder zu schwach waren und zur Sterbebaracke überführt wurden. Die Toten wurden vom Sonderkommando im Krematorium verbrannt, nachdem sie ihnen das Zahngold raubten.

Als reines Männerlager herrschte nicht nur durch den böhmischen Ostwind ein sehr raues Klima. Eine einzelne Baracke war für 250 Männer ausgelegt. Gegen Kriegsende waren in jeder einzelnen Baracke bis zu 1000 Männer untergebracht. Diese durften auch Briefe schreiben, aber nur auf Deutsch. Jeder der Häftlinge hatte auf der Uniform die Häftlingsnummer stehen mit einem farbigen Dreieck und später auch dem Kürzel des Herkunftslandes. So war eine schnelle Selektion möglich. Juden hatten einen zusätzlichen gelben Strich. Rot stand für politische Häftlinge, grün für Berufsverbrecher, blau für Emigranten, lila für Zeugen Jehovas, rosa für Homosexuelle und dunkles violett für „Asoziale“. Diese Farben variierten in den Abzeichen Formen, wenn beispielsweise
Fluchtgefahr bestand oder Häftlinge der Strafkompanie angehörten. Mit seinen 83 Außenlagern war das KZ Flossenbürg weit verzweigt. Dort arbeiteten sie beispielsweise für die Rüstungsindustrie. In den Außenlagern arbeiteten auch Frauen, je nach Schwere der Tätigkeit.

Die Reisegruppe erhielt über zweieinhalb Stunden eine ausführliche Führung durch die Gedenkstätte in der auch viele Fragen beantwortet wurden. Auf einem Gedenkstein aus Granit legte das „Landkreisbündnis gegen rechts Weißenburg-Gunzenhausen“ ein Blumengesteck ab. „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ so lautet die Botschaft der Stunde. Heute ist die Gedenkstätte vielseitig aufgestellt. Im ehemaligen Kasino / Kantine ist seit 2015 ein Inklusionskaffee. Verschiedene Teile des Konzentrationslagers wurden in den 1950er Jahren an Überlebende als Grundstück übergeben. Das „Tal des Todes“ wird bis 2024 Rollstuhlgerecht umgebaut. Dort steht das Krematorium und der Exekutierplatz mit verschiedenen Gedenktafeln und Steinen. Auch Dietrich Bonhoefer evangelischer Pfarrer war für kurze Zeit Häftling in Flossenbürg. Kurz vor Kriegsende am 09.04.1945 wurde er hier ermordet. Für Ihn und weitere Widerstandskämpfer hängt eine Gedenktafel am Eingang des Lagergefängnisses.

Foto: Landkreisbüdnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen

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