Christa Naaß nahm am 18. Brünner Versöhnungsmarsch teil

Brünn (red). 20.000 alte Menschen, Frauen und Kinder wurden vor 78 Jahren aus ihrer Heimatstadt Brünn vertrieben und auf einen Todesmarsch Richtung Österreich geschickt. Mit einem Versöhnungsmarsch im Rahmen des Festivals Meeting Brno gedenkt Brünn, die Hauptstadt Südmährens, seit 18 Jahren diesem Ereignis. Die Schirmherrschaft hatte heuer Kreishauptmann Jan Grolich inne. Der Bezirk Mittelfranken unterhält seit diesem Jahr mit Südmähren in Tschechien eine Regionalpartnerschaft. Die entsprechende Urkunde hatten Jan Grolich und Bezirkstagspräsident Armin Kroder am 18. April in Brünn unterzeichnet.

Auf dem jüngsten Brünner Versöhnungsmarsch vertrat Christa Naaß, Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten, den Bezirk Mittelfranken. Seit dem 30. Mai 2015, zum 70. Jahrestag der Vertreibung, setzt dieser alljährlich stattfindende Marsch nunmehr in umgekehrter Richtung von Pohrlitz nach Brünn, Zeichen der Versöhnung.

„Partnerschaftsarbeit ist für mich immer auch Friedensarbeit“, so Christa Naaß in ihrer Ansprache zu Beginn des Marsches und bei der Schlussveranstaltung. Bei einer Partnerschaft, meinte sie weiter, müsse es auch um das Erinnern an die gemeinsame Geschichte gehen. Dabei dürfe das Unrecht des von Deutschland ausgegangenen Zweiten Weltkrieges nicht ausgeklammert wer-den, genauso wenig wie das Unrecht von Flucht und Vertreibung das folgte. „Wir erinnern uns jedoch nicht, um der reinen Rückschau willen. Wir erinnern uns in dem Wissen, dass die Verantwortung vor unserer Geschichte keinen Schlussstrich kennt“, machte die Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten deutlich. „In diesen schwierigen Zeiten“, so Christa Naaß weiter, „ist es umso wichtiger, dass Deutschland, Österreich und Tschechien als Partner in Europa zusammenstehen und gemeinsam für ein friedliches, freiheitliches und demokratisches Europa eintreten.“

Ein weiteres gemeinsames Gedenken fand am Kaunitzer Studentenwohnheim in Brünn statt. Am 17. September 1939 wurde das Gebäude von der Gestapo besetzt. 173 darin wohnende tschechische Studenten wurden als angebliche Widerstandskämpfer in das Konzentrationslager Sachsenhausen transportiert. Bis 1945 durchliefen Zehntausende von inhaftierten tschechischen Studenten das Wohnheim, bevor sie in Konzentrationslager abtransportiert wurden. Viele davon wurden auf grausame Weise gefoltert, 800 Menschen im Innenhof durch Erhängen oder Erschießen ermordet.

Bildunterschrift: Kranzniederlegung an der Gedenkstätte Kaunitz-Wohnheim. Foto: Gabriela Blank, Büro für Regionalpartnerschaften

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