(red). Die intensive touristische Nutzung der Altmühl an manchen Hochsaisontagen hat in den letzten Jahren immer wieder für Missstimmung zwischen Anglern und Kanuten gesorgt. Von einzelnen Fischereivereinen wurde zum Schutz von Laichgebieten sogar eine Sperrung der Altmühl für Kanus gefordert. Nun haben sich die kanutouristischen Betriebe verpflichtet, den Anglern entgegenzukommen.

In seinem Positionspapier legt der regionale Kanuverband „AKQUA .V.“ ausführlich dar, welche Maßnahmen geboten sind, um den ökologischen Zustand der Altmühl zu verbessern. Er bezieht sich hier auf das Maßnahmenprogramm des bayrischen Umweltministeriums, das entsprechend der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) im funktionalen Zusammenhang mit der europäischen FFH-Richtlinie(Flora-Fauna-Habitat) auf nationaler und Landesebene erarbeitet wurde.

Obwohl diese sehr fundierten und umfassenden Studien keinerlei Zusammenhang zwischen dem Kanutourismus und dem eher schlechten ökologischen Zustand der Altmühl herstellen, will der Verband der Altmühltaler Kanuten und Kanubetriebe hier seinen guten Willen demonstrieren.

Die Betriebe verzichten im Rahmen einer Selbstverpflichtung darauf, die Altmühl im Laichzeitraum unterhalb bestimmter Pegelstände zu befahren. Im Rahmen eines runden Tisches im Oktober 2020 wurde diese Lösung in Zusammenarbeit mit den Fischereiverbänden, beiden Landkreisen und Wasserwirtschaftsämtern und unter universitärer Beteiligung entwickelt.

„Sobald seitens der Naturparkverwaltung und der Wasserwirtschaft die technischen Voraussetzungen für ein Ampelsystem geschaffen sind, kann es losgehen. Außerdem haben wir im Bereich Gästeinformation und Besucherlenkung erheblich nachgeschärft“ äußert sich Christoph Martin, Vorstand der AQKUA dazu. „Gleichzeitig wird allerdings ein Monitoring erforderlich, das die natürliche Reproduktion der angeblich bedrohten Fischarten fundiert bewertet. Eine studentische Masterarbeit darf nicht zur Grundlage für Wohl und Wehe einer ganzen Branche gemacht werden, die hohe Wertschöpfung für die ganze Region garantiert“.

Dazu muss man wissen: Es gibt bis heute keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass die Kanuten verantwortlich für eine Beeinträchtigung des Laichverhaltens von Barbe und Nase in der Altmühl wären. Tatsächlich gibt es nicht einmal einen stichhaltigen Nachweis, ob es in der Altmühl überhaupt zur Eiablage dieser Arten in nennenswertem Umfang kommt. „Die Bestände sind ganz wesentlich von den Fischereivereinen besetzt. Die Altmühl ist kein natürlicher Lebensraum der rheophilen, also strömungsliebenden Barben und Nasen – die Altmühl ist Bayerns langsamster Fluss!“ so Martin „Wir vermuten, dass einzelne, angeblich aus natürlicher Reproduktion stammende Exemplare, tatsächlich aus der Laichablage in Nebengewässern in die Altmühl abwandern. Denn in bestimmten Zuflüssen gibt es das, was diese Arten brauchen: Strömung, kiesiges Bachbett, kaltes Wasser und Sauerstoff. Das muss wissenschaftlich untersucht werden. Unabhängig davon kommen wir den Fischereivereinen trotzdem gerne entgegen, um mit einem Befahrungsverzicht unterhalb bestimmter Pegelgrenzwerte unseren Beitrag zu einer Befriedung der Situation zu leisten.“

Grundlage für die Bewertung der Situation ist bislang lediglich eine studentische Masterarbeit. Um zu wissenschaftlich belastbaren Ergebnissen zu kommen betreibt der Verband die Einbindung des Lehrstuhls für angewandte Gewässerökologie der Hochschule Weihenstephan. „Im gleichen Kontext sollten auch die Auswirkungen von ufernahen Freizeitaktivitäten auf die Bestände seltener Uferbrüter untersucht werden“ schlägt Martin vor, dem die ganzheitliche Betrachtung des Ökosystems Altmühl am Herzen liegt.

Foto: Pixabay

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