Kein Katastrophenfall mehr – ein Rückblick

(red). Mit Ablauf des 16. Juni ist der Katastrophenfall Corona-Pandemie, der in Bayern seit dem 16. März gegolten hat, durch die Bayerische Staatsregierung aufgehoben worden. Über drei Monate hinweg wurde unter Höchstleistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen innerhalb der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) und auch darüber hinaus sieben Tage die Woche an der Bewältigung des Pandemiegeschehens gearbeitet. Zwar ist der Katastrophenfall faktisch beendet, einige Arbeiten werden aber bleiben.

Mit der Feststellung des Katastrophenfalls am 16. März 2020 begann die Arbeit der Führungsgruppe Katastrophenschutz unter Leitung des damaligen Landrats Gerhard Wägemann im Landratsamt. Schnell musste eine Organisationsstruktur innerhalb des Amtes geschaffen werden, um die Koordination der notwendigen Maßnahmen zentral zu verwalten. Während dem bisherigen Höhepunkt der Corona-Pandemie ging es dabei vor allem um die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des öffentlichen Gesundheitssystems. Dazu gehörte die Beschaffung und Verteilung von Masken, Desinfektionsmitteln, Hygienehandschuhen, Schutzbrillen und Kitteln.

Innerhalb der FüGK musste zudem das Infektionsgeschehen in enger Absprache mit dem Gesundheitsamt stets im Blick behalten werden, damit man auch im Hinblick auf die Kapazitäten in den Kliniken rechtzeitig reagieren konnte. Auch die Ärzteschaft wurde innerhalb der FüGK durch den später ernannten Versorgungsarzt Dr. Peter Löw vertreten und landkreisweit koordiniert. Die Öffentlichkeit wurde fortlaufend durch die Pressestelle des Landratsamtes informiert und erhielt über das Bürgertelefon jederzeit über die Pandemielage und die daraus resultierenden Einschränkungen Auskunft.

Die FüGK war während des Katastrophenfalls im Schichtbetrieb organisiert und musste rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche erreichbar sein.

Auch außerhalb der FüGK war die Arbeitsbelastung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landratsamt während dieser Phase enorm, da alle Verwaltungsbereiche durch die Corona-Pandemie betroffen waren.

Zur internen Abstimmung und Lagebesprechung fand innerhalb der FüGK, die aus über 50 Personen bestand, täglich, auch an den Wochenenden, Telefonkonferenzen statt. Besprechungen wurden überwiegend telefonisch durchgeführt, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten.

Täglich und später mehrmals wöchentlich gab es zudem noch Abstimmungsgespräche innerhalb des Krisenstabes zwischen dem Landrat, den Abteilungsleitern im Landratsamt, dem Gesundheitsamt, der Polizeidienststellen, dem Versorgungsarzt und dem Klinikum, um die aktuelle Lage jederzeit umfassend im Blick zu haben.

„Während des Höhepunkts der Corona-Pandemie im März und April haben diese Telefonkonferenzen schon mal sehr lange dauern können. Die längsten waren mitunter über eine Stunde. Besonders aufwendig war dabei beispielsweise der Aufbau der Teststrecke in Gunzenhausen innerhalb von 48 Stunden. Wir mussten während der ersten Pandemie-Welle vieles abstimmen und ausführlich beraten. Die Situation war für uns alle erstmal neu. Keiner wusste, was noch auf uns zukommen wird. Nach den Bildern in Italien und Spanien mussten alle Landkreise natürlich auch mit einem Worst-Case-Szenario rechnen“, beschreibt Philipp Brandl-Michel, Leiter der FüGK, die angespannte Lage zu Beginn.

Eine der größten Herausforderungen war die zügige Beschaffung und Verteilung von Schutzmaterial. In ganz Bayern gab es am Anfang der Pandemie kaum Reserven an Masken und Desinfektionsmittel. Auch im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wurde – nicht zuletzt auch durch die Unterstützung zahlreicher lokaler Unternehmen – schnell gehandelt und das notwendige Material für das Klinikum, die Arztpraxen und Heilmittelerbringern oder andere soziale und gesundheitliche Einrichtungen beschafft. In den vergangenen drei Monaten wurden über 300.000 Masken, knapp 50.000 Liter Desinfektionsmittel und zahlreiche weitere Schutzmaterialien beschafft und an die Bedarfsträger im Landkreis verteilt.

„Während der ersten Infektionswelle haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landratsamt, ganz speziell auch im Gesundheitsamt, wirklich außerordentliches geleistet. Für uns alle war es eine völlig neue Situation, auf die wir uns erst einstellen mussten und die wir gemeinsam gemeistert haben. In einer solchen Lage dann auch noch einen Landratswechsel zu stemmen, war eine zusätzliche Herausforderung, die meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber hervorragend bewältigt haben“, freut sich Landrat Manuel Westphal und fährt fort: „Nun kann man innerhalb des Hauses auch noch einmal die vergangenen Monate Revue passieren lassen und aus dem Vergangenen für die Zukunft lernen. Die bisher in der FüGK beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind weiterhin mit administrativen Aufgaben zur Bewältigung der Corona-Pandemie beschäftigt. Unsere Besprechungen zur aktuellen Lage werden wir nun nach Aufhebung des Katastrophenfalls nur noch im Bedarfsfall, beispielsweise bei einem Infektions-Hot-Spot zusammenrufen“, erklärt Westphal.

Mit Aufhebung des Katastrophenfalls endet die Arbeit der FüGK zwar formell, doch werden die Grundstrukturen innerhalb des Amtes weiterhin fortgeführt. Dies gilt zum Beispiel für den Versorgungsstab, der das angeschaffte Schutzmaterial weiter verwalten muss. Auch wenn sich die Marktsituation beruhigt hat und die Einrichtungen selbst an ausreichend Schutzausstattung kommen, wird eine Reserve vorgehalten, um auf ein zweites Infektionsgeschehen vorbereitet zu sein.

Auch für das Gesundheitsamt geht die Arbeit natürlich weiter, da die Situation rund um das Corona-Virus jederzeit im Auge behalten werden muss. Im Falle einer Infektion müssen die Kontaktpersonen ermittelt, benachrichtigt und getestet werden. Die Teststrecke in Gunzenhausen wird vorerst auch noch weiter betrieben. „Das Virus ist noch da! Die getroffenen Maßnahmen haben Wirkung gezeigt, wodurch die Lockerungen für die Gesellschaft möglich wurden. Jeder muss aber weiterhin vorsichtig sein und die geltenden Schutz- und Hygienemaßnahmen einhalten. Im Landkreis ist die Situation derzeit entspannt“, betont Dr. Carl-Heinrich Hinterleitner, Leiter des Gesundheitsamtes.

Auch Landrat Manuel Westphal zieht die Schlussfolgerung: „Abschließend bleibt zu hoffen, dass die Infektionszahlen nicht wieder steigen und die Menschen weiterhin vorsichtig sind. So bleiben wir hoffentlich vor einer zweiten Welle verschont.“

Bildunterschrift: Auch die Organisation von Masken und Co. gehörten während des Katastrophenfalls zur Aufgabe des Landratsamts. Foto: pixabay

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