Klima-Landwirt: Projekt zur Förderung von Klimaneutralität und Anhebung der Biodiversität in Altmühlfranken

Altmühlfranken (red). Die öffentliche und politische Diskussion ist derzeit bestimmt unter anderem von den Themen Klimaneutralität und Biodiversität. Auch für den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, speziell für die hier ansässigen Unternehmen und landwirtschaftlichen Betriebe, aber auch für Kommunen spielen diese Themen eine große Rolle. Landrat Manuel Westphal hat gemeinsam mit dem Fachzentrum für Energie und Landtechnik Triesdorf ein Projekt initiiert, um konkrete Umsetzungsmaßnahmen vor Ort für Landwirte, Kommunen und Unternehmen aufzuzeigen. Der Startschuss für das Projekt war in Trommetsheim.

Bei der Erreichung der Klimaneutralität geht es in erster Linie natürlich darum, den regionalen CO2-Fußabdruck zu reduzieren und erneuerbare Energien zu stärken. Um die gesetzten Ziele aber vollständig zu erreichen, spielen Kompensationsmaßnahmen für die Bindung von CO2 eine entscheidende Rolle. Derzeit werden i.d.R. Kompensationsprojekte in Südamerika oder Afrika in Form von Waldaufforstungen dafür herangezogen. Auch bei der Biodiversität werden beispielsweise Blühflächen von Kommunen und Unternehmen angelegt. Noch ist nicht bekannt, ob damit nachhaltig Verbesserungen erreicht werden. Doch was geschieht vor Ort? Oft fehlen praxisnahe, flächendeckende, regionale Umsetzungsmaßnahmen für die Erreichung der Zielsetzungen bei Klima und Biodiversität.

Das Projekt Klima-Landwirt zeigt eine solche Umsetzungsmaßnahme für Landwirte, Kommunen und Unternehmen auf. Dabei wird das Ziel verfolgt, Kommunen und Unternehmen, die sich auf den Weg zur Klimaneutralität begeben und gezielte Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität umsetzen, zu unterstützen. Gemeinsam mit dem Fachzentrum für Energie und Landtechnik Triesdorf werden Maßnahmen aufgezeigt, um zum einen den CO2-Fußabdruck regional zur reduzieren und zum anderen, um bestehende, digital erfasste Landschaftselemente mit konkreten Pflegemaßnahmen gezielt aufzuwerten. „Wir als Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen möchten eine Vorreiterrolle in diesem Bereich einnehmen und uns in den nächsten Jahren stärker dem Klimaschutz und der Klimaanpassung widmen. Ein erster Schritt dafür war u.a. die Gründung der Unternehmerinitiative Nachhaltigkeit und CO2 Neutralität für Altmühlfranken (UNNA)“, erklärte Landrat Manuel Westphal während der Veranstaltung.

Das Fachzentrum für Energie und Landtechnik Triesdorf unterstützt unter Berücksichtigung der genannten Ziele den Projektansatz im Landkreis WeißenburgGunzenhausen. Im Mittelpunkt stehen lokale Patenschaften mit Unternehmen und Kommunen, die mit Landwirten der Region umgesetzt werden. Die verwaltungstechnische Umsetzung und die Vermittlung der Patenschaften erfolgt durch die Firma Farm Facts. Dr. Wolfgang Angermaier von Farm Facts stellte das Konzept des Unternehmens vor und wie, Landwirte und Unternehmen zusammengebracht werden. Durch die Zusammenarbeit kann regional CO2 kompensiert werden. Das kommt dann letztlich wieder den Unternehmen zu Gute, die ihren CO2-Fußabdruck regional reduzieren können und so auch vor Ort sehen, wofür ihre Investitionen eingesetzt werden. Das bestätigte während der Auftaktveranstaltung auch Andreas Gebhardt, Geschäftsführender Direktor der Alfmeier Präzision SE aus Treuchtlingen und gibt dabei zu bedenken, dass ein Großteil der deutschen Unternehmen keine Kompensationszertifikate in Deutschland kaufen kann und diese für die deutsche Großindustrie im Rahmen des Zertifikatehandels vergeben werden. Die anderen Unternehmen können nur im Ausland kompensieren.

„Im ersten Schritt werden Maßnahmen konzipiert, um den CO2- Fußabdruck regional zu reduzieren. Im nächsten Schritt soll ein weiterer Teil des (restlichen) CO2-Ausstoßes über freiwillige Maßnahmen in Form von Kohlenstoffanreicherung auf landwirtschaftlichen Flächen kompensiert werden. Dabei wird größter Wert auf eine regionale Kompensation gelegt“, erklärte Norbert Bleisteiner, Leiter des Fachzentrums für Energie und Landtechnik in Triesdorf. Deshalb erfolgt die Kooperation gezielt mit Landwirten aus der Region, sowohl mit ökologisch wirtschaftenden Landwirten, als auch konventionell wirtschaftenden. Das Projekt ist transparent und nachvollziehbar für alle Beteiligten.

Den Humusaufbau verdeutlichte dann Prof. Dr. Bernhard Bauer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf anhand eines ausgebaggerten Bodenprofils auf einem Acker von Landwirt Martin Goppelt. Im Bereich der Biodiversität ist die Hauptzielsetzung, bestehende, digital erfasste, Landschaftselemente mit konkreten Pflegemaßnahmen gezielt aufzuwerten. Für Flora und Fauna sollen verbesserte Bedingungen geschaffen werden, um damit die Biodiversität zu steigern – ohne eine weitere Flächenkonkurrenz zu fördern. Während der Veranstaltung zeigte Markus Heinz, Abteilung Pflanzenbau und Versuchswesen in Triesdorf anhand einer bestehenden Hecke die Bedeutung solcher Strukturen für die Biodiversität auf.

In naher Zukunft wird das Fachzentrum für Energie und Landtechnik weitere Informationsangebote für interessierte Kommunen bereitstellen. Auch das UNNA-Netzwerk hat bereits Interesse an dem Projekt bekundet und wird die Umsetzung in der Region in Begleitung mit Landrat Manuel Westphal diskutieren.

Foto: Pixabay

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