Gunzenhausen (red). Antonio Vivaldi hat uns mit seinen „Vier Jahreszeiten“ ein musikalisches Meisterwerk mit Ohrwurmpotential hinterlassen, welches auch die meisten Nicht-Klassikfans wohl in Auszügen mitsummen können. Woran das liegt? In den Kompositionen des Ausnahmeviolisten treffen hohes Tempo auf unerwartete Rhythmenwechsel – ein prägendes und unverkennbares Stilmittel, das gefällt und neugierig auf Mehr macht. Ganz anders dagegen klingen „Die vier Jahreszeiten“ des argentinischen Komponisten Astor Piazzollas. Viel Tango steckt in seinen Stücken, gepaart mit feurigen Übergängen und fühlbarer Leidenschaft. Piazzolla wollte dem Leben und dem Puls seines geliebten Buenos Aires´ ein Denkmal setzen. Und so fühlt man sich als Zuhörer mittendrin, in dieser kontrastreichen Metropole mit ihren oft ruhigen Gassen, aber auch belebten Hauptstraßen. Und was kommt dabei raus, wenn man Vivaldi und Piazzolla vermischt und neu interpretiert, quasi aus den Vier Jahreszeiten Acht macht? Das Cudek Ensemble hat sich dieser Herausforderung gestellt und eine eindrucksvolle Zusammenführung der Werke auf die Bühne gebracht. Am Sonntag, den 22. August 2021, waren die Musiker um Ilona Cudek in der Gunzenhäuser Stadthalle zu Gast – und trafen auf ein begeistertes Publikum. Das kleinKUNSTbühne-Konzert war wetterbedingt kurzfristig vom Falkengarten dorthin verlegt worden.

Es gibt solche Menschen, die kommen in einen Raum und es ändert sich schlagartig die Atmosphäre darin. Illona Cudek ist solch ein Mensch. Auffällig geschminkt, buntes Kleid und selbstbewusster Blick – jede Bewegung signalisiert: „Da wo ich bin ist vorne!“. Dementsprechend beeindruckend ging die Ausnahmeviolistin und Frontfrau des Cudek Ensembles ans Werk. Scheinbar mühelos spielte sich die Violistin, die Mitglied der Münchner Philharmoniker und seit 1993 Stimmführerin der 2. Violinen ist, durch die anspruchsvollsten Tonfolgen und arbeitete den Gegensatz der italienischen und der argentinischen „Vier Jahreszeiten“ heraus. Die Zuhörerinnen und Zuhörer waren gebannt und ließen sich treiben, auf dieser musikalischen Reise über die Kontinente. So nickten immer wieder Köpfe und Füße im Takt, ein Lächeln huschte übers Gesicht, ja man verlor sich in der Rhythmen-Wucht und dem Wechsel der Gefühle.

Ergänzt wurde das anspruchsvolle Violinenspiel Illona Cudeks durch die Musiker Jost Hecker, Andreas Höricht, Artur Medvedev und Bernhard Seidel, die in der Lage waren mit Hilfe ihrer Streichinstrumente die vier bzw. acht Jahreszeiten in den buntesten Tonfarben zu malen. Ein Ohrengenuss und eine künstlerische Verneigung vor Vivaldi und Piazzolla.

Das nächste Konzert auf der Gunzenhäuser kleinKUNSTbühne findet übrigens bereits am nächsten Sonntag, den 29. August 2021, statt. Dann tritt Blech(g)lanz im Falkengarten auf, eine Mischung aus Blasmusik und Klassik. Nähere Informationen erhalten Sie von den Mitarbeiterinnen der Tourist Information Gunzenhausen unter Tel.: 09831 508 300.

Bildunterschrift: Das Cudek Ensemble war in der Gunzenhäuser Stadthalle zu Gast. Foto: Stadt Gunzenhausen

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