Altmühlfranken (red). Rechtsanwältin Susanne Gebhardt trat am 19. November die Nachfolge von Willi Renner als Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen an.

Gebhardt ist bereits lange Jahre Mitglied im Aufsichtsrat und übernahm im Juli 2019 die Rolle der stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden. Willi Renner, langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Raiba, schied Mitte Oktober bei der 28. ordentlichen Vertreterversammlung – nach knapp drei Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit im Aufsichtsrat – aus seinem Amt aus. Robert Auernhammer aus Ettenstatt, der ebenfalls als Stellvertreter berufen wurde, behält diese Funktion bei. Seit mehr 14 Jahren ist Auernhammer Mitglied im Aufsichtsrat. Beruflich ist er als Steuerberater in der eigenen Steuerkanzlei tätig.
Im Interview verrät Susanne Gebhardt, wie sie Mitglied des Aufsichtsrats wurde und welche Beweggründe hinter ihrem Engagement stecken. Außerdem wirft sie einen Blick in die Zukunft der Genossenschaftsbank.

Frau Gebhardt, Sie sind Mitte November zur Aufsichtsratsvorsitzenden der Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen berufen worden. Bevor wir darüber sprechen, wie es dazu gekommen ist, stellen Sie sich doch zunächst einmal vor.

Susanne Gebhardt: Gebürtig bin ich aus einem Vorort von Frankfurt, wohne aber bereits seit 18 Jahren in Weißenburg. Dort lebe ich mit meinen drei erwachsenen Kindern, meinem Partner und seinen beiden Kindern, in einer Patchworkfamilie. Wie mein Beruf als Rechtsanwältin vermuten lässt, studierte ich Jura. Darüber hinaus begeistere ich mich für Kunst und Kultur und studierte ein Jahr lang Kunstgeschichte, Literatur- und Theaterwissenschaften in Paris. Mein Jura Studium absolvierte ich in Passau, in Santiago de Compostela und in München. Nach meiner Studienzeit zog ich nach Treuchtlingen – das war 1992. Dort arbeitete ich etliche Jahre als freiberufliche Rechtsanwältin. Im Jahr 2018 gründete ich mit Herrn Dr. Staudinger eine Kanzlei – mittlerweile sind wir drei Anwälte und zwei Rechtsanwaltsfachangestellte. Mein Fachgebiet liegt im Bereich Arbeits- und Familienrecht.

Nun zu Ihrer Tätigkeit als Aufsichtsrätin: Seit wann sind Sie Mitglied im Aufsichtsrat und was waren Ihre Beweggründe für den Beitritt?

Susanne Gebhardt: Vor mehr als 20 Jahren (1997) sprach mich mein damaliger Kundenberater an und fragte, ob ich für die Vertreterversammlung kandidieren möchte. Da mich das Bankgeschäft aus beruflicher Sicht interessiert – einer meiner Studienschwerpunkte lag auf Steuer-, Handels- und Gesellschaftsrecht – und ich persönlich viel Freude daran habe Neues kennenzulernen, entschied ich mich für die Kandidatur. 2006 trat ich dann dem Aufsichtsrat bei und intensivierte mein Engagement.

Wie kamen Sie zu Ihrer Funktion als Vorsitzende? Was reizt Sie an dieser Position?

Susanne Gebhardt:  Turnusmäßige Ausscheidungen sind dem Aufsichtsrat längerfristig bekannt. Bevor der Wechsel des Vorsitzes ansteht empfiehlt sich eine Einarbeitungsphase, um die Übergabe reibungslos zu gestalten. Bevor ich den Vorsitz übernahm fungierte ich als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und besaß bereits einen Überblick über die Themen und Aufgaben des Vorsitzenden. Meine Kandidatur war daher eine logische Konsequenz. Es lag nahe, dass ich mich als Stellvertreterin in die Themen einarbeite als jemanden Neuen in dieses Amt zu berufen. Selbstverständlich wollte ich diese Rolle auch gerne übernehmen. Meine Loyalität zur Raiffeisenbank und mein Wunsch sie durch die kommenden Zeiten zu begleiten, bestärkten mich.

Ihr Vorgänger Herr Renner war mehrere Jahrzehnte im Aufsichtsrat tätig und hatte 11 Jahre davon den Vorsitz inne. Wie fühlt es sich an in solch große Fußstapfen zu treten?

Susanne Gebhardt: Ich kenne den Aufsichtsrat nicht ohne Willi Renner. Die Vorstellung ohne ihn im Rat zu sein erscheint mir fremd. Herr Renner ist eine sehr positive und ausgleichende Persönlichkeit und wird uns auf jeden Fall fehlen – ich hoffe, dass ich in dieser Hinsicht einiges von ihm lernen konnte. Benötige ich in Zukunft einmal Rat, darf ich mich gerne an ihn wenden. Über dieses großzügige Angebot freue ich mich.

Welche Ziele haben Sie sich als Aufsichtsratsvorsitzende gesetzt?

Susanne Gebhardt: Ich möchte neue Impulse setzen und das vertrauensvolle Miteinander innerhalb des Aufsichtsrats und mit dem Vorstand, in Zukunft aufrechterhalten. Zudem ist es mein Ziel, die konstruktive Zusammenarbeit mit den beiden Vorständen, Willfried Wiedemann und Gerhard Meyer, weiterhin zu ermöglichen und zu fördern, sodass wir auch in zehn Jahren eine leistungsstarke Bank mit regionaler Verwurzelung sind. Unser gemeinschaftlicher Wunsch, der des Aufsichtsrats und der gesamten Landkreisbank, ist es die Bedürfnisse unserer Kunden auch künftig zu kennen, zu verstehen und ihnen die passenden Produkte und Services anzubieten. Daran arbeiten wir mit Hingabe.

Worin liegen Ihre Aufgaben und welchen zeitlichen Aufwand bedeutet Ihre Position? Wie gelingt es Ihnen die ehrenamtliche Tätigkeit mit der Arbeit in der Kanzlei zu vereinen?

Susanne Gebhardt:  Neben administrativen Aufgaben, wie beispielswiese die Leitung der Aufsichtsratssitzungen, gehören freilich auch gesetzliche Pflichten dazu: Kontrollpflichten und Aufsichtspflichten – wie der Name bereits sagt. Außerdem habe ich gesellschaftliche Funktionen und repräsentiere den Aufsichtsrat. Den zeitlichen Aufwand einzuschätzen fällt mir momentan schwer, da ich noch nicht lange im Amt bin. Herrn Renners Erfahrung zeigte, dass ich mit 3-5 Stunden wöchentlich rechnen muss. Es ist wichtig, dass der Informationsfluss innerhalb des Aufsichtsrats gewährleistet ist und uns die Vorstände regelmäßig über aktuelle Themen informieren. Familie, Ehrenamt und Beruf lassen sich gut vereinbaren. Meine Kinder sind erwachsen und meine Selbstständigkeit lässt mir ebenfalls genügend Freiraum.

Die aktuelle Lage um COVID-19 sowie die Niedrigzinsphase, stellen uns alle vor Herausforderungen – auch die Landkreisbank. Worin liegt aus Ihrer Sicht die größte Schwierigkeit für die Bank?

Susanne Gebhardt:  Aus der Pandemie und der Niedrigzinsphase ergeben sich mehrere Herausforderungen. In meinen Augen gibt es eine übergeordnete Hürde, die wir meistern müssen, um langfristig erfolgreich zu bleiben. Es gilt die Vorteile unserer Regionalität – dass wir unsere Kunden kennen und wissen mit wem wir Geschäfte machen – hinüberretten in eine verstärkt digitale Bank. Dafür ist es essenziell unseren Kunden neue Technologien und effizientere Prozesse zur Verfügung zu stellen und diese zukunftsfähig aufzustellen – unabhängig davon, ob es sich um Firmen- oder Privatkunden handelt.
Hybridkunden, die zum Beratungsgespräch in die Bank gehen und ihre Geschäfte anschließend eigenständig online abwickeln, gewinnen an Bedeutung. Die Corona-Lage wirkt hier zusätzlich als Antriebskraft. Als Folge dieser Entwicklung arbeiten wir daran herauszufinden, welche Geschäftsfelder sich daraus für unsere Bank ergeben. Gleichzeitig versuchen wir den veränderten Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. Außerdem gilt es eine Lösung zu finden, um die hohen regulatorischen Anforderungen zu bewältigen.

Wie sieht der Austausch zwischen Aufsichtsrat und Vorstand aus? Spüren Sie eine Veränderung durch die Corona-Situation?

Susanne Gebhardt: Eigentlich nicht. Ich bin mit der Kommunikation überaus zufrieden. Bislang konnten wir uns weiterhin persönlich in der Raiffeisenbank mit den beiden Vorständen austauschen. Die Räumlichkeiten verfügen über ausreichend Platz. Natürlich haben wir uns auch auf striktere Beschränkungen vorbereitet und können auf digitale Gespräche ausweichen. Wir gewährleisten den Informationsfluss in jedem Fall.

Am Ende noch eine persönliche Frage: Neben Rechtsanwaltskanzlei und Aufsichtsrat bleibt vermutlich wenig Freizeit. Wenn Sie frei haben, wo finden wir Sie?

Susanne Gebhardt: Aufgrund der derzeitigen Lage verbringe ich meine freie Zeit oft mit meinem Hund im Wald oder mit meiner Familie in Haus und Garten. Ansonsten besuche ich gerne Theater und Kunstausstellungen. Darüber hinaus bin ich auf dem Tennisplatz – ich spiele Tennis und Badminton.

Das Interview wurde geführt von Isabel Reuther, Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen

 

Foto: Susanne Gebhardt ist neue Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen (im Bild: Susanne Gebhardt sowie von links nach rechts: Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Robert Auernhammer, Vorstandsvorsitzender Wilfried Wiedemann und Vorstand Gerhard Meyer)
Foto: Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen

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