Die Katastrophe im Kleinen bewältigt – Die Feuerwehr Streudorf und die BRK-Bereitschaft Gunzenhausen probten zusammen für den Ernstfall

Streudorf (red). Ein ungewöhnlich starkes und massives Unwetter zieht über Mitteleuropa. Die Kommunikation bricht zusammen, Infrastruktur ist massiv geschädigt. Die Krankenhäuser gehen in den Notbetrieb und versorgen nur noch schwer Verletzte oder Erkrankte. Der Katastrophenfall gilt in weiten Teilen von Deutschland. Es gibt hunderte Einsatzstellen im Landkreis, die Einsatzkräfte kommen nicht mehr hinterher und müssen Hilfeersuche priorisieren. Ein Szenario, was sich keiner ausmalen möchte, müssen die Einsatzkräfte aber auch mal geübt haben. Die Freiwillige Feuerwehr Streudorf und die BRK-Bereitschaft Gunzenhausen setzten sich am vergangenen Samstag mit einer genau solchen Situation auseinander.

Am Montag zuvor kam bei den Sanitäterinnen und Sanitätern der örtlichen Bereitschaft die erste Nachricht auf die Handys. Eine mit KI erstellte Nachrichtensendung kündigte ein großes Unwetter an und das BRK setzte bereits einen Krisenstab ein. Am Mittwoch dann eine neue Sendung mit dramatischen Auswirkungen vom Unwetter in Frankreich. Die Rotkreuzhelfer werden in den Voralarm gestellt. Am Freitagabend gegen 18.00 Uhr werden sie dann alarmiert und besetzen ihre Wache. Ihre Aufgabe: Einsatzbereitschaft herstellen und auf Anweisungen warten. Paul Pfeifer, der örtliche Bereitschaftsleiter, hat in einem solchen Fall die Aufgabe die Einsatzkräfte zu koordinieren und eventuell auch einen Schichtplan aufzustellen, falls der
Einsatz länger dauert. „In diesem Fall habe ich aber für einen gemütlichen Abend gesorgt, denn die Kameradschaft ist in einer solchen Einheit das Allerwichtigste!“, erklärt Pfeifer.

Am nächsten Morgen ging es bereits um 8.00 Uhr daran, die Fahrzeuge aufzurüsten und die Mannschaft zu verteilen. Der Startschuss kam dann kurz vor 9.00 Uhr, ein Fahrzeug sollte zum Feuerwehrhaus in Streudorf fahren und dort die Lage erkunden. Der örtliche Kommandant Christian Brunner hatte bereits seine Feuerwehr im Einsatz und übergab dem ersten Rettungswagen drei Verletzte, die sich bereits im Feuerwehrhaus eingefunden hatten. Genau in dem Moment gab es eine Meldung über ein Zeltlager, welches das Unwetter zerstört hatte.

Die Zufahrt war durch umgestürzte Bäume versperrt und die örtliche Feuerwehr musste erst mit der Kettensäge den Weg freiräumen. Am Ort des Geschehens gab es dann fünf Verletzte zu versorgen, einer davon war schwerverletzt. Gleichzeitig kam dann noch die Meldung über einen Leitersturz in Streudorf abzuarbeiten. Die Einsatzkräfte mussten die Lage erkunden und die Fahrzeuge sinnvoll verteilen, sodass alle Patienten adäquat versorgt werden konnten. Die Helfer der Feuerwehr leisteten dabei wertvolle Arbeit und leisteten Erste Hilfe, bis die Sanitäter da waren. Aber wohin mit den Verletzten, wenn doch die Kliniken im Notbetrieb laufen? Abhilfe schaffte eine schnell errichtete Sanitätsstation am Feuerwehrhaus in Streudorf. Unter der Führung vom Gruppenführer Moritz Mai bereiteten sich die „Sanis“ auf bis zu 15 Patienten vor.

Und so ging es dann Schlag auf Schlag, kaum waren Patienten transportiert, kam auch schon die nächste Meldung ein. Eine Person von einem umgestürzten Baum eingeklemmt, eine Jugendgruppe, die sich am Altmühlsee im Sturm verlaufen hatte, ein Brandeinsatz, ein Verkehrsunfall, ein häuslicher Unfall mit einem Küchenmesser. So mussten dann von der Feuerwehr und vom Roten Kreuz insgesamt 8 verschiedene Szenarien mit 27 Patienten versorgt werden, 11 davon mussten in der Sanitätsstation stationär aufgenommen werden.

Eingesetzt waren der Rettungswagen, der Krankenwagen und der „Viertrager“ – ein Katastrophenschutzfahrzeug – der Bereitschaft, das Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr und ein Mannschaftstransportwagen mit Anhänger für die Sanitätsstation. Die Sanitäter waren mit 12 und die Feuerwehr mit 10 Einsatzkräften zeitgleich im Einsatz. Übungsende riefen die drei Übungsorganisatoren – Florian Schuster, Christian Brunner und Paul Pfeifer – erst gegen 16 Uhr aus. Beim anschließenden Abendessen konnte das Erlebte in Ruhe nachbesprochen werden. Alle eingesetzten Kräfte konnten Fehler analysieren und viel positives aus der großen Tagesübung mitnehmen.

Das Feedback für die Führungskräfte war durchweg positiv, alle Kameradinnen und Kameraden lobten den gesamten Samstag als lehrreich und sehr interessant. Florian Schuster, der stellvertretende Bereitschaftsleiter, stellte fest: „Alle Einsatzkräfte waren mit großer Begeisterung dabei und arbeiteten die Szenarien professionell ab. Genau so sollte es sein!“. „Für ehrenamtliche Kameradinnen und Kameraden sind solche Übungen genau das Richtige.“, sagte Christian Brunner aus Sicht der Feuerwehr. „Wer professionell seinen Mitmenschen helfen möchte, muss realistisch üben können, sonst kann man sich nicht ständig verbessern.“, so Bruner weiter. Paul Pfeifer erklärte in der Nachbesprechung, dass die Idee der Übung aus einem realen Szenario aus der Flutkatastrophe des Ahrtals stammt. „Über einem Ort, welcher zu 90 Prozent zerstört war, richtete der örtliche DRK-Verein eine Patientenablage ein und bekam über Stunden keine Hilfe von außen, weil keine Kommunikation mehr möglich war. Deshalb ist es wichtig, dass die örtlichen Einsatzkräfte mit
ihrem vorhandenen Material üben und wissen was sie selbst können.“, so der erfahrene Notfallsanitäter und langjährige Bereitschaftsleiter von Gunzenhausen.

Der örtliche Kreisbrandmeister Joachim Seltmann und der Kreisbereitschaftsleiter Christian Uhl machen sich im laufe des Samstages selbst ein Bild von der Lage und ließen sich von den Organisatoren die Übung erklären. Beide zeigten sich begeistert für die Idee einer solchen Übung, die ihrer Meinung nach sehr gut organisiert war.

Bildunterschrift: Die Feuerwehr Streudorf zusammen mit der BRK-Bereitschaft Gunzenhausen und allen beteiligten Übungsorganisatoren und Mimen. Foto:  Florian Schuster

Die drei Übungsorganisatoren (v. l. n. r.): Florian Schuster,
Christian Brunner und Paul Pfeifer. Foto: Florian Schuster

Ein Blick in die Fahrzeughalle der Feuerwehr Streudorf. Hier ist eine kleine Krankenstation entstanden
und Patienten können trocken und abgeschirmt behandelt werden. Foto: Florian Schuster

Viele Patienten auf einmal – Da muss genau priorisiert werden,
was man zuerst macht! Foto: Florian Schuster

 

Die Kommunikation zwischen den Führungskräften ist für die gemeinsame
Zusammenarbeit besonders wichtig. Hier der ersteintreffende Rettungswagen
mit dem Gruppenführer der Feuerwehr im Gespräch über das weitere
Vorgehen. Foto: Florian Schuster

Vier verletzte und nicht genügend Sanitäter.
Genau so kann es jederzeit passieren.
So auch am Übungstag mehrere mal.
Foto: Florian Schuster

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