Die Vogelinsel im Altmühlsee: Ein El Dorado der Vogelbeobachtung?

Muhr am See (red). „Leben, wo andere Urlaub machen“, am Altmühlsee wird der Wahlspruch des Landkreises vor allem im Bereich der Naturerholung und der Suche nach Naturerlebnissen offenkundig. Der vergangene Mai markiert nicht nur den Beginn der Tourismussaison am Altmühlsee, sondern lockte dabei neben einer großen Anzahl an Besucherinnen und Besuchern auch eine Vielzahl verschiedener und vor allem seltener Vögel an den Altmühlsee und vor die Linsen vogelbegeisterter Naturbeobachter und Naturbeobachterinnen. Der Erstnachweis einer Nordamerikanischen Präriemöwe für Bayern stellte dabei sicher für viele das Highlight des frühjährlichen Vogelzuges dar. Sebastian Amler, Experte für Vogelartenkenntnis des bayerischen Naturschutzverbandes LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und Vorsitzender der Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen zieht ein begeistertes Resümee: „Was wir hier mit der Vogelinsel für ein Juwel im Landkreis haben, sucht bayernweit seinesgleichen. Die Beobachtungen, die wir als LBV den naturbegeisterten Gästen am Altmühlsee ermöglichen wollen und können sind einzigartig. Juwelen muss man aber auch pflegen. Wir wollen das Gebiet daher zukünftig noch mehr fördern, um so noch mehr Menschen einzigartige Erlebnisse mit unserer Vogelwelt bescheren zu können!“

Die Vogelinsel im Altmühlsee ist nicht nur Touristenhotspot, sondern auch Naturschutzgebiet, Vogelschutzgebiet und FFH-Gebiet. Sie weist also ziemlich alle Schutzkategorien auf, die ein Gebiet nur haben kann. Es wird deutlich: Wir haben ein echtes Juwel im Landkreis. Dies unterstreicht auch der LBV-Kreisvorsitzende Sebastian Amler: „Die Vogelinsel bei uns im Altmühlsee ist eine wahre Perle. Sie ist das beste Vogelbeobachtungsgebiet in Bayern! Deshalb begleiten wir als LBV das Gebiet auch schon seit seinen Anfängen.“ Neben dem vergangenen LBV-Vogelinselfest Ende Mai, dem LBV-Vogelbeobachtungstag im Oktober und den regelmäßigen Führungen der LBV-Umweltstation am Altmühlsee, fand im Frühjahr auch bereits ein erster Pflegeeinsatz in Absprache mit der höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Mittelfranken, der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes und dem Wasserwirtschaftsamt als Flächeninhaber statt, um die Wertigkeit des Gebietes wieder zu erhöhen.

Besonders die große Vielfalt an durchziehenden und rastenden Vogelarten verleihen dem Schutzgebiet große Bedeutung. Das vermutliche Jahres-Highlight für viele Vogelbeobachterinnen und Beobachter aus ganz Deutschland zeigte sich dabei bereits ab dem 18. April: eine Präriemöwe, die sich aus Nordamerika ins Fränkische Seenland verirrt hatte. Diese Art wurde zuvor noch nie in
Bayern nachgewiesen. Auch in Deutschland wurde die Art bislang nur wenige Male dokumentiert. „Nachdem die Präriemöwe von einem ehemaligen LBV-Zivildienstleistenden entdeckt wurde, bin
ich schnellstmöglich an den See gefahren, um sie auch selbst beobachten zu können. Am See angekommen traf ich glücklicherweise auf einen anderen Vogelbeobachter, der die Möwe vor wenigen Minuten noch gesehen hatte, zudem erwarteten mich aber auch mehrere hundert Lachmöwen und Beobachtungsbedingungen, die von vorneherein klar machten: Das wird nicht einfach.
Ich baute mein Spektiv, eine Art Fernrohr zur Naturbeobachtung, auf und suchte die Seefläche erstmal mit meinem Fernglas ab. Manchmal wartet man auf so einen Vogel auch mal mehrere
Stunden. Einige Beobachter, die z.T. extra für die Möwe aus anderen Bundesländern aber auch angrenzen Nachbarländern, wie z.B. Österreich angereist waren, suchten sogar mehrere Tage. Wir
hatten jedoch Glück und konnten Sie bereits nach wenigen Minuten beobachten: Als wir die Möwe dann gemeinsam gefunden haben und zudem noch ein Trupp von Regenbrachvögeln über uns
flog und die erste Beutelmeise nur wenige Meter entfernt aus einem Busch rief war die Freude dann riesig!“, berichtet Sebastian Amler von seiner persönlichen Erfahrung.

Ende Mai zeigte sich auch noch die außergewöhnliche Dünnschnabelmöwe, eine Art aus dem Mittelmeerraum. Vor allem Wasser- und Watvögel finden sich jedes Jahr aufs Neue am Altmühlsee ein. Einige sind dabei eher unscheinbar und klein, wie etwa der Temminkstrandläufer, andere groß und auffällig wie der Seeadler oder der Fischadler. Einige kommen allein nach einer tausende kilometerlangen Zugstrecke wie etwa die Pfuhlschnepfe. Sie ist Rekordhalterin im Vogelreich für die längste geflogene nonstop Strecke von Alaska nach Neuseeland. Andere kommen im Trupp, wie z.B. 55 Trauerseeschwalben am 22. Mai unter die sich auch immer wieder Weißbart- und Weißflügelseeschwalben mischen können. Auch Flussseeschwalben und sogar eine
Lachseeschwalbe zeigten sich bereits in diesem Jahr. Viele Artenmachen auf der Vogelinsel nur kurz Halt, um Energie zu tanken, oder verfliegen sich, wie beispielsweise ein Sichler, Säbelschnäbler oder ein Austernfischer Ende Mai. Andere brüten mittlerweile sogar am Altmühlsee, wie beispielsweise die nach wie vor seltenen Nachtreiher oder der Seidenreiher. Diese Art hat im vergangenen Jahr erst zum dritten Mal überhaupt in Deutschland gebrütet, und das am Altmühlsee. Eine ganz besondere Reiherart, der Kuhreiher, könnte sich im Zuge der Klimakrise und der damit einhergehenden Verschiebung vieler Arten Richtung Norden sogar langfristig bei uns ansiedeln.

All diese Wasser und Watvögel haben etwas gemein: Sie brauchen offene und vegetationsfreie Wasser- und Uferflächen. Einzelne Sträucher und Bäume z.B. als Ansitzwarten für den Fischadler
oder Brutplätze für den Nachtreiher werden noch gut toleriert. Verbuschen Gebiete aber zu sehr, verlieren sie ihre Bedeutung für viele der seltenen und bedrohten Wasser- und Watvögel. Fehlen
diese Flächen, fehlen also auch die Arten. Das „Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Flachwasser- und Inselzone im Altmühlsee“, wie die Vogelinsel offiziell heißt, braucht als einst künstlich angelegtes Gebiet Pflege. Andernfalls verliert sie ihre herausragende Bedeutung. Würde man die Vogelinsel sich selbst überlassen, würde das Gebiet nach und nach immer mehr verlanden und zuwachsen. So würden zwar neue Lebensräume für beispielsweise Arten aus Auwäldern entstehen, die wichtigen und wertgebenden Arten würden dann aber fernbleiben. In einzelnen Bereichen des Naturschutzgebietes zeichnet sich eben dieses Bild schon ab. Deshalb hat der LBV, in Absprache mit den zuständigen Behörden, als Ergänzung zu den allgemeinen Maßnahmen, im Frühjahr eine Schilfmahd durchgeführt, um so einzelne Flächen im Bereich der Inselzone wieder auszulichten. Auch eine Rinder- und Ziegenbeweidung begeistert nicht nur die Besucher der Insel, sondern dient l als Pflegemaßnahme. Im Herbst dieses Jahres soll zudem ein weiterer Pflegeeinsatz folgen.

All die herausragenden Sichtungen sind jedoch nur möglich, weil immer wieder vogelbegeisterte Menschen zum Altmühlsee kommen und die dortige Artenvielfalt dokumentieren. Wie verschiedene wissenschaftliche Studien belegen, macht die Vogelbeobachtung dabei auch glücklich: Deshalb bietet der LBV regelmäßig Führungen an und begeistert dabei Jung und Alt
für unsere heimische Natur.

Informationen zu Veranstaltungen gibt es auf der Homepage der LBV-Umweltstation Altmühlsee unter altmuehlsee.lbv.de und der Homepage der LBV-Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen unter weissenburg-gunzenhausen.lbv.de.

Über den Naturschutzverband LBV
Der bayerische Naturschutzverband LBV – Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. – setzt sich durch fachlich fundierte Natur- und Artenschutzprojekte sowie Umweltbildungsmaßnahmen für den Erhalt einer vielfältigen Natur und Vogelwelt in Bayern ein. 1909 gegründet ist der LBV der älteste Naturschutzverband im Freistaat und zählt aktuell über 115.000 Unterstützer*innen.

Der LBV ist seit Anbeginn des Altmühlsees als Naturschutzverband vor Ort aktiv. Zuerst nur mit einem Zivildienstleistenden und einer kleinen Hütte am See präsent steigerte sich die Präsenz des LBV über die Eröffnung eines Informationszentrums, mit der Ausstellung „Lebensraum Altmühlsee – Faszination Vogelzug“ in der Gemeinde Muhr a. See im Jahr 2003, hin zur Ausweisung dieses Zentrums zur Umweltstation im Jahr 2005, wie sie auch heute noch vorzufinden ist. Der Altmühlsee mit seinem Naturschutzgebiet Vogelinsel selbst, ist eines der bedeutendsten Rastgebiete für Zugvögel und eines der besten Vogelbeobachtungsgebiete Deutschlands. Die Vogelinsel ist dabei ganzjährig und zu jeder Tages- und Nachtzeit auf dem etwa 1,5km langen Rundweg begehbar und bietet so Naturerfahrungen für jedermann. Die staatlich anerkannte LBV-Umweltstation Altmühlsee bietet eine Vielzahl verschiedener Umweltbildungsprogramme an und begeistert durch diese jedes Jahr mehrere Tausend Besucherinnen und Besucher.

Mehr Infos über den LBV vor Ort unter: www.weissenburg-gunzenhausen.lbv.de und altmuehlsee.lbv.de.

Bildunterschrift: Der braune Sichler. Foto: Gunther Zieger/ LBV

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