Digitaler Energienutzungsplan für Altmühlfranken entsteht

Altmühlfranken (red). Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen erstellt mit Unterstützung regionaler Energieversorgungsunternehmen einen landkreisweiten digitalen Energienutzungsplan und nimmt dabei eine Vorreiterrolle in Bayern ein. Landrat Manuel Westphal konnte nun einen Förderbescheid des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie für die Erstellung dieses Plans entgegennehmen.

Ein Energienutzungsplan ist ein strategisches Planungsinstrument, welches seit einigen Jahren Gemeinden, Städten und Landkreisen einen Überblick über die momentane wie auch zukünftige Energiebedarfs- und Energieversorgungssituation gibt. Dafür wird eine Bestandsanalyse der bereits vorhandenen Energieinfrastrukturen und erneuerbaren Energieanlagen im Landkreis durchgeführt sowie die CO2-Bilanz fortgeschrieben. Des Weiteren werden die Potenziale der Energieeinsparung im Gebäudesektor mittels Sanierungs-Szenarien ermittelt. Den Hauptbestandteil des Energienutzungsplans bildet die Potenzialermittlung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien, wie Solar-, Wind-, Wasser- und Bioenergie oder auch Geothermie.

Mit dem digitalen Energienutzungsplan für den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen soll eine Grundlage für eine abgestimmte, koordinierte Umsetzung hin zu einer überlegten und nachhaltigen Energieerzeugungs- und Energieversorgungsstruktur geschaffen werden. Der Plan dient zukünftig als übergeordnetes Handwerkszeug bei der Energiewende in den Kommunen. „Mit dem landkreisweiten digitalen Energienutzungsplan bekommen alle Städte und Gemeinden im Landkreis eine Unterstützung bei der Ausweisung von Flächen für erneuerbare Energien sowie bei kommunalen Maßnahmen im Bereich Klimaschutz und Energieeinsparung“, betont Landrat Manuel Westphal die Vorteile für den gesamten Landkreis.

Der Freistaat Bayern fördert die Erstellung von Energienutzungsplänen mit einem Zuschuss von 70 Prozent der Gesamtkosten. Nach öffentlicher Ausschreibung und Zusage der Förderung konnte der Auftrag für die Planerstellung an das Institut für Energietechnik (IfE) GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden vergeben werden.

Energienutzungsplan mit Modellcharakter

Als Nadelöhr bei der Umsetzung kommunaler Energienutzungspläne erweist sich teilweise die begrenzte Aufnahmekapazität der regionalen Stromnetze für Energieerzeugungspotentiale im Bereich der Wind- und Solarenergie. Dies war für den Landkreis Anlass, im Vorfeld der Ausschreibung und Vergabe des Energienutzungsplans, den Untersuchungsrahmen dieser Planung um zwei weitere Themenfelder zu erweitern, um hier unter Berücksichtigung der Aufnahmefähigkeit der Stromnetze und der regionalen Potenziale zur Wasserstofferzeugung ein realistisches Ausbauszenario für die Region entwickeln zu können. Mit fachlicher Beratung und Unterstützung der N-ERGIE als Netzbetreiber wurde hier insbesondere der Untersuchungsrahmen für die Ermittlung der Aufnahmefähigkeit der Stromnetze sowie bestehender Optionen zur Systemflexibilisierung abgesteckt. Auf Basis dieser Vorarbeit wurde dann im vergangenen Jahr von der Klimaschutzmanagerin der Zukunftsinitiative altmühlfranken eine erweiterte Leistungsbeschreibung für die Ausschreibung und Vergabe des landkreisweiten digitalen Energienutzungsplans erstellt und mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium abgestimmt.

Ausschlaggebend für die Erweiterung des Untersuchungsrahmens des Energienutzungsplans war die Erkenntnis, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien besser koordiniert werden muss und auch die Aufnahmekapazität des Stromverteilnetzes sowie die Ausbauplanungen hierfür zukünftig wesentlich besser auf einander abgestimmt werden müssen.  Auf Grund des dynamischen Ausbaus vor allem der großen Photovoltaikanlagen droht eine zunehmende Überlastung der bestehenden Stromverteilnetze vor allem in den Sommermonaten und hier zur Mittagszeit, mit der Folge, dass größere Photovoltaikanlagen abgeregelt und kurzfristig vom Netz genommen werden müssen. Dies ist weder wirtschaftlich noch energiepolitisch sinnvoll.  Umso mehr Anlagen abgeregelt werden, desto mehr Entschädigungszahlungen fallen für Stromnetzbetreiber an. Das wiederum macht den Strompreis für den Endverbraucher unnötig teurer. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss vorangetrieben werden, allerdings so, dass die Anlagen den erzeugten Strom auch wirklich einspeisen können. Ein unkontrollierter Wildwuchs an Anlagen bringt uns in Hinblick auf die Energiewende nicht weiter! Der Ausbau muss abgestimmt und koordiniert stattfinden. Daher muss die Stromnetzkapazität, der geplante Netzausbau sowie die Speicherung von Stromüberschüssen im Energienutzungsplan zwingend gemeinsam mitgedacht werden“, bringt Landrat Westphal die Bedeutung des ganzheitlichen Ansatzes auf den Punkt.

Ziel des Energienutzungsplans ist, durch eine koordinierte Ausbauplanung den Zubau in Einklang mit dem Netzausbau zu bringen und unnötigen Flächen- und Ressourcenverbrauch zu vermeiden. Durch die detaillierte Betrachtung der Stromnetzkapazitäten können Aussagen über die tatsächliche Aufnahmefähigkeit der Netze getroffen werden. Diese geben Aufschluss darüber, welcher Erzeugungstechnologiemix – beispielsweise aus Windkraft, Photovoltaik, usw. (Sektorenkopplung) – an welchem Standort sinnvoll ist und wo die Stromnetze durch Speichertechnologien entlastet werden können. Zusätzlich werden erstmalig im Energienutzungsplan des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen die Netzausbaupläne der Netzbetreiber im Energienutzungsplan berücksichtigt, wodurch sich zukünftige Netzeinspeisemöglichkeiten und höhere Netzaufnahmekapazitäten ergeben. Eine Meilensteinplanung für die Jahre 2030, 2040 und 2045 wird somit in die Potenzialanalyse zur Energieerzeugung miteinfließen.

Eine weitere Besonderheit des Energienutzungsplans stellt die Potenzialanalyse zur Wasserstofferzeugung und der regionalen Nutzung dar. Die Berücksichtigung der Wasserstofferzeugung ist ein Schlüsselelement, um aktuell bestehende Probleme der Energiewende zu überwinden. Die Netzeinspeiseproblematik oder das zeitliche Auseinanderlaufen von Stromerzeugung und Stromnachfrage kann kompensiert werden, indem Stromüberschuss gespeichert beziehungsweise zur Wasserstofferzeugung genutzt werden kann.

Durch die Berücksichtigung der Netzausbaupläne, der Netzaufnahmekapazität und der Potenzialanalyse zur Wasserstofferzeugung nimmt der Energienutzungsplan des Landkreises eine Vorreiterposition ein! Es werden die ermittelten Erzeugungspotenziale in Hinblick auf die Einspeisemöglichkeit bewertet und somit nur die auch absehbar realisierbaren Potenziale ermittelt. Außerdem können durch die Integration von Speichertechnologien die Stromnetze entlastet und das zeitliche Auseinanderlaufen von Stromerzeugung und –nachfrage ausgeglichen werden.

Für Landkreisbürgerinnen und -bürger wird das digitale Solarpotenzialkataster interessant, welches im Rahmen des Energienutzungsplans erstellt wird. Sämtliche Dachflächen im Landkreis werden auf Eignung für eine Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen hin bewertet.

Kooperation mit regionalen Energieversorgungsunternehmen und Akteuren

Im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit dem Landkreis haben sich die fünf Stadt- und Gemeindewerke des Landkreises sowie die N-ERGIE dazu bereiterklärt, die Erstellung des Energienutzungsplans durch die Bereitstellung der erforderlichen Energie- und Netzdaten zu unterstützen. Weitere regionale Akteure sowie die Gemeinden des Landkreises werden in den Erstellungsprozess miteingebunden. So kann ein umsetzungs- und praxisorientierter Energienutzungsplan am Ende in den Händen gehalten werden. Die Bearbeitungsdauer bis zur Fertigstellung des Energienutzungsplans beträgt circa ein Jahr.

„Ich freue mich, dass wir es gemeinsam mit den regionalen Kooperationspartnern sowie mit Unterstützung des Freistaates Bayern geschafft haben, mit der Erstellung dieses innovativen und umfangreichen Energienutzungsplans eine Vorreiterrolle in Bayern einzunehmen,“ so Landrat Westphal.

Foto: Pixabay

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