Jahresrückblick 2021: Erholung am Arbeitsmarkt mit leichten Rückschlägen

(red). Im Jahresrückblick 2021 bewertet Claudia Wolfinger, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg, die Entwicklung des Arbeitsmarktes trotz der anhaltenden Unsicherheiten durch die weiter fortschreitende Pandemie positiv. Zu Beginn des Berichtsjahres stieg die Anzahl der Arbeitslosen deutlich an, sank aber im Jahresdurchschnitt wieder um 544 auf 7.312 Arbeitslose. Dementsprechend ist auch die Arbeitslosenquote von 3,0 auf 2,8 Prozent gesunken.

Langzeitarbeitslose, ältere und schwerbehinderte Menschen konnten vom Rückgang der Arbeitslosigkeit allerdings noch nicht profitieren. Dies zeigte sich am Anstieg des Jahresdurchschnitts an Langzeitarbeitslosen um 499 auf 1.957. Die Anzahl älterer arbeitsloser Menschen (55 Jahre und älter) verzeichnete einen Zuwachs von 187 auf 2.439. Auch die Zahl an schwerbehinderten Arbeitslosen nahm um 56 auf 873 Personen zu.

Durchschnittliche Arbeitslosenzahl 2021: 7.312
Durchschnittliche Arbeitslosenzahl im Vorjahr: 7.856
Durchschnittliche Arbeitslosenquote 2021: 2,8 %
Durchschnittliche Arbeitslosenquote im Vorjahr: 3,0 %

„Arbeitslose, die körperlich leistungsfähig, flexibel und mobil sind, können oft sehr schnell wieder in Arbeit vermittelt werden, sodass der Übergang in die Langzeitarbeitslosigkeit verhindert werden kann“, so Wolfinger. Dennoch gilt es auch bei Langzeitarbeitslosen, die Gründe für die Dauer der Arbeitslosigkeit herauszufinden und falls möglich zu minimieren. Dabei fördert die Agentur für Arbeit Arbeitnehmer und Arbeitgeber insbesondere durch berufliche Weiterbildung sowie mithilfe des sogenannten Eingliederungszuschusses.

Im Berichtsjahr stieg die Anzahl an Personen, die an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen haben, um 115 bzw. 11,6 Prozent auf 1.102. Dies zeigt den großen Fokus der auf Weiterbildung von Un- oder Angelernten, aber auch Beschäftigten, lag. Denn mit der Förderung einer Weiterbildung steigen nicht nur die Chancen für Arbeitnehmer, einen langfristig passenden Arbeitsplatz zu finden, sondern es wird auch dem anhaltenden Mangel an Fachkräften entgegengewirkt.

Durch den Eingliederungszuschuss soll der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt für Arbeitnehmer erleichtert und zum Beispiel eine längere Einarbeitungszeit für den Arbeitgeber finanziell ausgeglichen werden. Im Jahr 2021 erhielten deshalb 382 Arbeitgeber bzw. Arbeitnehmer diese finanzielle Unterstützung. Das entspricht einem Anstieg von 22 bzw. 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung so hoch wie nie

Die aktuelle Beschäftigtenstatistik vom 30. Juni 2021 zeigt, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach dem coronabedingten Rückgang im Jahr 2020 das Vorkrisen-Niveau übersteigt. Die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt mit 164.659 bei einem neuen Allzeithoch. Dabei gab es vor allem einen Zuwachs an Beschäftigten in der Arbeitnehmerüberlassung (+557), im öffentlichen Dienst (+445) sowie im Handel (+431). Allerdings waren es abweichend vom positiven Trend in der Metall- und Elektroindustrie (-708) sowie im Gastgewerbe (-101) weniger Beschäftigte. Dies lässt sich mit Betriebsschließungen in den betroffenen Branchen (z.B. Pressmetall Gunzenhausen) bzw. den bekannten Einschränkungen in der Gastronomie erklären. „Die Entwicklung der Beschäftigungszahlen zeigt nochmals, dass sich der Arbeitsmarkt trotz der Herausforderungen Schritt für Schritt erholen konnte“, so Wolfinger.

Weitere Anzeigen für Kurzarbeit – aber Rückgang im Vorjahresvergleich

Auch die positive Entwicklung der Krisen-Situation vor allem im Frühjahr 2021 trug zur weiteren Stabilisierung des Arbeitsmarktes bei. „Um diesen Verlauf zu unterstützen und Entlassungen zu verhindern, zahlte die Agentur für Arbeit, wie schon im ersten Jahr der Pandemie, den Arbeitgebern Kurzarbeitergeld – wenngleich deutlich weniger Betriebe Kurzarbeit angemeldet hatten“, so die Agenturchefin. Der Höchststand der Kurzarbeitergeld-Anzeigen wurde dabei Anfang des Jahres im Januar und Februar mit 471 bzw. 318 Anzeigen für 4.305 bzw. 2.301 Arbeitnehmer erreicht. Zum Jahresende im November waren die Anzeigen rückläufig. Hier lag die Anzahl nur noch bei 72 für 1.256 Arbeitnehmer. Besonders deutlich wird der Rückgang aber im Vergleich zum Jahr 2020: Der höchste Wert an Anzeigen war im April bei 3.433 für 53.122 Arbeitnehmer. Die Gründe für Kurzarbeit sind mittlerweile nicht mehr ausschließlich unmittelbar coronabedingt, sondern deutlich vielfältiger. Allem voran sehr präsent war im Jahr 2021 der Rohstoffmangel in vielen Bereichen. Die dadurch verursachten Lieferengpässe haben vor allem Arbeitgeber in Industrie und Handwerk zu Kurzarbeit gezwungen. Aber auch Betriebe, die eine besonders hohe Kundendichte verzeichnen – wie Gastronomie, Einzelhandel und Friseurbetriebe – waren durch die erneute Verschärfung der Corona-Maßnahmen auf Unterstützung durch Kurzarbeitergeld angewiesen.

Weniger Insolvenzen als erwartet

Obwohl der Arbeitsmarkt im Gesamten den weiteren Verlauf der Krise und auch die vierte Welle gut überstanden hat, kam es im Zuge des Lockdowns zu ca. 32 Hinweisen auf Insolvenzen. Dazu gehören bspw. Warenhausketten wie Hussel Confiserie und Schuhhaus Dielmann, die im Brückencenter Ansbach vertreten sind. Zu ca. 90 Entlassungen kam es aufgrund der Betriebsschließung der real,- Filiale ebenfalls im Brückencenter. Allerdings rechnete man durch die Einschränkungen des Lockdowns mit mehr Insolvenz-Anmeldungen als es letztendlich tatsächlich der Fall war. Weitere Insolvenz-Anmeldungen ohne bisherige Entlassungen gab es bei dem Pflegedienstleister Hoffnung durch Pflege (Pflege von Intensivpatienten) aus Ansbach sowie bei der Firma Lechner aus Rothenburg.

3.447 Stellenangebote mehr

Im Jahr 2021 meldeten die Arbeitgeber dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern insgesamt 14.444 freie Stellen. Das sind 3.447 oder 31,3 Prozent mehr als im Vorjahr. 21 Prozent aller Angebote kamen von Zeitarbeitsfirmen. Es folgte das verarbeitende Gewerbe (mehr als 18 Prozent aller Stellenzugänge), das Gesundheits- und Sozialwesen (knapp 13 Prozent), der Handel (knapp zwölf Prozent) und das Baugewerbe (knapp sieben Prozent). Im Jahresdurchschnitt standen im Berichtsjahr 5.418 freie Stellen zur Verfügung; 2020 waren durchschnittlich 4.510 im Bestand. Damit liegt die Zahl der offenen Arbeitsstellen im Jahr 2021 bei einem Höchstwert der letzten zehn Jahre. Das ist umso erfreulicher, als 2021 auch bei den Beschäftigtenzahlen ein Rekordergebnis erzielt wurde und voraussichtlich auch künftig mit einer Zunahme der Beschäftigung zu rechnen ist. Allerdings spielt das Anforderungsniveau bei der Besetzung der Stellen eine große Rolle, denn nicht jeder Bewerber ist für jede Stelle geeignet. Vor allem die Nachfrage nach passenden Fachkräften ist wie auch im Vorjahr unverändert
hoch. Auch im Jahr 2021 wurde bei fast drei Viertel aller Stellenangebote eine abgeschlossene Berufs- oder akademische Ausbildung vorausgesetzt.

Foto: Pixabay

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