Gräfenthal (red). Der Heimat- und Geschichtsverein Pappenheim und Ortsteile e.V. war kürzlich mit einer Reisegruppe im thüringischen Gräfenthal, um dort auf Schloss Wespenstein zusammen mit den „Pappenheimern“ aus Gräfenthal und Gästen aus Lützen die Ausstellung Shalom in Gräfenthal zu eröffnen.

Lesen Sie dazu einen Artikel von Manfred Walter aus Pappenheim

„Die jüdische Geschichte gehört zu Pappenheim und zu Gräfenthal“, erklärte Dritte Bürgermeisterin Christa Seuberth anlässlich der Präsentation von „Shalom in Gräfenthal und Pappenheim“ auf Schloss Wespenstein. Die Ausstellung, die vom Pappenheimer Heimat- und Geschichtsverein initiiert wurde, ist in den nächsten Wochen in Gräfenthal zu sehen. Unter Leitung von Renate Prusakow waren 15 Vertreter des Heimat- und Geschichtsvereins in die südthüringische Kleinstadt gereist, um an der Eröffnung teilzunehmen.

Prof. Erich Naab, ehemals am Lehrstuhl für Dogmatikgeschichte der Kath. Universität Eichstätt, erläuterte in seiner Einführung, wie das Gottesverständnis Kultur und Geschichte der Juden in Franken und Thüringen beeinflusste. Weil Gott und seine Gebote den zentralen Wert gläubiger Juden bildeten, entstehe Freiheit in weltlichen Dingen „Reichtum ist kein Gott, Fortschritt ist kein Gott, aber es ist auch nicht verkehrt, fleißig zu sein“.

Vom Wert christlich-jüdischen Dialogs sprach Dr. Friederike Spengler, evangelische Regionalbischöfin von Thüringen. Sie erinnerte daran, dass das Judentum „Stil und Glanz“ in deutsche Städte brachte: „900 Jahre jüdisches Leben können wir in Thüringen feiern.“ Im Gottesdienst der evangelischen Kirchengemeinde, an dem die Pappenheimer Delegation teilnahm, hatte Pfarrerin Christiane Wehr zuvor dazu aufgerufen, dem Beispiel Jesu zu folgen und Vergebung zu üben.

Den Grundstock der Ausstellung bilden Stücke des Pappenheimer Heimat- und Geschichtsvereins. Professor Naab sowie der Eichstätter Heimatforscher Rudolf Hager trugen weitere Exponate bei. Ihre Schriften und Schautafeln informieren die Besucher über Hintergründe und Zusammenhänge. Dabei lohnt der Blick ins Detail. Exponate wie der einzige in lateinischer Sprache verfasste Kommentar zu einer Haggadda Familienliturgie unterstreichen die historische Bedeutung. Der im 15. Jahrhundert vom Dominikanermönch Erhard von Pappenheim verfasste Text war erst 1999/2000 vom amerikanischen Forscher David Stern entdeckt worden.

Die wirtschaftliche Rolle des Judentums beleuchtete der Hausherr von Schloss Wespenstein, Prof. Wolfgang Wehr, der zugleich ehrenamtlicher Bürgermeister in Gräfenthal ist. Dass seine Stadt an einem wichtigen Handelsweg zwischen Nürnberg und Leipzig lag, habe sie für jüdische Geschäftsleute interessant gemacht. „Auch damals lag der Spitzensteuersatz bei über vierzig Prozent.“

Seit dem 12. Jahrhundert hatte Pappenheim, zu dem von 1499 bis 1612 auch die Linie Gräfenthal gehörte, die Aufgabe des Judenschutzes im Heiligen römischen Reich deutscher Nation. Die frisch renovierten Räumlichkeiten in Schloss Wespenstein bilden einen würdigen Rahmen, die vielen Dimensionen dieser wertvollen Geschichte darzustellen.

Foto: Manfred Walter

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