Kommunale Arbeitsgemeinschaft „Integrierte Ländliche Entwicklung Region Altmühltal“

Windsfeld (red). Das unverwechselbare Profil zahlreicher Dörfer mit ausgezeichneter Bau- und Gartenkultur zählt zu den interkommunalen Stärken im Bereich des Altmühltals zwischen Dittenheim und Solnhofen. Und diese Qualität wurde in den letzten Jahren – unterstützt durch Projekte der Ländlichen Entwicklung – mit dem Ansatz „Innen vor Außen“ aufgegriffen sowie sichtbar an nahezu allen Dörfern auch umgesetzt. Franziska Burlefinger – beauftragt mit der Fortschreibung eines Konzeptes für die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) will diese Aspekte als bedeutende Schwerpunkte für die neu zu erstellende Zukunftsplanung nutzen, um mit bestehenden Stärken der Region zu noch mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, aber auch die damit verbundene regionale Identität in das Bewusstsein zu heben.

In der Diskussion im Rahmen einer öffentlichen Arbeitskreissitzung in Windsfeld konnte festgestellt werden, dass es – trotz vieler vorhandener und guter Beispiele – immer noch Vorbehalte gegenüber einer Sanierung im Altbestand gibt und trotz aller guten Förderanreize und gelungener Beispiele immer noch Wünsche nach Neubauten außerhalb des Ortskerns gibt. Den Kommunen entstehen dadurch enorme Erschließungskosten und der damit verbundene Flächenbedarf geht dann weitgehend zu Lasten landwirtschaftlicher Böden. Böden, die über deren nachhaltige Landnutzung dann auch der Wasserrückhaltung und der Grundwasserneubildung entzogen werden. Schon heute sind in zahlreichen früher ausgewiesenen Neubaugebieten viel zu große Wohneinheiten für nurmehr wenige Bewohnerinnen und Bewohner zu beklagen, während andererseits bezahlbarer – auch deutlich kleinerer – Wohnraum für junge Paare oder die ältere Generation fehlt. Es ist daher ein Gebot der Stunde, im Interesse der langfristigen Sicherung des fränkischen Charakters der Dörfer, die vorhandenen Bauwünsche von außen nach innen zu lenken und dabei an die unverwechselbare baukulturelle Tradition mit modernen architektonischen Lösungen zu antworten. Das gelingt aber eben vorrangig mit einer geschickten Umnutzung vorhandener Bausubstanz im Ortskern, womit dann auch das einzigartige Individualprofil der jeweiligen Kommune bewahrt und für ein positives Image genutzt werden kann.
Mit Impulsberatungen, Vitalitätschecks sowie der öffentlichen Präsentation von „Best-Practice-Projekten“ aus der Region Altmühltal soll dieser Ansatz künftig verstärkt und „Außen vor Innen“ als Qualitäts-Leitbild für die Siedlungsentwicklung offensiv betont werden.

Es gibt in der ILE-Region Altmühltal, aber auch im gesamten Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bereits heute schon eine Vielzahl an sehr gut gelungenen Beispielen von nachhaltiger Dorfentwicklung, was sich alleine daran ablesen lassen kann, dass sich der Landkreis mit insgesamt 12 Auszeichnungen als „Golddörfer“ auf Bundes- und Landesebene Spitzenreiter in Bayern rühmen kann. Auch in der ILE-Region Altmühltal liegen viele dieser ausgezeichneten Dörfer, zuletzt das als Sieger im bayerischen Wettbewerb „Gütesiegel Heimatdorf“ und Bundessieger im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ geadelte Meinheim. Aber auch das Sitzungsort des Arbeitskrieses gewählte Windsfeld besticht ja durch seine einzigartige Dorfstruktur uns untermalt diese hohe Alleinstellung der Dörfer im Altmühltal.
Daher soll – nicht beschränkt auf die bereits ausgezeichneten Dörfer – eine erlebbare „Route der Bau- und Gartenkultur Altmühltal“ konzipiert werden. Damit soll den interessierten Gästen eine Route aufgezeigt werden, mit der viel der pittoresken Dorfbilder nachvollzogen werden können, die aber auch gezielt zu Anlaufstellen führen sollen, an denen diese Gäste verpflegt und versorgt werden können. Und für tiefer an der Thematik interessierte Gäste sollen auch spezifische Führungen angeboten werden. Das Projekt zielt darauf ab, dass mit der sehr gepflegten Bau- und Gartenkultur auch eine regionale Wertschöpfung eröffnet werden soll und dass mit diesem dann multiplizierten Image die Region des Altmühltals einen positiv besetzten Wohlklang erhält. Denn auch ohne besondere spektakuläre Elemente, wie bei der Baukultur Oberbayerns oder im Allgäu, spricht die Harmonie der Dörfer mit der eher bescheiden gebauten, aber dennoch sehr prägenden fränkischen und in Teilbereichen auch Jurahaus-Baukultur viele Menschen und Zielgruppen an, die sicher sehr gut zu den auf Entspannung und Entschleunigung passenden Angeboten der Region passen. Und es fügt sich, dass die notwendige Zielsetzung der Dorfentwicklung „Innen vor Außen“ gerade auch dieses eher touristische Element sehr sinnvoll und zukunftsfähig ergänzt.

Nächste Sitzung am 22. August

Mit diesen beiden Ansätzen wird es daher wertvolle Anregungen und Inhalte geben, die im neu konzipierten Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept Altmühltal ihren Niederschlag finden können. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich an den weiteren Diskussionen gerne beteiligen und aktiv einbringen. Die nächste öffentliche Arbeitskreissitzung findet am Dienstag 22. August, um 19.30 Uhr, im „Europäischen Haus“ in Pappenheim (neben dem Rathaus) statt.

Dabei werden dann vorrangig folgende Themen auf der Tagesordnung stehen:

  • Das Engagement im Ehrenamt lässt nach – woran liegt das und wie können Vereine unterstützt werden?
  • Klimaschutz auf dem Dorf – auch im Kleinen kann viel erreicht werden
  • Leerstände im Dorf – Woran liegt es und was würde den Eigentümern helfen?

Es dürfen sich alle an den genannten Themen interessierte Akteure angesprochen fühlen und auch ohne Anmeldung teilnehmen.

Foto: Brigitte Dorr

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