Hesselberg (red).  Der Landfrauentag 2020 des Evangelischen Bildungszentrums Hesselberg widmete sich dem Thema „Seit 75 Jahre Frieden“. Ausgehend von dem Satz „das haben wir uns verdient“ machte Dekan Hermann Rummel (Wassertrüdingen) deutlich, dass wir nicht zu allem, was wir im hier und jetzt genießen können, selbst etwas beigetragen haben. Vieles sei ein Geschenk, das wir genießen, aber für das wir auch dankbar sein sollten.

Dass auch er dankbar sei, zeigte Bürgermeister Stefan Ultsch (Wassertrüdingen) in seinem Grußwort. Er freue sich über die Nähe zur Natur, die Herzlichkeit, aber auch das stressfreie Autofahren in Wassertrüdingen. Auch für die Landesgartenschau und das damit verbundene Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger sei er dankbar. Die Gartenschau hätte gezeigt, dass der ländliche Raum viele „Schätze“ zu bieten habe.

Dass sich unsere Heimat seit 1945 sehr gut entwickelt und verändert hat, machte Landrat Dr. Jürgen Ludwig (Ansbach) in seinem Vortrag deutlich. Er betonte, es ginge uns so gut wie nie zuvor. So könne man sich über unsere Bildungslandschaft, aber auch die gute medizinische Versorgung freuen – und in unserer Region etwa auch über den Erfolg der Landesgartenschau in Wassertrüdingen. Doch viele hielten alles mittlerweile für selbstverständlich, dabei sei es hart erarbeitet. Damit es auch in Zukunft gut bleibe, müsse man weiterarbeiten und sich zugleich der Diskussion stellen, so der Landrat. Dabei sollten wir mehr Verständnis für die Interessen und Ansichten der anderen aufbringen, und zugleich manchen Zeitgenossen gegenüber mehr Gelassenheit haben. Wenn wir mit Dingen und Menschen, die wir nicht ändern können, unseren Frieden machen, könnten wir auch Frieden stiften, ist Dr. Ludwig überzeugt.

Für Dr. Otto Zsok, Leiter des Süddeutschen Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse, ist das Gespräch das Medium für die Gestaltung eines Konflikts – und zwar im politischen Bereich zwischen Gesellschaften genauso wie im privaten Bereich. Für den Dozenten für Logotherapie kommt die Tatsache, dass wir seit 75 Jahren in Europa in Frieden leben, fast einem Wunder gleich. Viele Gespräche wären dafür notwendig gewesen und ein Ringen und Suchen nach Kompromissen von Russen und Amerikanern, um den Ost-West-Konflikt friedlich zu beenden und die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten zuzulassen. Auch im persönlichen Bereich müsse ein Dialog zwischen beiden „Parteien“ stattfinden. Man müsse aufeinander hören, zu- und miteinander sprechen und das Anliegen des Partners erfühlen wollen, um die womöglich gegensätzlichen Standpunkte so verbinden zu können, dass ein sinnvoller Kompromiss herauskäme. Das Ich und das Du müssten erkennen und bejahen, dass es einen „Sinn des wir“, ja einen „Sinn für uns“ gäbe. Nur wenn jeder Einzelne den Hass in sich selbst überwunden habe, würde der Weg des Friedens gangbar, ist der Schüler Viktor Frankls überzeugt. Man könne Gegensätze erkennen und benennen, ohne einen Krieg anzuzetteln. Dabei sei es wichtig, einen Gegner nicht automatisch mit einem Feind gleichzusetzen.

Nach der Mittagspause sorgte die Diplom-Schauspielerin und KlinikClownin Ruth Wahl (Nittendorf bei Regensburg) mit ihrer Figur Lieselotte Pulver-Fass für Stimmung. Sie ging auf humorvolle Art auf die Suche nach dem Frieden und brachte die Zuhörenden zum Nachdenken mit der Frage, wo sie selbst ihren Frieden suchen würden, wenn sie diesen verloren hätten. Beim Gebet, in der Musik und in der Natur kamen die Antworten.

Was sich in den 75 Jahren seit Ende des zweiten Weltkriegs für die Frauen geändert habe, zeigte anschließend Historikerin Dr. Eva Karl auf. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Zeitgeschichte München betonte, dass das Leben von Landfrauen die ganze Zeit über von Arbeit dominiert war. Den Veränderungen begegneten sie mit enormer Vielseitigkeit, Flexibilität und Einsatzbereitschaft, man können in ihnen wahre Multitalente erkennen, so Dr. Karl. Landfrauen wurden dabei meist zur Bescheidenheit erzogen. Obwohl sie die zentralen Stützen darstellten, kümmerten sie sich typischerweise um alles und jeden und dachten dabei meist zuletzt an sich selbst. Dabei war es ihr Verdienst, die Folgen des Strukturwandels aufzufangen und den Frieden im Großen und Kleinen zu bewahren.

Der Landfrauentag des Evangelischen Bildungszentrums Hesselberg spannte insgesamt einen weiten Bogen – von der Geschichte der Nachkriegsjahre bis zu den heutigen Gegebenheiten. Er ermöglichte eine Rückschau, die nachdenklich machte und zugleich den Blick in die Zukunft weitete. Durch das Programm führte Pfarrerin Beatrix Kempe, die theologische Studienleiterin des Bildungszentrums.

Bildunterschrift: Auch poetische Bilder zeigte Lieselotte Pulver-Fass alias Diplom-Schauspielerin Ruth Wahl auf der Suche nach dem Frieden. Foto: EBZ Hesselberg

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