Naturschutzbedingte Verbote für Kanu- und SUP-Anbieter schaden der Umwelt mehr, als dass sie ihr nützen

Treuchtlingen (red). Outdoorsport, Wassersport und allen voran Stand-Up Paddling (SUP) liegen voll im Trend. Prof. Dr. Manuel Sand, Leiter des Instituts für Outdoor und Adventure (und bekannt als der Professor, der 70km nach Hause paddelte) sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen, speziell die Hürden für kommerzielle Anbieter und die erwarteten Auswirkungen der Preisentwicklung für Stand-Up Paddle Boards bereiten ihm Sorge. Viele Kommunen und Gemeinden verbieten derzeit den kommerziellen Verleih von SUPs und Kajaks, doch der Schuss könnte nach hinten losgehen.

Raus in die Natur heißt es wieder zunehmend für viele Menschen die am Wochenende Erholung suchen. „Generell begrüße ich es sehr, wenn die Leute wieder vermehrt in der Natur unterwegs sind und sich körperlich betätigen“, sagt Prof. Dr. Sand Programmleiter des Studiengangs Outdoorsport und Adventuremanagement an der Hochschule für angewandtes Management. Doch es gibt auch einige Entwicklungen, die im Hinblick auf Naturschutz und Erholung kritisch zu sehen sind. Im Folgenden werden Pro und Contra des Outdoorsports und speziell des Stand-Up Paddelns beleuchtet und abschließend ein Fazit gezogen.

Outdoorsport und Gesundheit

Ein Aufenthalt in der Natur bringt zunächst einmal viele gesundheitliche Vorteile mit sich, wie wir aus aktuellen Studien wissen. Wer viel in der Natur ist, kann besser abschalten, entspannt sich schneller und ist kreativer. Sport verstärkt diese Effekte und bringt darüber hinaus viele weitere physische und psychische Vorteile mit sich. So können z.B. auch das Selbstbewusstsein und die Lebensqualität durch die Ausübung von Outdoorsportarten verbessert werden. Generell ist es also zu begrüßen, wenn mehr Leute in der Natur unterwegs sind, gleichzeitig birgt das aber Risiken für Flora und Fauna.

Outdoorsport und Naturschutz

Sport ist nicht per se schädlich für die Natur, im Gegenteil. Es kommt dabei sehr auf das Verhalten und den Wissensstand, insbesondere auch auf den Könnensstand der Sportler an. Wer weiß, wie er sich verhalten muss, der kann ohne große negative Effekte für die Natur seinen Sport betreiben. „Wer die Natur zu schätzen weiß, setzt sich auch vermehrt für deren Erhalt ein“, lautet die These des Outdoorprofessors. Immer mehr Outdoorsportler wollen zudem etwas gegen die Umweltverschmutzung tun und reinigen Flüsse oder Seen. Andere verkaufen Armbänder aus Meeres-Plastik, durch die Einnahmen fischen Sie immer mehr Plastik aus den Meeren. Auch die Outdoorsportartikelindustrie denkt zunehmend um und verwendet kompostierbare Stoffe oder recycelt altes Plastik zur Herstellung von Jacken. „Es gibt viele positive Beispiele, doch letztendlich hängt es immer vom Verhalten einzelner Individuen ab“, sagt Sand, „Verbote helfen dabei weniger, wichtig ist eine sinnhafte Aufklärung über das Wieso und Warum.“

Wassersport und Naturschutz

Wasser stellt eine der wichtigsten Ressourcen auf unserem Planeten dar und wird vielerorts geschützt. Wassersport erfreut sich einer wachsenden Beliebtheit, was unweigerlich Risiken für die Natur mit sich bringt. So können Tiere aufgescheucht werden, Müll ins Wasser gelangen, sensible Uferzonen gestört werden, oder Laichplätze von Fischen zerstört werden. Problematisch sind dabei oftmals die Masse an Paddlern und das Befahren von schmalen und seichten Flüssen und Bächen. In den letzten Jahren häufen sich auch die Konflikte zwischen Outdoorsportanbietern, Anglern, Naturschützern und Anwohnern. Dies hat viele Kommunen dazu veranlasst das Fahren auf den heimischen Gewässern stark einzuschränken oder zu unterbinden. Vielerorts werden derzeit Gutachten zur Umweltgefährdung erstellt und Anbietern ist es bis auf Weiteres untersagt Boote und Bretter zu vermieten oder Touren anzubieten. „Ein Schritt in die falsche Richtung“, sagt Prof. Sand. Es sei sehr wichtig Reglementierung zu prüfen, Gutachten durchzuführen und Besucherströme zu lenken und zu verteilen, doch ein generelles Verbot für gewerbliche Anbieter kann leicht nach hinten losgehen. Zum einen ist es schwer dies durchzusetzen und zu kontrollieren und zum anderen betrifft es derzeit meist nur gewerbliche Anbieter, nicht aber private Paddler.

Trendsport SUP

SUP ist eine Trendsportart, die in den letzten Jahren rasant gewachsen ist. Sie ist einfach zu erlernen, vielerorts durchführbar und hat ein junges und hippes Image. Kaum ein See, Fluss oder Strand kommt mehr ohne SUP-Verleih aus. Ein weiterer großer Vorteil des SUP ist der verhältnismäßig einfache Transport dank aufblasbarer Bretter. Im Vergleich zu Kajaks oder Kanus können die Bretter zusammengerollt werden, gut gelagert werden und mit dem Zug zum See und wieder nach Hause transportiert werden. „Sehr bedenklich sehe ich die zu erwartenden Auswirkungen der aktuellen Preisentwicklung für Stand-Up Paddleboards. Mittlerweile kosten Bretter nicht mehr um die 1.000€, gute Boards sind nun u.a. im Discount-Supermarkt bereits für unter 200€ zu erwerben und somit für jedermann erschwinglich.“ äußert Prof. Sand seine Bedenken. Zudem hat kürzlich eine Studie gezeigt, dass die Silhouette eines Stand-Up Paddlers für Tiere deutlich bedrohlicher wirkt als ein Kanu oder Kajak. Jedoch ist fraglich, ob sich die Tiere mit der Zeit vielleicht auch an das neue Erscheinungsbild der Wassersportler gewöhnen und sich weniger gestört fühlen. Mancherorts gab es bereits Überlegungen SUPs zu verbieten, jedoch gibt es generell keine Anhaltspunkte für eine stärkere Umweltbelastung als beim Kajakfahren. Die Situation ist undurchsichtig und es gibt viele Interessenslagen und Lösungsansätze.

Aktuelle Situation und die davon ausgehende Gefahr

SUP hat sich zu einer weitverbreiteten Sportart entwickelt, die man nicht nur mal im Urlaub ausüben möchte, sondern möglichst auch wohnortnah und regelmäßig. SUP-Anbieter und Verleihstationen haben dazu einen nicht unwesentlichen Beitrag geleistet. Diese verfügen in der Regel über einen geeigneten Ein- und Ausstieg, klären ihre Kunden über entsprechende Verhaltensweisen auf, halten den Fluss sauber und führen organisierte Touren durch, auf welchen richtiges Verhalten gezeigt und vorgelebt wird. Doch durch aufkommende Verbote ist nicht nur die Existenz der Anbieter bedroht, dadurch kann auch das Gegenteil erreicht werden. Wenn keine SUPs mehr zum Verleih stehen und die Bretter immer günstiger zu haben sind, werden sich immer mehr Leute ein Brett kaufen und auf eigene Faust lospaddeln. Dadurch wird nicht nur immer mehr Plastik produziert, es kommen immer mehr Bretter auf unsere Flüsse und Seen, mit ihnen Paddler, die noch keinen sicheren und naturschonenden Umgang mit dem Brett erlernt haben und somit eine Gefahr für sich und ihre Umwelt darstellen.

Richtiges Verhalten auf dem Wasser

Doch wie kann man sich nun auf dem Wasser verhalten, um möglichst wenig in die Natur einzugreifen? Zunächst sollte man sich über Regelungen und Besonderheiten des Gewässers informieren. Zudem sollte man nur die offiziellen Ein- und Ausstiegsstellen nutzen, sensible Uferbereiche meiden, sich von Tieren fernhalten, in der Mitte des Flusses paddeln, Kiesbänke und Seitenarme meiden und nicht unnötig Lärm verursachen. Natürlich sollte man Müll wieder mitnehmen und möglichst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Das Paddeln auf Seen ist etwas unproblematischer als auf Flüssen, da diese meist tiefer sind und mehr Abstand vom Ufer eingehalten werden kann. Generell sollte man sich aktiv mit der Natur auseinandersetzen und verstehen warum man diese Regeln anwenden sollte. „Ich bin nach wie vor auch selber auf dem SUP unterwegs, versuche aber möglichst wenig in das Ökosystem einzugreifen. Wenn es sein muss, dann laufe ich auch mal ein paar Meter, bis das Gewässer wieder geeignet ist. Es ist eben ein Geben und Nehmen“, sagt der begeisterte Wassersportler Sand.

Ausblick

Um langfristige Lösungen zu erarbeiten, ist ein Austausch aller Beteiligter auf Augenhöhe zielführend. Wenn man Behörden und Naturschutz mitnimmt und einbindet, ist es wesentlich einfacher etwas gemeinsam zu bewegen. „Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen haben wir zusammen mit dem Bund Naturschutz einen runden Tisch mit Vertretern aus verschiedenen Bereichen eingeführt, bei dem wir aktuelle Entwicklungen konstruktiv diskutieren und an gemeinsamen Lösungen arbeiten. Bisher entwickelt sich die Idee sehr positiv und wir konnten erste gemeinsame Projekte erarbeiten und werden diese zeitnah auf der Altmühl umsetzen, “ berichtet Sand nicht ohne Stolz.

SUP Anbieter sollten zertifiziert werden und auf umweltschonendes Verhalten aufmerksam machen. Gute Verleihstellen sind vor Ort, kennen die Szene und können regulierend einwirken. Ein großes Problem im Outdoorsport ist der geringe Organisationsgrad der Sportler, womit ein Sprachrohr und Kommunikationswege fehlen wie bspw. durch eine Dachorganisation wie bspw. einen Sportverband. Die SUP Branche sollte generell die Naturschutzaspekte stärker in den Fokus rücken, so dass auch langfristig unsere Gewässer als Sport- und Naherholungsgebiete genutzt werden können und wir die vielfältigen, positiven Effekte des Outdoorsports genießen können. Heutzutage befürwortet eine Großzahl der Bevölkerung Naturschutzmaßnahmen, jedoch wollen sich die meisten dafür nicht einschränken. Doch letztendlich ist es simpel und längst in einer Binsenweisheit festgehalten: Naturschutz fängt bei jedem selbst an und jeder sollte seinen Beitrag leisten.

Bildunterschrift: Das Foto zeigt Prof. Dr. Manuel Sand auf dem SUP und im Portrait. Vor zwei Jahren bin ich mit dem SUP 70km nach Hause gepaddelt (https://www.bayern3.de/paddeln-treuchtlingen-professor-wette-handeln-sup-stand-up-paddling)

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