Prachtvolle Faksimile-Ausgabe eines berühmten Pflanzenbuchs

Eichstätt (red). Mit dem 1613 erschienenen „Hortus Eystettensis“ verwahrt die Eichstätter Universitätsbibliothek ein besonders herausragendes Exemplar des wohl berühmtesten Pflanzenbuchs. Mehrfach ist das Werk Basilius Beslers schon als Bildband und als Faksimile aufgelegt worden, sodass es weltweit Verbreitung fand. Der Taschen Verlag, der auf großformatige Bildbände spezialisiert ist, hat nun eine hochwertige Edition publiziert, für die das Eichstätter Exemplar der Fürstenausgabe eigens in das Göttinger Digitalisierungszentrum gebracht wurde.

Auf einem Rollwagen schiebt Dr. Heike Riedel die Archivschachtel mit dem kostbaren Buch aus dem gut gesicherten Magazin in den Lesesaal der Hofgartenbibliothek. Mit weißen Handschuhen hebt die Leiterin der Abteilung Historische Bestände das gewichtige Werk – jeder der drei Bände wiegt rund fünf Kilogramm und ist 54 mal 45 Zentimeter groß – vorsichtig aus der Schutzschachtel und legt es auf Keilen aus Schaumstoff ab. Oft wird das Eichstätter Exemplar des „Hortus Eystettensis“ aus konservatorischen Gründen nicht hervorgeholt. Es dürfte das wertvollste Buch im Bestand der Eichstätter Universitätsbibliothek sein. Vor einigen Jahren war eine ähnliche Original-Erstausgabe für umgerechnet 1,94 Millionen Euro bei einer Auktion von Christie’s in London versteigert worden. Doch wie will man den Wert eines solchen historischen Schatzes überhaupt beziffern?

Fürstbischof Johann Konrad von Gemmingen hatte 1595 den Auftrag erteilt, die prächtigen Gärten auf den Bastionen der Willibaldsburg auszubauen. Die Aufgabe übernahm Anfang des 17. Jahrhunderts der Nürnberger Apotheker und Botaniker Basilius Besler. Neben der Umsetzung der Gartenanlage verfolgte Besler bald auch das Vorhaben, den „Hortus Eystettensis“ einem breiten Publikum durch eine Publikation bekannt zu machen. Mehrere Jahre dauerte die Arbeit, ehe das Werk 1613 – und somit erst nach dem Tod von Gemmingens – in Nürnberg erschien. Die Erstausgabe hatte den lateinischen Namen „Hortvs Eystettensis, Sive Diligens Et Accvrata Omnivm Plantarvm, Florvm, Stirpivm, Ex Variis Orbis Terrae Partibvs, Singvlari Stvdio Collectarvm Qvae In Celeberrimis Viridariis Arcem Episcopalem Ibidem Cingentibvs, Hoc Tempore Conspicivntvr Delineatio Et Ad Vivvm Repraesentatio“ (Der Garten von Eichstätt, oder sorgfältige und genaue Aufzeichnung und naturgetreue Darstellung aller jener mit einzigartigem Fleiß aus den verschiedenen Erdteilen zusammengetragenen Pflanzen, Blumen und Bäumen, die in den berühmten Gärten den Bischofssitz daselbst umgeben und dort betrachtet werden können).

Das Buch über den Garten auf der Willibaldsburg sollte zum wohl prächtigsten botanischen Bildwerk nicht nur seiner Zeit werden. Die drei großformatigen Bände mit 734 Seiten beschreiben 1084 Pflanzenarten aus allen Teilen der damals bekannten Welt. Berühmt ist das Werk vor allem für die prächtigen Kupferstiche: 367 detailgetreue Darstellungen von Pflanzen, die – sofern es das Buchformat zuließ – in natürlicher Größe dargestellt werden. Der „Hortus Eystettensis“ erschien 1613 in mehreren Versionen: neben zwei günstigeren Buchhandelsausgaben mit und ohne Text wurde eine hochwertige kleine Auflage als fürstliches Geschenk („Fürstenausgabe“) einseitig bedruckt und zumeist koloriert. Die Kolorierung unterschied sich dabei von Exemplar zu Exemplar in Farbtönen und Ausfertigungsqualität. Unter den rund 25 noch bekannten altkolorierten Prachtausgaben von 1613 gilt das dreibändige Eichstätter Exemplar als eines der am besten erhaltenen. Es ist Teil der Seminarbibliothek und somit im Besitz des Collegium Willibaldinum. Kurioserweise hatte in Eichstätt offenbar kein kolorierter Erstdruck in vollständigem Zustand die Zeiten überdauert. Das Exemplar der Seminarbibliothek wurde am Ende des 19. Jahrhunderts in England ersteigert.

Bereits 2013 ließ der Taschen Verlag die drei Eichstätter Bände nach Göttingen in das Digitalisierungszentrum der Niedersächsischen Staatsbibliothek bringen, wo alle Seiten von Fachleuten eingescannt und anschließend bearbeitet und drucktechnisch aufbereitet wurden. Ende 2023 ist nun ein neuer Nachdruck im Folioformat in einer nummerierten Auflage von 7500 Exemplaren erschienen. Die dreisprachige Neuausgabe enthält nicht nur – wie frühere Ausgaben – die Bild-, sondern auch die Texttafeln. Begleitet werden diese von Kommentaren und wissenschaftlichen Erläuterungen von Klaus Walter Littger, dem früheren Leiter Eichstätter Handschriftenabteilung, und Werner Dressendörfer.

Die Eichstätter Prachtausgabe ist seit einiger Zeit auch online abrufbar auf dem Portal www.bavarikon.de (auffindbar über den Suchbegriff „Hortus Eystettensis“). Und auch die Universitätsbibliothek bietet über ihren Online-Katalog gescannte Ansichten des Werkes, zu finden unter

www.ku.de/bibliothek/suchen-und-finden/sammlungen (unter „Digitale Sammlungen“).

Basilius Besler: The Garden at Eichstätt, 3 Bände im Schuber, 1096 Seiten, Taschen Verlag Köln 2023, ISBN 978-3-8365-9433-2, 200 Euro.

Bildunterschrift: Dr. Heike Riedel (Leiterin der Abteilung Historische Bestände), Michael Wohner (Regens des Eichstätter Priesterseminar) und Dr. Maria Löffler (Direktorin der Universitätsbibliothek) mit einem Original-Band des „Hortus Eystettensis“ sowie der dreibändigen Faksimile-Edition. Foto: Christian Klenk

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