Trotz Herausforderungen – positive Entwicklung des Arbeitsmarktes 2022

(red). „Der Arbeitsmarkt hat sich im vergangenen Jahr trotz multipler Herausforderungen, die vor allem durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine verursacht wurden, positiv entwickelt. So sank der Jahresdurchschnitt der arbeitslos gemeldeten Menschen und liegt nun sogar noch auf dem Niveau von 2019, wenn man die Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit herausrechnet“, bilanziert Wolfgang Langer, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg.

Erfassung Geflüchteter aus der Ukraine in Statistik sichtbar
Seit Juni 2022 werden die Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten von den Jobcentern betreut, um sie längerfristig zu begleiten und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dementsprechend stieg der Jahresdurchschnitt der Personen, die vom Jobcenter betreut werden gegenüber dem Vorjahr um 18,4 Prozent. Der Jahresdurchschnitt der arbeitslosgemeldeten Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit nahm um 31,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. „Im Laufe des zweiten Halbjahres 2022 konnten immer mehr Menschen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft einen Integrationskurs beginnen. Vor allem erlernen sie in diesem Rahmen die deutsche Sprache, was Voraussetzung für die erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt ist. Während dieser Qualifikation gelten sie nicht als arbeitslos“, erläutert Langer.

Rückgang der Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt
Die insgesamt positive Dynamik des Arbeitsmarktes verdeutlicht vor allem die Zahl der im Jahresdurchschnitt von der Agentur für Arbeit betreuten Personen. Diese nahm um 18,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Von dieser Entwicklung profitierten unter anderem arbeitslose Personen ab 55 Jahren, deren Zahl im Jahresdurchschnitt um 137 auf 2.302 (-5,6 Prozent) abnahm. Ebenso sank die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen um 82 auf 791 (-9,4 Prozent). Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen nahm um 196 auf 1.761 (-10,0 Prozent) ab. „Gleichwohl sind immer noch ein Viertel aller arbeitslos gemeldeten Personen Langzeitarbeitslose. Vor der Coronapandemie waren es nur ein Fünftel. Deshalb liegt auch im neuen Jahr ein Schwerpunkt unserer Arbeit, in der Unterstützung dieser Personengruppe. Dazu fördert die Agentur für Arbeit Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen insbesondere durch berufliche Weiterbildung sowie mithilfe des sogenannten Eingliederungszuschuses“, erklärt Wolfgang Langer.

Neues Allzeithoch sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung
Noch nie waren so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie zum Stichtag 30. Juni 2022. Mit 166.632 sind es 1.973 (1,2 Prozent) mehr als zum Vorjahresstichtag.
Innerhalb von zehn Jahren ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 21.689 beziehungsweise 15,0 Prozent gestiegen. Besonders groß ist der Zuwachs sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, im Vergleich zum Vorjahresstichtag, im öffentlichen Dienst (+428), im Handel (+331) sowie im Gastgewerbe (+330). Die relativ größte Zunahme weißt der Bereich Information und Kommunikation mit 17,9 Prozent auf. Demgegenüber nahm die sozialversicherungspflichte Beschäftigung in der Arbeitnehmerüberlassung (-385) und im Baugewerbe (-128) ab. Trotz der deutlichen Zunahme hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe noch nicht wieder auf das Niveau vor der Coronakrise entwickelt. Dagegen waren im Handel zum Stichtag mehr Menschen sozialversicherungspflichtig Beschäftigt als zum Vergleichsstichtag 2019.
„Die Entwicklung der Beschäftigungszahlen unterstreicht die positive Entwicklung des Arbeitsmarktes trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen“, so Langer.

Kurzarbeit weiter rückläufig trotz wirtschaftlicher Herausforderungen
„Kurzarbeit hat sich als wirksames Instrument erwiesen, um besonders während der Hochphase der Pandemie Entlassungen zu vermeiden. Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen ging die Kurzarbeit insgesamt weiter zurück, auch wenn sie unter anderem wegen weiter bestehender Lieferengpässe noch nicht wieder auf das Niveau vor dem Beginn der Coronakrise gesunken ist“, bilanziert Wolfgang Langer. Der Höchststand der Kurzarbeitergeld-Anzeigen wurde dabei Anfang des Jahres im Januar und Februar mit 195 beziehungsweise 77 Anzeigen für 1.872 beziehungsweise 686 Arbeitnehmer*innen erreicht. Zum Jahresende im November waren die Anzeigen rückläufig. Hier lag die Anzahl nur noch bei 34 für 1.495 Arbeitnehmer*innen.

Zugang neuer Stellen nimmt ab, doch Bestand offener Stellen so hoch wie nie Im Jahr 2022 meldeten die Arbeitgeber*innen dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcentern insgesamt 13.179 freie Stellen. Das sind 1.265 oder 8,8 Prozent weniger als im Vorjahr. 19 Prozent aller Stellenzugänge kamen von Arbeitgeber*innen aus dem verarbeitenden Gewerbe, 17,1 Prozent aus der Arbeitnehmerüberlassung, 13,4 Prozent aus dem Gesundheits- und Sozialwesen, 12,8 Prozent aus dem Handel und 5,6 Prozent aus dem Baugewerbe.

Im Jahresdurchschnitt standen im Berichtsjahr 6.363 freie Stellen zur Verfügung; 2021 waren durchschnittlich 5.418 im Bestand. Damit hat die Zahl der offenen Arbeitsstellen im Jahr 2022 einen neuen Höchstwert im Vergleich der letzten zehn Jahre erreicht. Vor diesem Hintergrund blickt Wolfgang Langer zuversichtlich ins neue Jahr: „Auch 2023 ist mit einer weiteren Zunahme der Beschäftigtenzahlen zu rechnen. Jedoch spielt das Anforderungsniveau bei der Besetzung der Stellen eine große Rolle. Vor allem die Nachfrage nach passenden Fachkräften ist unverändert hoch. So setzten auch im vergangenen Jahr mehr als drei Viertel aller angebotenen Stellen eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss voraus. Dementsprechend wird ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit auf der Qualifikation von Arbeitnehmer*innen und arbeitslos gemeldeten Menschen liegen.“

Foto: Brigitte Dorr

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