Viertes Klimaschutznetzwerktreffen Altmühlfranken in Wunsiedel – Kommunen aktiv für den Klimaschutz

Wunsiedel (red). Im Juli hat bereits das 4. Netzwerktreffen des Klimaschutznetzwerks Altmühlfranken stattgefunden, das im Jahr 2022 von den 27 Gemeinden des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen sowie vom Landkreis selbst gegründet wurde. Dieses Netzwerktreffen mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie weiteren Vertretern des Landkreises mit Landrat Manuel Westphal an der Spitze fand dieses Mal nicht im Landkreis, sondern im Rahmen einer gemeinsamen Informations- und Besichtigungsfahrt nach Wunsiedel statt. Neben einem fachlichen Input des Instituts für Energietechnik GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden besichtigten die am Netzwerk beteiligten Kommunen den Energiepark in Wunsiedel.

Das für das Netzwerkmanagement zuständige Institut für Energietechnik GmbH stellte durch Martin Gonschorek die aktuell in Auftrag gegebenen Energie- und Klimaschutzprojekte der Kommunen vor und ging auf das weitere Vorgehen des interkommunalen Projekts der Klärschlammverwertung ein. Neben dem aktuellen Netzwerkstatusbericht wurde sich auch mit dem Thema Wasserstoff auseinandergesetzt. Prof. Dr. Raphael Lechner, Geschäftsführer und Wasserstoffexperte des Instituts für Energietechnik GmbH, stellte dem Netzwerk die regionalen Erzeugungs- und Nutzungsmöglichkeiten von Wasserstoff vor. Auf Grund des Themenschwerpunkts Wasserstoff hat das Netzwerktreffen in Wunsiedel stattgefunden, wo der dortige Energiepark besucht wurde. Bereits 2021 nahm die Stadt dort einen Elektrolyseur in Betrieb, um Stromüberschüsse zu nutzen und zur Produktion von Wasserstoff zu verwenden.

Für die nordbayerische Kleinstadt Wunsiedel ist die Energiewende keineswegs mehr eine abstrakte Zukunftsvision, sondern Alltag. Die gesamte Region ist so gut vernetzt, dass sie sich weitestgehend autark über erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Biomasse versorgen kann. Dies konnte nur realisiert werden, da in nachhaltige Energien investiert wurde und dabei die regionale Wertschöpfung vor Ort immer im Vordergrund des Ausbaus der erneuerbaren Energieanlagen stand. Eine solche regionale Wertschöpfung soll auch im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen vorangetrieben werden.

Landrat Manuel Westphal stimmt daher derzeit mit den Kommunen und Stadtwerken im Landkreis ab, ob es zielführend ist, ein Regionalwerk zu gründen, um den Ausbau der erneuerbaren Energieanlagen zu koordinieren, Speichertechnologien zu realisieren sowie fachliche Kompetenzen zu bündeln und zu stärken. Das Regionalwerk könnte Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien verstärkt mit eigenem Fachpersonal umsetzen und gleichzeitig Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürgern vor Ort die Möglichkeit bieten, in den Ausbau der erneuerbaren Energien in der Region zu investieren. Ein gemeinsames Regionalwerk könnte auch eine Schlüsselrolle bei der Erzeugung von „grünem Wasserstoff“ aus erneuerbaren Energien einnehmen. Die Potentiale für die regionale Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff wird in den nächsten Monaten seitens des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen im Rahmen der Erstellung eines landkreisweiten, digitalen Energienutzungsplans noch näher untersucht werden, um zukünftig Stromüberschüsse im Bereich der erneuerbaren Energien im Landkreis sinnvoll regional nutzen bzw. speichern zu können, so dass letztendlich die regionale Wertschöpfung beim Ausbau der erneuerbaren Energien noch erweitert werden könnte.

Bereits zwei Informationsveranstaltungen wurden seitens des Landkreises zum Thema Regionalwerk organisiert, unter anderem am 12.07.2023 im Bethelsaal der Stiftung Hensoltshöhe in Gunzenhausen, wozu alle kommunalen Vertreter der Entscheidungsgremien sowie die Geschäftsführer der Stadt- und Gemeindewerke eingeladen waren. Weitere Veranstaltungen und Workshops sind für Herbst mit dem gleichen Kreis geplant.

Dr. Simon Amesöder, Andreas Gebhardt und Marco Stenglein aus Gunzenhausen, wie auch Dr. Karl-Friedrich Ossberger und Harald Höglmeier aus Weißenburg, begrüßen den Ansatz einer Gründung eines Regionalwerks: „Für uns als Initiatoren der Unternehmerinitiative Nachhaltigkeit und CO2-Neutralität für Altmühlfranken (kurz: UNNA) ist es wichtig, den Wirtschaftsstandort Altmühlfranken im Bereich Nachhaltigkeit und regenerativen Energien zu stärken. Auch wir als Unternehmen wollen unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten und führen bereits seit Jahren Energieaudits durch, um unsere eigenen Verbräuche zu reduzieren und somit auch unseren eigenen Treibhausgasausstoß. Auch achten wir auf Nachhaltigkeit bei unseren Lieferanten und versuchen die Lieferketten so regional wie möglich zu gestalten. Daher begrüßen wir den Ansatz, den Landrat Manuel Westphal mit der Gründung eines Regionalwerks verfolgt, denn durch das Regionalwerk kann ein wichtiger Beitrag geleistet werden, um gemeinsam als interkommunales Energieversorgungsunternehmen den Ausbau von erneuerbaren Energieanlagen voranzutreiben, dabei die Wertschöpfung vor Ort zu steigern und gleichzeitig eine gewisse Unabhängigkeit im Energieversorgungsmarkt zu schaffen.“

Weiter ergänzen die UNNA-Initiatoren: „Ein Regionalwerk kann durch die Bündelung der finanziellen Mittel der teilnehmenden Kommune größere Projekte realisieren und könnte dadurch auch einen eignen, regionalen Stromtarif anbieten. Eine kostengünstige Energieversorgung ist für uns als Unternehmen ein wichtiger Punkt, denn nur so können wir weiterhin konkurrenzfähig am Standort Altmühlfranken bleiben. Zusätzlich könnte das Regionalwerk unseren Landkreis mit grüner Energie versorgen.“

Bildunterschrift: Zu Besuch in Wunsiedel: Das Klimaschutznetzwerk Altmühlfranken besichtigte den dortigen Energiepark als Best-Practice-Beispiel. Foto: Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen

Hintergrundinformation zur Unternehmerinitiative Nachhaltigkeit und CO2-Neutralität für Altmühlfranken (UNNA):

Die Kunststoff- und Automobilzulieferindustrie ist fester und erfolgreicher Bestandteil der Wirtschaft in Altmühlfranken. Diese Branchen haben sich über Jahrzehnte entwickelt. Um unseren Wirtschaftsstandort gemeinsam zukunftsfähig und nachhaltig aufzustellen und auf vorhandene Herausforderungen zu reagieren, hat sich auf Initiative von Landrat Manuel Westphal die Unternehmerinitiative Nachhaltigkeit und CO2-Neutralität für Altmühlfranken, kurz UNNA, gebildet. Die UNNA-Initiatoren verfolgen das Zukunftsbild, dass Altmühlfranken ein zukunftsfähiger Wirtschaftsstandort mit einer starken Kunststoff- und Automobilzulieferindustrie ist. Außerdem soll Altmühlfranken Vorreiter beim Thema Nachhaltigkeit durch den Ausbau innovativer Produktions- und Kreislaufkonzepte bleiben und als Beispielsregion für CO2-neutrale Produktion gelten. Ziel ist es auch, ein Erfolgsmodell enger Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft umzusetzen und eine anerkannte und führende Adresse für Kunststoff im Bildungssektor zu sein.

Mitglieder der ersten Stunde von UNNA sind neben Landrat Manuel Westphal Unternehmer aus der kunststoffverarbeitenden Industrie aus dem ganzen Landkreis:

  • Dr. Simon Amesöder, Geschäftsführer RF Plast GmbH und IHK-Gremiumsvorsitzender Weißenburg-Gunzenhausen
  • Andreas Gebhardt, Geschäftsführer SMAIIA GmbH
  • Harald Höglmeier, Geschäftsführer HP-T Höglmeier Polymer-Tech GmbH & Co. KG
  • Dr. Karl-Friedrich Ossberger, Geschäftsführer der OSSBERGER GmbH + Co. KG.
  • Marco Stenglein, Prokurist Verpa Folie Gunzenhausen GmbH

Weitere Informationen zur Initiative UNNA und zum Klimaschutznetzwerk Altmühlfranken sind auf der Homepage des Landkreises unter www.altmuehlfranken.de/wirtschaft/unna/ sowie www.altmuehlfranken.de/umwelt/klimaschutznetzwerk/ zu finden. Gerne können Sie sich auch an die Klimaschutzmanagerin des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen wenden.

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