Weißenburg (red). Die Hauptthemen des diesjährigen Waldbeganges des Städtischen Forstamtes mit dem Stadtrat waren die massiven Borkenkäferschäden und ihre Auswirkungen sowie das Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ (KWM). Hinter diesem Titel
verbirgt sich ein Förderprogramm des Bundes, das Erhalt, die Entwicklung und die Bewirtschaftung von Wäldern, die an den Klimawandel angepasst sind, zum Ziel hat.

Inzwischen hat die Stadt die Bewilligung zur Teilnahme erhalten und muss somit die 12 Kriterien der Förderrichtlinie einhalten. Im Gegenzug beträgt die Förderung nach Abzug der Kosten für die Kontrolle der Einhaltung durch externe Auditoren rund 160.000 € pro Jahr. Während die Laufzeit generell 10 Jahre beträgt, bindet man sich als Waldbesitzer mit über 100 ha, der zur Stilllegung von 5% der Waldfläche verpflichtet ist, diese Flächen für 20 Jahre unbewirtschaftet zu belassen.

Die Funktionen des Waldes, Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion, werden gerne als gleichwertig in ihrer Größenordnung angesehen und visualisiert. In der Realität stellte bisher die Nutzfunktion 97% der Einnahmen dar und mit diesen Einnahmen mussten die Ausgaben für die Bereiche Schutz und Erholung massiv bezuschusst werden. Durch das Förderprogramm KWM, welches auch stark auf die ökologischen Leistungen des Waldes abzielt, wird dieses Missverhältnis etwas korrigiert und die Schutzfunktion kann die Erholungsfunktion, die weiterhin stark defizitär bleibt, größtenteils mittragen.

Zentrales und leider immer wiederkehrendes Thema waren des Weiteren die andauernden Borkenkäferschäden im Stadtwald. Im Frühjahr ließen die geringen Fangzahlen in den Käferfallen noch darauf hoffen, dass sich die Borkenkäferpopulation auf einem deutlich geringeren Niveau als in den Vorjahren befindet. Diese Hoffnung verflog dann allerdings gänzlich, angesichts eines extrem gedrängten Käferausfluges Mitte Juni. Während der April und Mai mit im langjährigen Mittel liegenden Temperaturen eher kühl waren, konnten die Käferbruten
ihre Entwicklung im Juni und Juli bei deutlich zu warmer Witterung umso schneller durchlaufen. Auch der als zu kühl empfundene August mit Rekordniederschlägen konnte nicht viel daran ändern, dass es zu massenweisem Befall der Fichten kam. Erstmalig waren zeitweise drei Harvester gleichzeitig im Einsatz, um die befallenen Bäume möglichst schnell aus dem Wald zu bringen. Erneut war hier der schnelle und staatlich geförderte Abtransport auf den Trockenlagerplatz durch die Firma „Hüttinger Holztransporte“ von großem Wert. Zu spät aufgefundene und bereits vom Käfer verlassene Bäume wurden gezielt im Wald belassen. Einerseits werden durch das Totholz ökologische Funktionen erfüllt, aber gleichzeitig auch Holzmengen zurückgehalten, die auf einen wenig aufnahmefähigen Holzmarkt gestoßen wären.

Durch das Überangebot an Schadholz und gleichzeitig abflauender Schnittholznachfrage sank der Holzpreis bereits im Frühsommer
deutlich. Der finanzielle Verlust für die Stadt durch die Zwangsvermarktung von Fichtenschadholz zu ungünstigen Marktbedingungen lässt sich für das Jahr 2023 mit ca. 350.000 € beziffern. Der Gesamtschaden ist jedoch viel höher. Wie an einem Exkursionspunkt des Waldbeganges eindrücklich zu sehen war, werden zum Teil Jungbestände weit vor Erreichen ihres Zieldurchmessers befallen. Die entgangenen Holzzuwächse wiegen schwer, da Waldbestände nur wirtschaftlich sein können, wenn die Bäume ausreifen können. In Jungbeständen geht man mit defizitären Eingriffen in Vorleistung, um später möglichst wertvolles, reifes Holz ernten zu können. Holzvorrat sowie vor allem Holzzuwachs sind auf diesen Schadflächen deutlich reduziert, oder sogar auf null gesetzt und ein vergleichbarer Waldbestand kann frühestens in 40-50 Jahren, nach erneuten Investitionen wieder entstehen. Ein weiterer Nachteil entsteht dadurch, dass in Jungbeständen noch keine natürliche Verjüngung aufkommt, da es schlicht zu dunkel ist, um Sämlinge keimen zu lassen. Ist der Schirm
der Altbäume dann plötzlich weg, reagiert oft die Brombeere am schnellsten auf die neuen Bedingungen, was sowohl die natürliche, als auch die künstliche Wiederbewaldung durch Pflanzung deutlich erschwert. Weitere, schwer bezifferbare Schäden entstehen durch das zwangsweise Befahren von Rückegassen und Waldwegen bei ungünstiger Witterung. Zusätzlich verursacht das Absuchen der Waldbestände auf befallene Fichten hohe Personalkosten. Versucht man diese zum Teil schwer erfassbaren „Nebenkosten“ aufzusummieren, verdoppeln sich die reinen Verluste aus den niedrigeren Holzpreisen beinahe.

An weiteren Exkursionspunkten wurden die Probleme bei der Wiederbewaldung von Schadflächen gezeigt. Auf Kleinflächen wurden die zum Schutz der Jungpflanzen vor Rehwildverbiss bisher angebrachten Wuchshüllen aus Kunststoff erstmalig durch Alternativen aus Holz ersetzt. Allerdings mit sehr durchwachsenem Erfolg was Schutzwirkung und Stabilität angeht. Hier wird weiter aufwändig getestet werden müssen, wie eine ökologische Verbesserung erreicht werden kann. Im Kernbereich der inzwischen im dritten Jahr nicht mehr verpachteten Regiejagd wurden die ersten Pflanzungen ohne Schutzmaßnahmen durchgeführt. Für erste belastbare Ergebnisse ist es allerdings noch zu früh.

Anhand einer Eichenpflanzung wurde die Größenordnung deutlich, in der Pflanzungen scheitern können. Auf 2,1 Hektar wurden 2019, nachdem die Fichte ausgefallen war, fast 15.000 Eichen und Hainbuchen gepflanzt. Durch Trockenheit und Mäuse mussten in den Folgejahren zu 60% nachgepflanzt werden. Umso länger mussten die Jungpflanzen von Begleitvegetation wie Brombeere und Holunder freigehalten werden. Ob das Ergebnis den extrem hohen Aufwand von rund 15.000 Euro pro Hektar rechtfertigt, muss hinterfragt werden.
Zukünftig soll v.a. auf größeren Kalamitätsflächen die Naturverjüngung besser integriert werden und je nach Bedarf sukzessive Ergänzungspflanzungen stattfinden. Einerseits wird somit das Ausfallrisiko kleiner, andererseits können so landesweit dringend benötigte, wertvolle Baumschulpflanzen eingespart werden. Sehr vielversprechend laufen die ersten Pflanzungen mit sogenannten Wildlingen. Darunter versteht man Keimlinge und Jungpflanzen, die innerhalb des Stadtwaldes verpflanzt werden. Insbesondere Buche, Tanne und
Bergahorn samen sich in manchen Bereichen des Stadtwaldes üppig an und können durch das Verpflanzen baumartenärmere Bereiche aufwerten. Auch wenn die Kostenersparnis überschaubar ist, bleibt als Vorteile die Pflanzenfrische und die Flexibilität, da die jungen Bäumchen erst unmittelbar vor der Verpflanzung ausgestochen werden.

Foto: Stadt Weißenburg

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